Ausnahmezustand durch Hitze: Mauersegler-Stationen laufen am Limit

(pm/ea) – Die anhaltende Hitzewelle sorgt bei unseren Wildvögeln für einen dramatischen Notstand. Aktuell verlassen reihenweise junge Mauersegler fluchtartig ihre Nester. Die Situation ist fatal: Die Auffangstationen sind komplett überlastet und arbeiten am absoluten Limit – viele können schlichtweg keine neuen Vögel mehr aufnehmen, wie der Vogelschutzverein Erlensee informiert.

Der Grund für die Massenflucht ist die extreme Hitze unter den Dächern. Mauersegler brüten in Nischen an Gebäuden, oft direkt unter Dachpfannen oder in Hohlräumen, wo sich die Temperaturen im Sommer extrem stauen. Wird die Hitze dort unerträglich, springen die noch nicht flugfähigen Jungvögel in ihrer Not aus dem Nest – und landen hilflos auf dem Boden.

Wichtig: Mauersegler am Boden brauchen immer Hilfe!

Grundsätzlich gilt bei einem aufgefundenen Mauersegler eine strikte Regel: Ein Mauersegler auf dem Boden ist immer ein Notfall! Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten können junge Mauersegler am Boden nicht von ihren Eltern weiterversorgt werden. Ohne menschliche Hilfe sind sie dem Tod geweiht. Sie können weder von alleine wieder auffliegen, noch haben sie am Boden eine Überlebenschance gegen Fressfeinde.

Das Problem der „falschen Rettungen“

Trotz der dramatischen Lage der Mauersegler verschärft ein weiteres Problem die Krise in den Stationen: Gut gemeinte, aber falsche Hilfe. Häufig werden aktuell sogenannte Ästlinge anderer Vogelarten (wie Amseln, Meisen oder Sperlinge) eingesammelt. Diese Jungvögel verlassen ihr Nest ganz natürlicherweise, bevor sie perfekt fliegen können. Sie sitzen dann im Gebüsch oder auf dem Rasen und werden von ihren Eltern weiterhin gefüttert und beschützt. Werden diese gesunden Tiere aus Unwissenheit mitgenommen, blockieren sie in den ohnehin überfüllten Auffangstationen wertvolle Plätze. Plätze, die nun für die Mauersegler fehlen, die wirklich in existenzieller Not sind.

Rabenkrähe Nestling

Elstern Geschwister Nestlinge

Zur korrekten Bestimmung der Vogelart

Wenn Unsicherheit darüber besteht, um welche Vogelart es sich handelt und ob das Tier Hilfe benötigt, können Sie uns Bilder via WhatsApp senden. Auf diesem Weg lässt sich schnell und unkompliziert klären, um was für einen Vogel es sich handelt und ob er wirklich Unterstützung braucht. Das schützt gesunde Vögel vor einer falschen Rettung und sichert die Plätze für echte Notfälle.

Lebenswichtige Verhaltensregeln
Bitte versuchen Sie niemals, einen gefundenen Vogel auf gut Glück zu füttern oder zu tränken. Fehler in den ersten Stunden können für die Tiere das Todesurteil bedeuten.

Keine Fütterung ohne Artbestimmung

Informieren Sie sich immer zuerst, um welche Vogelart es sich genau handelt. Die Ernährungsbedürfnisse sind extrem speziell: Ein Mauersegler ist ein reiner Insektenfresser und stirbt an Körnern, Brot oder Hackfleisch. Falsches Futter führt bei Jungvögeln oft innerhalb kürzester Zeit zu irreparablem Organversagen oder tödlichen Gefiederschäden.

Lebensgefahr durch Wassergabe: Flößen Sie einem Vogel niemals Wasser direkt in den Schnabel ein!

Hintergrund: Die Luftröhre von Vögeln mündet direkt als offenes Loch auf dem Zungengrund, gleich hinter der Zungenspitze. Wenn man Wasser in den Schnabel träufelt, läuft es fast immer direkt in die Luftröhre und die Lunge. Der Vogel ertrinkt qualvoll.

Wie Jungvögel Wasser aufnehmen: In der Natur trinken Nestlinge und Ästlinge so gut wie nie flüssiges Wasser. Sie decken ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf zu 100 % über die Feuchtigkeit ihrer Nahrung (z. B. saftige Insekten), die von den Eltern gefüttert wird. Ein geschwächter Fundvogel braucht deshalb in erster Linie die richtige, feuchte Nahrung (oder beim Experten eine Infusion unter die Haut) und kein Wasser aus der Pipette.

Was können Sie konkret tun?

1. Genau hinsehen: Bestimmen Sie den Vogel (z. B. über unseren WhatsApp Anfrage beim VSVE). Ein junger Mauersegler hat ganz kurze Beine und ein rußschwarz-braunes Gefieder mit heller Kehle. Er sperrt am Boden nicht den Schnabel auf, um nach Futter zu betteln.

2. Ästlinge sitzen lassen: Finden Sie einen befiederten Jungvogel einer anderen Art, der einen fitten Eindruck macht, lassen Sie ihn sitzen oder setzen Sie ihn höchstens in ein nahegelegenes, katzenfeindliches Gebüsch. Die Eltern sind meist ganz in der Nähe.

3. Vögel richtig sichern: In Not geratene Vögel anderer Arten bitte erst nach Absprache sichern. Mauersegler dagegen immer sofort sichern (vorsichtig in einen weich ausgepolsterten, geschlossenen Karton mit Luftlöchern setzen).

4. Fachleute kontaktieren: Lassen Sie sich anschließend durch Fachleute, spezialisierte Mauersegler-Notrufe oder unseren Verein beraten, um das weitere Vorgehen und den Transport abzustimmen.

Leider kann aufgrund der Hitze und der unfassbar großen Zahl an Vögeln in Not nur noch eingeschränkt aktiv geholfen werden. Ein Zustand, der für alle mit Herz für Tiere schier unerträglich ist. So sterben derzeit leider unzählige Tiere an der großen Hitze. Wir tun unser Bestes ihnen zu helfen.

Bitte denken Sie in diesen Tagen auch an die Elterntiere, die bei der Nahrungssuche und Hitze Enormes leisten: Stellen Sie flache Wasserschalen im Garten oder auf dem Balkon zur Verfügung. Damit die gut gemeinte Tränke nicht zur Gefahrenquelle wird, ist die richtige Hygiene entscheidend: Platzieren Sie am besten eine Schale draußen und lassen Sie eine zweite, frisch gesäuberte Schale für mindestens 24 Stunden komplett durchtrocknen. Durch diesen täglichen Wechsel haben gefährliche Krankheitserreger und Parasiten (wie z. B. Trichomonaden) keine Überlebenschance, und Sie verhindern effektiv die Ausbreitung von Seuchen an der Futterstelle.

www.vogelschutz-erlensee.de

Auf dem Titelfoto: Junger Mauersegler

Fotos: PM

 

 

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