Sechs weitere Stolpersteine für Rodenbach – Jugendliche gestalten das Erinnern am 9. November 2026

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Am Montag, 9. November 2026, um 18:00 Uhr werden in der Bahnhofstraße 26 in Niederrodenbach sechs weitere Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde verlegt. Im Anschluss findet am selben Ort die traditionelle Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 statt.


Mit dieser besonderen Verbindung von persönlichem Erinnern und historischem Gedenken möchte die Gemeinde Rodenbach gemeinsam mit engagierten Jugendlichen, Bürgerinnen und Bürgern ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und das Vergessen setzen.

Sechs Namen, sechs Lebensgeschichten – ein Teil Rodenbacher Geschichte

Die sechs neuen Stolpersteine erinnern an Menschen, die einst in der Bahnhofstraße lebten und während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, entrechtet, deportiert oder in den Tod getrieben wurden.

Im Mittelpunkt des Gedenkens stehen:

Susanne van Raalte (1872–1941):
Durch die nationalsozialistische Verfolgung gedemütigt und entrechtet, nahm sie sich am 29. November 1941 in Frankfurt am Main angesichts der drohenden Deportation das Leben.
Berta Kaufmann (geb. 1872):
Sie wurde 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Isaak Kaufmann (1882–1940):
Nach seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Buchenwald 1938 und den erlittenen Verfolgungsmaßnahmen nahm er sich am 18. Oktober 1940 in Frankfurt am Main das Leben.
Sara Kaufmann, geborene Katz (geb. 1887):
Sie wurde 1942 deportiert und im deutsch besetzten Polen ermordet.
Gerda Kaufmann (geb. 1923):
Sie wurde 1942 deportiert und im deutsch besetzten Polen ermordet.
Heinz Kaufmann (geb. 1927):
Er wurde 1942 deportiert und im deutsch besetzten Polen ermordet.

Hinter diesen Namen stehen Menschen mit Familien, Hoffnungen, Lebensgeschichten und einer Heimat. Sie waren Nachbarinnen und Nachbarn, Teil der Rodenbacher Gemeinschaft und des jüdischen Lebens in der Gemeinde.

Die Stolpersteine führen ihre Namen an jene Orte zurück, an denen sie einst lebten. Sie erinnern daran, dass die nationalsozialistische Verfolgung nicht irgendwo begann, sondern auch mitten in unseren Städten und Gemeinden ihre Opfer fand.

Rodenbach setzt seine Erinnerungsarbeit fort

Bereits am 26. Mai 2026 wurden in Rodenbach die ersten fünf Stolpersteine verlegt. Sie erinnern in der Bahnhofstraße 19 an die jüdische Familie Blumenthal.
Die damalige Verlegung durch den Künstler Gunter Demnig wurde von mehr als 100 Bürgerinnen, Bürgern und Gästen begleitet und war ein bewegender Moment in der Erinnerungskultur der Gemeinde.

Für Bürgermeister Klaus Schejna stand bereits damals fest, dass die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Rodenbachs mit dieser ersten Verlegung nicht abgeschlossen sein sollte.

Die Fortsetzung des Projekts ist Ausdruck einer langfristigen Verantwortung gegenüber der eigenen Ortsgeschichte.

Stolpersteine sind dabei weit mehr als kleine Messingtafeln im Gehweg. Sie schaffen Orte der Erinnerung mitten im Alltag, geben den Opfern ihre Namen zurück und machen deutlich, dass die Geschichte des Nationalsozialismus auch Teil der lokalen Geschichte Rodenbachs ist.

Jugendliche übernehmen Verantwortung: Erinnern für die Zukunft

Eine Besonderheit der diesjährigen Stolpersteinverlegung ist die aktive Beteiligung einer Jugendprojektgruppe.
Im Rahmen eines Bildungsprojekts, gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie Erlensee & Rodenbach im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ beschäftigen sich Jugendliche intensiv mit den Lebensgeschichten der jüdischen Bürgerinnen und Bürger, der nationalsozialistischen Verfolgung und der Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur.

Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt bundesweit Projekte, die demokratisches Engagement, gesellschaftliche Vielfalt und den Einsatz gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit stärken.Unter pädagogischer Begleitung setzen sich die Jugendlichen mit historischen Quellen, der Geschichte jüdischen Lebens in Rodenbach und den Schicksalen der Deportierten und Ermordeten auseinander. Dabei lernen sie auch das internationale Kunst- und Erinnerungsprojekt STOLPERSTEINE kennen, das der Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen hat. Die Jugendlichen wirken aktiv an der Vorbereitung und Gestaltung der Gedenkveranstaltung mit. Dazu gehören die Beschäftigung mit den Biografien, die Planung des Ablaufs sowie die Vorbereitung der Verlegung in Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Gemeinde Rodenbach.

Ein weiterer besonderer Bestandteil des Projekts ist der geplante Besuch bei der Stolpersteinherstellung. Dort sollen die Jugendlichen erfahren, wie die Gedenksteine entstehen, und die sechs Steine persönlich abholen. So wird aus historischer Bildungsarbeit eine unmittelbare Erfahrung: Junge Menschen beschäftigen sich nicht nur mit Geschichte, sondern übernehmen selbst Verantwortung dafür, dass Erinnerung in ihrer Gemeinde lebendig bleibt.

Der Bauhof der Gemeinde Rodenbach, der bereits die erste Stolpersteinverlegung im Mai tatkräftig unterstützte, wird auch diesmal in die technischen Vorbereitungen eingebunden.

Der 9. November – ein Tag des Erinnerns und Mahnens

Die Verlegung der sechs Stolpersteine findet bewusst am 9. November statt.

An diesem Tag erinnert Deutschland an die Novemberpogrome von 1938, als Nationalsozialisten und ihre Unterstützer Synagogen in Brand setzten, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüsteten, Menschen misshandelten und ermordeten sowie Zehntausende jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppten.

Die Pogrome markierten eine entscheidende Eskalation der staatlich organisierten und gesellschaftlich getragenen Verfolgung jüdischer Menschen. Sie waren ein Vorbote der späteren systematischen Deportation und Ermordung der europäischen Juden.

Auch Rodenbach trägt die Verantwortung, an die Schicksale seiner ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern und die Erinnerung an dieses Unrecht für kommende Generationen wachzuhalten.

Seit vielen Jahren findet die örtliche Gedenkveranstaltung am 9. November an der Gedenktafel vor dem Gebäude des Rodenbacher Geschichtsvereins in der Kirchstraße 9 statt. In diesem Jahr wird die Gedenkveranstaltung erstmals mit einer weiteren Stolpersteinverlegung verbunden und deshalb unmittelbar an den Verlegeort in der Bahnhofstraße 26 verlegt. Dort werden die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam der Opfer der Novemberpogrome und der nationalsozialistischen Verfolgung gedenken. Eine feierliche Kranzniederlegung wird Bestandteil der Gedenkveranstaltung sein.

Ein würdiger Rahmen mit Musik, Erinnerung und gemeinsamen Worten

Die Gedenkveranstaltung wird auch in diesem Jahr von PINOT – Jüdische Bildungsbausteine gUG mit Geschäftsführer Niko Deeg in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rodenbach geplant und organisiert. Ziel ist es, gemeinsam mit den Rodenbacher Bürgerinnen und Bürgern einen würdigen und persönlichen Rahmen zu schaffen, der die Erinnerung an die Opfer bewahrt und zugleich die Verantwortung der heutigen Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Besonders erfreulich ist die musikalische Begleitung durch die engagierte Musikerin Dannyjune Smith, die der Veranstaltung mit ihrer Musik einen besonderen und einfühlsamen Rahmen geben wird.

Die Verbindung aus historischer Erinnerung, jüdischer Gedenkkultur, musikalischen Beiträgen und dem Engagement junger Menschen soll deutlich machen, dass Gedenken nicht allein ein Rückblick auf die Vergangenheit ist. Es ist zugleich ein Auftrag für die Gegenwart: Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten und für Menschenwürde, Freiheit und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander einzustehen.

Gemeinde Rodenbach lädt zur gemeinsamen Erinnerung ein

Die Gemeinde Rodenbach lädt alle Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Religionsgemeinschaften, Initiativen und Interessierten herzlich ein, an der Stolpersteinverlegung und der anschließenden Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Gerade in Zeiten, in denen jüdisches Leben erneut von antisemitischen Anfeindungen und Bedrohungen betroffen ist, bleibt ein gemeinsames, sichtbares Bekenntnis zu Erinnerung, Menschlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt von besonderer Bedeutung. Mit den sechs neuen Stolpersteinen wird Rodenbach künftig an insgesamt elf ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger erinnern. Denn die Menschen, an deren Schicksale wir erinnern, waren nicht nur Opfer des Nationalsozialismus. Sie waren ein Teil unserer Gemeinde. Ihre Namen und ihre Geschichten gehören dauerhaft zu Rodenbach.

Stolpersteinverlegung und Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938

Datum: Montag, 9. November 2026
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Bahnhofstraße 26, 63517 Rodenbach (Niederrodenbach)
Programm: Feierliche Verlegung von sechs Stolpersteinen

Beiträge zur Geschichte und zu den Schicksalen der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger
Mitwirkung der Jugend-Stolpersteinprojektgruppe
Gedenken an die Novemberpogrome von 1938
Musikalische Begleitung durch Dannyjune Smith
Feierliche Kranzniederlegung

Die Teilnahme ist öffentlich und kostenfrei.

Veranstalter: Gemeinde Rodenbach
Organisation und Mitwirkung: PINOT – Jüdische Bildungsbausteine gUG, Jugend-Stolpersteinprojektgruppe sowie weitere Beteiligte der Gemeinde Rodenbach.
Gefördert durch: Demokratie leben! Erlensee & Rodenbach im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“

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