(pm/ea) – Alles begann mit einer Freundschaftsanfrage von einem US-Soldaten auf Instagram. „Er war mir völlig unbekannt, da er aber Freunde von mir unter seinen Followern hatte, nahm ich die Anfrage an“, erinnert sich Julez. Zwei Tage später schrieb der Unbekannte zurück, um das Gespräch bald darauf auf Whatsapp fortzusetzen.
„Schnell änderte sich sein Verhalten in Richtung ‚schwer an mir interessiert‘. Auf einmal war ich das ‚Sweetheart‘. Er schrieb, dass er zu mir nach Deutschland kommen wolle, um eine gemeinsame Zukunft zu planen – und dies alles nach zwei Tagen Konversation“, erinnert sich die 35-Jährige, die zu diesem Zeitpunkt bereits skeptisch wurde. Als ihr neuer Bekannter kurze Zeit später erklärte, dass er Geld für eine Steam Card (Geldwertkarte) benötigt, klingelten bei Julez die Alarmglocken.
Mit Hilfe einer befreundeten Polizistin fand sie heraus, dass es sich um einen Fake Acccount handelte. Im Internet gibt es sogar eine Warnung zu dem Bild, das einem echten US-Soldaten gestohlen wurde und von sogenannten Romance Scammern genutzt wird.
Die Masche dieser „Liebesbetrüger“ ist stets dieselbe: In Online-Partnerbörsen oder auch in sozialen Netzwerken machen sie sich auf die Suche nach potenziellen Opfern. „Ist ein Kontakt erst einmal hergestellt, werden diese mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft – und zwar einzig und allein mit dem Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen“, informiert die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes auf ihrer Internetseite.
Täter können sowohl Männer als auch Frauen sein: „Sie schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert“, erklären die Experten. Und dann geht es plötzlich um Geld. Eine familiäre Notsituation, ein Krankenhausaufenthalt, ein geschäftliches Problem: Es folgen Bettelmails, Nachrichten von angeblichen Angehörigen oder Ärzten, Selbstmorddrohungen. Andere Scammer wollen Kopien von Ausweispapieren, um sie für Fälschungen zu verwenden, oder bitten um Unterstützung von Geldtransfers, die sich als betrügerisch erweisen.
Die Polizei rät, bei neuen Online-Bekanntschaften vorsichtig zu sein und deren Namen mit dem Zusatz „Scammer“ zu googeln oder das Bild mithilfe der umgekehrten Bildersuche zu prüfen. Das Wichtigste: Kein Geld überweisen. Weiteres empfiehlt die Polizei, die Forderungen des Scammers zu ignorieren, die Mails und Chat-Texte auf einem Speichermedium zu sichern, Anzeige zu erstatten und den Kontakt abzubrechen. Zudem sei es ratsam, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen sowie den Computer auf Viren zu überprüfen, da die Täter mit ihren Mails meistens auch Schadsoftware mitsenden.
Auch Julez blockierte „ihren Soldaten“. Sie begann zu recherchieren und stieß im Internet auf jede Menge Betrüger. Aus Wut und Enttäuschung wurde Engagement: „Ich beschloss den Kampf gegen diese Menschen aufzunehmen, die so schändlich unter dem Deckmantel Liebe Menschen betrügen und ausnehmen wie Weihnachtsgänse.“ Mitstreiterinnen fand Julez in der Facebook-Gruppe „Romance Scam – Love Scammer’s Love Letters – so they operate!“, die sie mittlerweile leitet. Hier erhalten gescammte Frauen Rat, Hilfe beim Prüfen von Profilen und auch emotionalen Beistand. „Das ist nicht immer ganz einfach, da die Herren doch sehr überzeugend sein können in ihren Storys“, betont Julez und warnt vor dem großen emotionalen Schaden, den eine solche Betrügerei hinterlassen kann.
Romance-Scammer sind Betrüger, die sich mit gefälschten Profilen auf Social Media und Internet-Partnerbörsen auf die Suche nach ihren Opfern machen. Auf inbrünstige Liebesversprechen
folgen alsbald eindringliche Bitten um Geldzahlungen.
Weitere Infos auf: http://www.polizei-beratung.de
Bericht: Katharina Rolshausen
