In einem Leserbrief geht Marcus Müller auf die Reaktionen auf seinen Leserbrief ein.
Ich danke für die zahlreichen Reaktionen auf meinen Leserbrief vom 09.03.2026. Zwischenzeitlich hat mir Herr Schneider von den „FREIEN WÄHLER Erlensee“ mitgeteilt, dass er als Stadtverordneter mein Schreiben vom 04.02.2026 gar nicht erhalten habe. Daher möchte ich nicht ausschließen, dass auch Herr Gierhake mein Schreiben durch die Stadtverwaltung nicht zugestellt wurde. Möglicherweise hat er den Zeitpunkt der Veröffentlichung deshalb mit dem Wahltermin in Verbindung gebracht.
Besonders aufgefallen ist mir der Leserbrief von Herrn Beier, weil er (gefühlt zum ersten Mal) Transparenz und Zahlen in die Diskussion gebracht hat. Die Aussage ist, dass die Grundsteuer um 245 v. Hundert (rund 27,3%) erhöht werden müsste, wenn man das Hallenbad hätte weiter betreiben wollen. Für meine nun folgende Kalkulation gehe ich davon aus, dass die Kosten vollständig auf die Grundsteuer umgelegt werden würden und alle anderen Steuerarten (Gewerbesteuer, Hundesteuer etc.) nicht herangezogen werden würden: Da mir keine offiziellen Durchschnittswerte zur Grundsteuerbelastung pro Haushalt vorliegen, habe ich mit Hilfe von KI eine Beispielrechnung für eine durchschnittliche 80-qm-Wohnung in Erlensee vorgenommen. Je nach Lage und Immobilienwert ergibt sich eine jährliche Grundsteuer zwischen etwa 250 € und 380 €, also rund 21 € bis 32 € pro Monat. Eine Erhöhung um 27,3 % würde somit eine monatliche Mehrbelastung von bis zu 8,74 € pro Haushalt (80 qm) bedeuten. Um wiederum diese Zahl in ein Verhältnis zu setzen: Die politischen Eskapaden, mit einem lokalen „Bürgernetz“ gegen international tätige Telekommunikationskonzerne anstinken zu wollen, kosten jeden Haushalt aktuell 16,95€ pro Monat (41,90€ im Bürgernetz vs. 24,95€ bei einer Marke eines führenden deutschen Internetproviders). Das sind also ZWEI Hallenbäder! Dabei sind mögliche zukünftige Kosten des Bades noch nicht berücksichtigt: Nicht unwahrscheinlich ist, dass man zu einem späteren Zeitpunkt überrascht feststellen wird, dass stillgelegte Hallenbäder am Immobilienmarkt kaum gefragt und Umbauarbeiten für eine Alternativnutzung sehr kostenintensiv sind.
Die Aussage von Herrn Beier, „wer das Hallenbad haben möchte, muss bereit sein, dass sein Eigentum aufgefressen wird“, halte ich mit Hinblick auf eine mögliche Grundsteuererhöhung für nachvollziehbar. Allerdings frisst nahezu jede politische und behördliche Entscheidung Eigentum auf: Fragen Sie einen Immobilienbesitzer nach der Wertentwicklung seiner Immobilie nach einer Unterdenkmalschutzstellung. Fragen Sie einen Besitzer eines E-Autos/Autohändler nach der Wertentwicklung seines Fahrzeugs nach Einführung der E-Autoprämie. Auch die verdeckte Internetsteuer im Main-Kinzig-Kreis in Höhe von 16,95€ pro Monat frisst im Kern am Eigentum.
Warum es zu keiner Grundsteuersenkung kam, ist vielleicht „leicht erklärbar“, für mich jedoch nicht nachvollziehbar: Die genannten „zusätzliche[n] Pflichtaufgaben und Änderungen wie zum Beispiel in der Gruppengröße bei den Kitas“ betreffen nicht nur Erlensee, sondern vergleichbar auch andere Kommunen. Daraus würde folgen, dass auch dort entsprechende Steuererhöhungen notwendig gewesen wären – was jedoch vielerorts nicht der Fall ist. Vor diesem Hintergrund erschließt sich mir diese einfache Erklärung nicht.
Marcus Müller
Erlensee
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