Leserbrief: „GAST-GARTEN verkaufen? Kurzfristige Einnahme, langfristiger Verlust“

Die Fraktionsvorsitzende der Erlenseer Grünen, Renate Tonecker-Bös, antwortet auf den Leserbrief von Werner Beier.


Sehr geehrter Herr Beier,

Sie stellen in Ihrem Leserbrief die finanziellen Auswirkungen des Antrags dar, wenn wir den „GAST-GARTEN“ derzeit nicht verkaufen. Dabei entsteht der Eindruck, als sei der Verzicht auf den Verkauf eine Ursache für die schwierige Haushaltslage der Stadt. Das ist jedoch nicht der Fall. Die finanzielle Situation Erlensees hat sich über Jahre aus unterschiedlichen Gründen entwickelt.

Auch die Grundsteuererhöhung lässt sich nicht allein durch den Verkauf des GAST-GARTENS verhindern. Für einen genehmigungsfähigen Haushalt ist eine deutliche Erhöhung erforderlich. Die diskutierten 18 zusätzlichen Punkte durch den Verkauf stehen dabei den bereits vom Magistrat vorgesehenen 155 Punkten gegenüber. Die von Ihnen angesprochene Mehrbelastung von rund 6 Euro durch die zusätzlichen Punkte ist daher in Relation zu den insgesamt rund 50 Euro zu setzen, die unvermeidlich anfallen werden. Diese Entscheidung schmerzt uns alle sehr.

Demgegenüber steht ein Grundstück, das die Stadt nicht leichtfertig aus der Hand geben sollte. Der „GAST-GARTEN“ ist heute weit mehr als eine unbebaute Fläche. Durch das große ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ist hier über Jahre ein hochwertiges Biotop entstanden. Dieses Engagement hat einen ökologisch wertvollen Lebensraum geschaffen, der durch den Verkauf unwiederbringlich verloren gehen könnte. Auch die bereits eingesetzten städtischen Mittel und die geleistete ehrenamtliche Arbeit wären damit letztlich aus der Hand gegeben. Darüber hinaus stehen im vorderen Teil wertvolle Bäume, die für Schatten und Kühle sorgen und CO₂ binden.

Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden werden unversiegelte Flächen, Bäume und naturnahe Bereiche für Klimaanpassung und Hitzeschutz immer wichtiger, auch und gerade für unsere zukünftigen Generationen. Was wir heute verkaufen, müssen wir möglicherweise morgen teuer zurückkaufen oder an anderer Stelle neu schaffen.

Und es geht um mehr als Ökologie: Mit dem Verkauf geben wir auch städteplanerischen Gestaltungsspielraum aus der Hand. Wenn die Fläche erst einmal einem Investor gehört, bestimmt nicht mehr die Stadt allein, wie sich dieses Areal entwickelt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Was bringt uns der Verkauf heute? Sondern: Was verlieren wir dauerhaft, wenn wir diese Fläche jetzt verkaufen?

Kurzfristige Haushaltsprobleme sollten nicht mit dem Verlust eines kleinen Biotops mitten in unserer Stadt gelöst werden. Erlensee verschenkt damit seine längerfristigen städtischen Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Renate Tonecker-Bös
Erlensee

 

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