Stefanie Hunn antwortet auf den Leserbrief von Sabine Kröll.
Bezugnehmend auf den Leserbrief von Frau Kröll zeigt sich ein grundlegendes Missverständnis meiner Kritik. Mit keinem Wort ist Fr. Kröll in ihrer Antwort auf die Kernargumente meines ursprünglichen Leserbriefs eingangen. Stattdessen wird der Fokus der Diskussion verschoben, um berechtigte Kritik als „deplatziert“ abzutun.
Ich habe keinesfalls gefordert, dass Mitarbeiter des Fachbereichs Familie und Soziales stundenlang komplizierte Grafikprogramme erlernen oder sich aneignen sollen was ein gutes Plakat ausmacht. Natürlich hat der Fachbereich soziales wichtigere Aufgaben zu erledigen als Plakate zu designen. Das war nie der Inhalt meiner ursprünglichen Kritik.
Den Diebstahl der Arbeiten anderer damit zu rechtfertigen, dass (wenn überhaupt) marginal Zeit eingespart wird, und sonst auf keinen der genannten Punkte einzugehen, zeigt vor allem eines: dass sich im Vorfeld einfach keine Gedanken über die Nutzung von KI und deren Folgen gemacht wurde.
Wenn die Verwaltung die Verantwortung für die Organisation eines Hobbykünstlermärktes trägt, dann ist der Griff zu generativer KI für dessen Vermarktung absolut unangebracht. Frau Kröll versucht, die ungefragte Nutzung und den Diebstahl geistigen Eigentums realer Künstler und Grafiker, auf denen diese KI-Modelle basieren, mit Zeitersparnis und administrativem Pragmatismus zu rechtfertigen. Gerade von einem Fachbereich, der sich um soziale Belange kümmert, sollte man jedoch mehr Sensibilität für die Existenzsicherung und die Wertschätzung menschlicher Arbeit erwarten können. Ausbeutung von Urheberrechten wird nicht dadurch legitim, dass man „wichtigere Probleme“ hat. Die Verdrängung von Arbeitsplätzen durch eine Technologie, die auf dem ungefragten Kopieren fremder Werke basiert und zudem massiv Ressourcen verbraucht, wird hier einfach ausgeblendet – solange es einen selbst nicht betrifft.
Zudem zieht das Argument der Zeitersparnis schlichtweg nicht: Ein einfaches, übersichtliches Plakat mit dem Stadtwappen und den wichtigsten Eckdaten (Was, Wann, Wo) wäre schneller erstellt gewesen, als einen KI Prompt zu texten. Es hätte die Kerninformationen ohne visuelle Reizüberflutung transportiert, einen echten Wiedererkennungswert für Erlensee gehabt und – vor allem – niemandes Arbeit entwertet. Und das ganz ohne den peinlichen Haufen an Schreib- und Grafikfehlern im KI-Plakat. Ich bin mir sicher, dass einer der am Markt teilnehmenden Künstler liebend gerne bereit gewesen wäre ein Plakat herzustellen oder -verrückter Gedanke- man macht es wie bisher und vergibt solche simplen Gestaltungssachen für kleines Geld an einen Profi, wie es sich gehört.
Anstatt sich hinter defensiven Scheingefechten („Wir haben Besseres zu tun“) zu verstecken, würde hier ein Stück mehr Verantwortung und Offenheit für Kritik gut zu Gesicht stehen. Effizienz darf nicht als Universalausrede dienen, um moralische Standards und den Respekt vor dem Handwerk über Bord zu werfen.

Das obige Beispiel herzustellen hat in Word 7 Minuten gedauert.
Stefanie Hunn
Erlensee
Leserbriefe können an redaktion@erlensee-aktuell.de zur Veröffentlichung gesendet werden. Sie geben allein die Meinung der Verfasser wieder, die jeweils namentlich genannt werden müssen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Verfasser können die Leserbriefe auch auf der Facebook-Seite von Erlensee Aktuell unter Beibehaltung der Kommentarfunktion veröffenlicht werden. Die Redaktion behält sich ausdrücklich Kürzungen oder die Nichtveröffentlichung vor. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.