Leserbrief: „Positiv; Komparativ; Superlativ oder auch deutsch; deutscher; am deutschesten“

Roland Glöde macht sich in seinem Leserbrief Gedanken über die aktuelle Lage der Gesellschaft.

Eine positive Grundeinstellung, den Komparativ als Status Quo, den Superlativ als an versiertes Ziel, waren in der Vergangenheit, weitervererbte Tugenden der deutschen Gesellschaft. Schneller, höher, weiter die gelebte Steigerungsform, die bei Fleiß, Ordnung und Zielstrebigkeit, dauerhaftes Wachstum und steten Wohlstand versprachen.

Missbrauchte Sozialsysteme, den missverstandenen demografischen Wandel, das Gefühl von Politikern, unendlichen Reichtum als nie versiegende Quelle zu verwalten, rütteln an unserem gewohnten „Alles wird Gut-Gefühl“.

Das Selbstverständnis, wir können alles schaffen, wenn wir nur hart dafür arbeiten und fest daran glauben, hat Risse bekommen.

Deutsch sein, ist zur Identitätsfrage geworden.

Bei großzügig vergebenen, vor allem, doppelten Staatsbürgerschaften, keiner gemeinsamen Leit-Kultur oder auch Religion, kann sich jeder, frei nach Pipi Langstrumpf: „Ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt“ seinen Verpflichtungen entziehen aber auf sein Recht pochen. Wer deutscher Staatsbürger sein will, ist das voll und ganz, ohne Hintertür und doppelten Boden.

Man kann nicht wahlberechtigt sein aber dabei andere Interessen einer zweiten Staatsbürgerschaft in seine Wahlentscheidung mit einfließen lassen. Interessenkonflikte dieser Art werden im Berufsleben nicht geduldet.

Die Rente sowie unsere Krankenversicherung(-en) sind tragende Säulen unserer SOZIALEN Marktwirtschaft. Jeder, ob Angestellter, Beamter oder auch Selbständiger ist Nutznießer und muss nach gleichen Spielregeln dafür einstehen. Beamten sind keine privilegierten Menschen.
Selbständige, bei denen es nicht so gut lief, fallen auch über die Grundsicherung zurück in das System.
Eine Gesundheitsgrundversorgung ist sicherlich realisierbar, aber Arbeiter die krankenversichert sind und mit ihren Beiträgen, den Versicherungsschutz aller gewährleisten, dürfen nicht schlechter gestellt sein, wie Quereinsteiger, die noch nicht einmal wissen, wie unser Beitragssystem funktioniert.

Nachdem man jahrelang, Menschen schon mit Mitte/Ende 50 in Vorruhestand geschickt hat, sich versehentlich immer wieder aus der Rentenkasse bedient und auch damit Firmen entlastet hat, kommt man zu keinem kreativeren Schluss, dass man das Renteneintrittsalter erhöhen muss, damit die Rente finanzierbar bleibt. Einig sind wir uns, dass schon immer, nur heute noch viel mehr, Menschen jeden Alters gebraucht werden und wichtig für eine intakte Gesellschaft sind. Als Ehrenamtliche in Vereinen, Großeltern sowie in unzähligen weiteren Funktionen. Aber auch Erfahrung und Wissen eines Jahrzehnte andauernden Berufslebens, dürfen nicht von jetzt auf gleich in Rente geschickt werden. Verringerte Arbeitszeiten, extra altersgestaffelte Freitage, körperlich angepasste Anforderungen, geben Anreize, Teil der Arbeitswelt zu bleiben.

Man weiß, man wird gebraucht und sucht nicht die Flucht beim Arzt, um einer Überforderung zu entgehen oder vorzubeugen. Leider sind die politischen Entscheider unseres Landes, von all diesen Problemen nicht betroffen. Vom Hörensagen und von Beratern umgeben, die ihre eigenen finanziellen Interessen im Blick haben ist von Menschen denen Ihre Ideologie wichtiger als pragmatische Lösungen ist, keine zukunftsweisenden Reformen zu erwarten.

Ein gemeinsames Credo einer nationalen Identität zu konstituieren, darf nicht gleich wieder zu einem schlechten Gewissen führen; Progressive Politiker dürfen nicht gleich, als „Radikale“ verunglimpft werden. Demokratie heißt vor Allem, einen Konsens zum Wohle der Allgemeinheit zu finden und nicht eigene Interessen oder die Interessen Weniger, gegen jede Vernunft durchzuboxen.

 

Roland Glöde
Neuberg

 

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