(mb/ea) – Als die drei Künstler am Sonntagabend die Bühne der Erlenhalle betraten, sprang das Publikum wie aus einem Impuls heraus von den Stühlen. Standing Ovations noch bevor ein einziges Wort gefallen war – ein Empfang, der zeigte, wie sehr man sich die Gäste auf diesen Abend gefreut hatten.
Die Halle selbst spielte dabei mit: Warmes, orangefarbenes Licht strahlte an den Wänden empor und tauchte den Raum in eine fast monumentale Wärme, während die Bühne in sattes Blau gehüllt war. Zwei Scheinwerfer setzten die Protagonisten wie im Theater in Szene – ein stimmungsvoller Rahmen für ein Programm, das genauso zwischen Licht und Schatten changierte wie die Beleuchtung selbst.
Drei Charaktere, ein Abend:
Christian Kohlund ist vielen als die markante Stimme aus dem „Zürich Krimi“ bekannt, wo er als Anwalt Borchert regelmäßig ein Millionenpublikum fesselt. An diesem Abend zeigte er sich als Erzähler und Vorleser – mit Anekdoten, humorvollen Texten über Schauspiel, Liebe und das Leben. Seine markante Stimme und die Fähigkeit, jedem Satz durch richtige Betonung einen Spannungsbogen zu verleihen, gab den Texten das gewisse Etwas.
Ina Paule Klink, seine Kollegin aus derselben Krimi-Reihe, trat als Sängerin und Songschreiberin auf. Ihre persönlichen Lieder antworteten auf Kohlunds Geschichten mit sehnsuchtsvollen Klängen und gaben dem Abend seine musikalische Seele.
Wayne Jackson, Multiinstrumentalist und musikalischer Begleiter, rundete das Trio ab. Mit seinem Gitarrenspiel schuf er das klangliche Fundament.
Gemeinsam nannten sie ihr Programm „Lebensblues“ – ein Titel mit Programm: Der Blues, so ihre Botschaft, ist nicht nur Melancholie, sondern auch Hoffnung, Inspiration und pure Lebensfreude. Genau dieses Wechselspiel aus Nachdenklichkeit und Leichtigkeit prägte den gesamten Abend und sorgte dafür, dass die Zuschauer mit einem Lächeln nach Hause gingen.
Verantwortlich für die Zusammenstellung solcher Abende ist unter anderem die Erste Stadträtin Birgit Behr. Im Gespräch gab sie Einblicke in die Arbeit hinter dem Kulturprogramm. Zahlreiche Angebote verschiedener Managements würden die Stadt erreichen, erklärte Behr – eine eigene Arbeitsgruppe wähle daraus aus. Das Ziel sei stets eine bunte Mischung, wobei man wisse, dass nicht jedes Format gleichermaßen funktioniere: Kultur bleibe immer auch ein Versuch. Wichtig sei der Stadträtin dabei vor allem das Wohlbefinden der Besucher – kleinere, intimere Formate wie Lesungen fänden deshalb bewusst im kleineren Saal statt, der bei großen Veranstaltungen hingegen oft zur Bar umfunktioniert wird. Das Kulturprogramm sei zudem langfristig geplant: Für das kommende Jahr stehe bereits ds gesamte Programm fest. Fast in jeden Monat erwartet die Erlenseeer ein kulturelles Highlight – dabei bespielt die Stadt überwiegend die eigenen Hallen und Bühnen.
Auf die Frage nach Wunschkünstlern schmunzelte Behr: „Die Rolling Stones wären schon toll, aber dann werde ich wahrscheinlich entlassen. Realistischer wären da schon eher die Scorpions“ – doch dafür bräuchte es erst einmal zahlreiche Spender, allein um die Kosten für Bühne und Technik im Vorfeld zu stemmen. Träumen dürfe man aber. Als konkretes Highlight des laufenden Jahres nannte sie den Auftritt von The SWEET und Dave Hill ́s SLADE, der beim Publikum sehr gut ankam.
Klar sei für sie außerdem: An der Qualität dürfe nicht gespart werden, sonst verliere eine Veranstaltung ihre Wirkung. Umso dankbarer zeigte sich Behr über einen großzügigen Spender, der solche Abende möglich macht – denn eine Kulturförderung durch den Kreis gebe es für derartige Veranstaltungen nicht.
Impressionen vom Abend in der Erlenhalle

Bericht und Fotos: Mike Bender
