(pm/ea) – Lunga Lunga im Südosten Kenias ist schon lange eines der Hauptprojektgebiete des Gelnhäuser Vereins „Wir helfen in Afrika“. Hier unterhält er eine Krankenstation und ein Geburtshaus.
Derzeit entsteht in direkter Nachbarschaft zu den beiden Gesundheitszentren ein weiterer Gebäudekomplex: Ein komplettes Krankenhaus.
Wer nach Lunga Lunga kommt, hat eine lange Fahrt hinter sich. Zwei Stunden dauert die Autofahrt von Mombasa aus. Mindestens drei mit dem Überlandbus, dem Hauptverkehrsmittel der Menschen vor Ort im Südosten Kenias. Ein stetiger Strom von Lastwagen rattert unablässig über das ausgefahrene Asphaltband. Denn die Fernstraße A14 ist die wichtigste Verbindung zwischen den größten Häfen an der ostafrikanischen Küste: Mombasa in Kenia und Daressalam in Tansania. Die Grenze zwischen den beiden Ländern verläuft nur ein paar Hundert Meter südlich der großen Kreuzung in der Ortsmitte von Lunga Lunga. Die A14 ist die einzige befestigte Straße hier. Jeder Abzweig geht in eine Staubpiste über. Es gibt ein paar Absteigen für Fernfahrer, kleine Supermärkte und eine Handvoll Gasthäuser. Lunga Lunga ist eine typische Transitstadt. Touristen verirren sich nur sehr selten hierher. Hin und wieder stoppen Abenteurer, die mit Camper oder Motorrädern –allesamt voll geländetauglich – Überland fahren. Das ist aber selten, insbesondere jetzt in Pandemiezeiten. Insgesamt wirkt Lunga Lunga eher trostlos als einladend. Doch wenige Straßen abseits der Hauptstraße wandelt sich das Bild. Auf dem Gelände der Schwestern des Heiligen Josephs ist viel Hoffnung und sehr oft große Freude zu spüren. Hier spielende Kinder des Kindergartens und der Primary School, dort Säuglingsgeschrei aus der Geburtsstation, daneben Menschen, die endlich auf Hilfe bei Krankheiten hoffen. „Wir haben hier mit den Schwestern gemeinsam schon viel aufgebaut“, sagt Uwe Filippi, Projektbeauftragter des Gelnhäuser Vereins „Wir helfen in Afrika“. Das neueste Projekt aber übersteigt vieles, was der Verein bisher realisiert hat. „Wir werden hier ein komplettes Krankenhaus errichten“, sagt Filippi. Zwei Bauabschnitte sind bereits fertiggestellt. Weitere sind in Planung. „Damit verbessern wir die Gesundheitsversorgung der gesamten Region deutlich.“ Krankenhäuser, die Patienten stationär aufnehmen können, sind rar gesät zwischen Lunga Lunga und Mombasa. Im Ort selbst gibt es ein staatliches Krankenhaus mit einigen Belegbetten und guter medizinischer Grundversorgung. Entlang der A14 gibt es weitere Krankenstationen. Sie alle sind aber fast immer überbelegt, können den Bedarf bei weitem nicht decken. Top-ausgestattete Kliniken gibt es erst in Ukunda. Die aber sind vor allem auf die Touristen an der Küste ausgelegt. Behandlungen in diesen Privatkliniken sind sehr teuer.

Schwester Anett und Peter Musomba, Vereinsmitglied und Projektbeauftragter vor Ort
Die Krankenstation, die „Wir helfen in Afrika“ unter der Trägerschaft der Schwestern mitbetreibt, verbessert die Gesundheitslage schon enorm. Die Entbindungsstation ist die einzige in dieser Form im Umkreis und wird sogar von Schwangeren aus Tansania besucht. Doch bei ernsteren Beschwerden müssen Patienten viel zu oft den beschwerlichen Weg in eine der weit entfernten Kliniken auf sich nehmen – egal, in welchem Zustand sie sich befinden. „Schon allein durch die Möglichkeit, so viele Kranke stationär aufzunehmen und zu versorgen, verbessert sich die Lage enorm“, so Filippi. Rund 90 Betten soll die Klinik einmal haben. Die Gelnhäuser sind aber zusätzlich überzeugt, dass die medizinische Versorgung insgesamt weit über dem lokalen Durchschnitt liegen wird. „Wir arbeiten mit den Schwestern jetzt schon seit vielen Jahren zusammen. Wir kennen ihre Arbeitsweise und wissen genau, was sie zu leisten imstande sind.“ Darum gab es im Vorstandsteam des Vereins keine langen Diskussionen. Im Gegenteil. „Als wir 2021 auf Projektbesuch in Lunga Lunga waren, stand wie immer auch ein langes Gespräch mit den Schwestern an“, erinnert sich Filippi. „Plötzlich ergriff Schwester Anett das Wort und offenbarte uns aus ihren Aufzeichnungen ihre Vision für die nächsten Jahre. Im Zentrum stand die Klinik.“ Die gesamte Delegation aus Gelnhausen war sich des besonderen Augenblicks bewusst. „Anett hatte ihre Visionen so klar formuliert, so genau umrissen, da war uns eigentlich sofort klar, dass wir hier tätig werden.“
Nun ist ein solches Projekt für den Verein alles andere als eine Kleinigkeit. Darum gab der Vorstand erst dann grünes Licht, als die Finanzierung der ersten beiden Bauabschnitte gesichert war. Das gelang gemeinsam mit der Margarete Kupka Stiftung.

Rechts der bereits fertige 1. Bauabschnitt, links der zweite Teil der neuen Klinik kurz vor Fertigstellung
Inzwischen sind diese bereits abgeschlossen, beim dritten sind die Arbeiten in vollem Gange. „Jetzt schon stehen in der Klinik 20 Belegbetten in der Frauenstation bereit“, sagt Filippi. Derzeit entstehen eine autarke Abwasseranlage mit Vorklär- und Klärbecken, außerdem Frischwassertanks mit 60.000 Litern Kapazität. „Am Ende aller Arbeiten soll das neue Krankenhaus Betten für 45 Frauen und ebenso viele Männer bieten. Auch Operationssäle sind geplant.“

Arbeiter heben Klärbecken für die autarke Abwasseranlage der Klinik aus
Die neue Klinik passt sehr gut in das Gesamtkonzept des Vereins, vor allem in zukunftsträchtige Projekte zu investieren. Gesundheitsversorgung und Bildung inklusive Berufsausbildung stehen im Fokus des Vereins. In den vergangenen Jahren waren wegen Corona aber auch einige Soforthilfeprogramme dabei. Jetzt, während auch in Kenia mehr und mehr die Coronamaßnahmen zurückgefahren werden, will sich der Verein wieder auf diese längerfristigen Projekte konzentrieren. Wer „Wir helfen in Afrika“ dabei unterstützen will, kann das mit einer Spende auf das Konto mit der Iban DE 59 5066 1639 0007 3300 73. Erstspender werden gebeten, für die Spendenquittung ihre Post- oder E-Mailadresse mit anzugeben.
Auf dem Titelfoto: Der Haupteingang der neuen Klinik
Fotos: PM
