Jakob Rastetter ist U23-Vizeweltmeister: Silber bei Heim-WM sorgt für Begeisterung im Hanauer Ruderclub Hassia

(pm/ea) – Was für ein Erfolg für den Hanauer Ruderclub Hassia: Jakob Rastetter hat bei den U23-Weltmeisterschaften auf der Duisburger Wedau-Regattabahn die Silbermedaille im Doppelvierer gewonnen und darf sich damit U23-Vizeweltmeister nennen.

Vor heimischer Kulisse krönte der Hassia-Athlet gemeinsam mit Schlagmann Mads Schmied (Potsdam), Paavo Schewe (Rostock) und Yannik Sens (Berlin) eine intensive Saisonvorbereitung mit einem beeindruckenden zweiten Platz.

Für die deutschen Nachwuchsruderer war die Weltmeisterschaft vom 22. bis 26. Juli in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Erstmals seit dem umfassenden Umbau wurde die traditionsreiche Wedau-Regattabahn wieder für eine internationale Großveranstaltung genutzt und präsentierte sich in modernstem Gewand. Vor einer beeindruckenden Kulisse und einer außergewöhnlichen Atmosphäre kämpften die besten U23-Athleten der Welt um die Medaillen. Besonders am Finalwochenende säumten zahlreiche Ruderfans die Wedau-Regattabahn und verwandelten die Heim-WM in ein echtes Sportfest. Mittendrin Jakob Rastetter im deutschen Doppelvierer. Als Bugmann gab er während des Rennens die Kommandos, gestaltete die Renntaktik entscheidend mit und sorgte gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden dafür, dass das Boot seinen Rhythmus fand.

Der Weg zur Weltmeisterschaft verlief allerdings alles andere als geradlinig. Nach der Nominierung standen zunächst Trainingslager in Ratzeburg und anschließend in Breisach auf dem Programm. Die Mannschaft musste sich erst finden, zudem fiel Rastetter zwischenzeitlich kurzfristig aus. Für ihn sprang Vereinskamerad Julius Klein vom Hanauer Ruderclub Hassia als Ersatzmann ein und hielt das Boot im Training auf Kurs.

Auch nach Jakobs Rückkehr lief nicht sofort alles rund. „Oft sind auf gute Einheiten wieder schlechte gefolgt und das, was wir uns erarbeitet hatten, war plötzlich wieder weg“, beschreibt der Hanauer rückblickend die schwierige Phase der Vorbereitung.

Erst rund anderthalb Wochen vor der Weltmeisterschaft platzte der Knoten. „Da gab es die Schlüsseleinheit, wo es einmal Klick gemacht hat. Danach lief es richtig gut und gemeinsam. Das Niveau in den Schlägen und auf den Strecken war viel höher als vorher – wir haben einfach richtig gut zusammengefunden“, erzählt Rastetter. Entsprechend reiste das Quartett mit einem guten Gefühl nach Duisburg, obwohl allen bewusst war, wie stark das internationale Teilnehmerfeld mit 18 Booten besetzt sein würde.

Bereits im Vorlauf und Halbfinale zeigte sich jedoch das Potenzial der deutschen Crew. Im Quervergleich gehörten die Zeiten zu den schnellsten des gesamten Feldes und lagen nahezu auf dem Niveau des späteren Weltmeisters aus Großbritannien. Da im Rudern jeweils nur sechs Boote gleichzeitig gegeneinander antreten, trafen beide Mannschaften erst im Finale am Samstag, 25. Juli, um 12:12 Uhr aufeinander.

Dort entwickelte sich ein hochklassiges Rennen. Polen legte einen furiosen Start hin und setzte sich zunächst an die Spitze. Die deutsche Crew ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken.

„Die Polen sind unglaublich schnell losgefahren. Wir haben uns davon aber nicht aus der Ruhe bringen lassen und waren immer gut im Feld um die Medaillen“, berichtet Rastetter. Mit zunehmender Renndauer arbeitete sich das deutsche Boot Schlag für Schlag nach vorne. „Wir konnten unsere Geschwindigkeit immer weiter steigern und konsequent durchfahren. Bei etwa 1.500 Metern habe ich gesehen, dass die Polen langsam nachließen.“

Dann kam der Moment, der den Athleten und den zahlreichen deutschen Fans wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Plötzlich hat man die Fans gehört – Trommeln, Pfeifen, Tröten, alles was die deutschen Zuschauer dabeihatten. Das hat uns noch einmal richtig beflügelt.“

Angetrieben von der lautstarken Kulisse startete der deutsche Doppelvierer einen furiosen Endspurt. Aus einem Rückstand von rund einer Bootslänge auf Polen machte die Crew innerhalb der letzten 500 Meter noch einen Vorsprung von fast einer ganzen Bootslänge. Gleichzeitig verkürzten die Deutschen den Abstand auf die führenden Briten deutlich und kamen bis auf eine halbe Bootslänge heran. Am Ende überquerte Deutschland nach 5:44,38 Minuten als Zweiter die Ziellinie und sicherte sich die Silbermedaille. Großbritannien gewann in 5:43,03 Minuten Gold, Polen folgte in 5:46,07 Minuten auf Rang drei.

„Natürlich haben wir auch ein bisschen auf Gold geschielt“, gibt Rastetter offen zu. „Aber die Briten waren über die Streckenmitte einfach zu stark. Mit Silber sind wir trotzdem sehr zufrieden.“

Betreut wurde der deutsche Doppelvierer von U23-Skull-Bundestrainer Tim Schönberg.

Für besondere Gänsehautmomente sorgten auch die zahlreichen deutschen Fans entlang der Regattastrecke. Unter ihnen befanden sich viele Mitglieder des Hanauer Ruderclub Hassia sowie Jakobs Familie, die ihren Athleten mit Trommeln, Tröten und lautstarken Anfeuerungsrufen unterstützten. Dass die Unterstützung vom Ufer ihren Anteil am starken Endspurt hatte, daraus machte Rastetter keinen Hehl. Für die mitgereisten Hassianer war es ein emotionaler Moment, ihren Vereinskameraden auf der Heimstrecke zu einer WM-Medaille rudern zu sehen.

Der Hanauer Ruderclub Hassia ist außerordentlich stolz auf seinen U23-Vizeweltmeister. Die Silbermedaille bei einer Heim-Weltmeisterschaft zählt zu den größten internationalen Erfolgen der jüngeren Vereinsgeschichte und ist zugleich das Ergebnis jahrelanger konsequenter Nachwuchsarbeit. Einen wichtigen Anteil daran hat auch die enge Kooperation mit der Karl-Rehbein-Schule Hanau, einer Partnerschule des Leistungssports. Dort legte Jakob Rastetter in diesem Jahr erfolgreich sein Abitur ab und konnte über viele Jahre Schule und Leistungssport optimal miteinander verbinden. Die Auszeichnung zum U23-Vizeweltmeister ist damit auch ein Beleg dafür, wie erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen Verein und Schule in Hanau funktioniert.

Das komplette Finalrennen ist auf der Website von World Rowing abrufbar:

https://worldrowing.com/video/2026-world-rowing-under-23-championships-under-23-mens-quadruple-sculls-bm4x-final-a/

 

Auf dem Foto (v.l.): Jakob Rastetter, Paavo Schewe, Yannik Sens, Mads Schmied

Foto: PM

 

Hinweis: Ausschließlich Meldungen aus Hanau unter hanau-aktuell.de

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