(pm/ea) – 10 Tage auf einem jahrzehntealten Klapprad mit einem ebenso alten Sattel. Keine Gangschaltung. Keine Hotel-Übernachtung. So radelte Dirk Leonhardt 1.547 Kilometer quer durch Deutschland für den guten Zweck.
Als Dirk Leonhardt am Samstag, 16. Mai, mit seinem Klapprad in Kusel startete, wusste er, dass es ein großes Abenteuer wird, auf das sich der 44-jährige einlässt. „Ich habe mir dieses Mal bewusst einen Weltrekord herausgesucht, bei dem auch die Langsamkeit eine wichtige Rolle spielt, und nicht das optimalste und effizienteste Material“, berichtet der Hanauer, der schon sechs andere Weltrekorde aufgestellt hat.
Leonhardts siebter Weltrekord war die „weiteste Bikepacking-Strecke mit dem Mifa-DDR-Klapprad in zwei Wochen“. Der Rekord stand bei 1.242 Kilometern. Und zudem wollte er eine Botschaft für mehr Miteinander in der Gesellschaft setzen, und mit seiner Tour das Wort „RESPEKT“ sichtbar auf die Landkarte schreiben. 10 Tage nach seinem Start am Pfingstmontag, 25. Mai waren es dann sogar 1.547 Kilometer auf dem Klapprad, als der Weltrekordsportler in Aschaffenburg seinen Rekordversuch beendete.
„Jetzt freue ich mich auf eine warme Dusche und eine ruhige Nacht in einem warmen Bett“ sagte Leonhardt bei seiner Ankunft. Vor dem Schloss in Aschaffenburg warteten Freunde und Familie und nahmen den erschöpften Sportler in Empfang.
Für seine Rekordfahrt war er 108 Stunden 36 Minuten in Bewegung und hat damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,2 km/h erreicht. Aufgrund des Packgewichts und der fehlenden Gangschaltung musste Leonhardt die Berge meist durchgängig hinaufschieben – bergab erreichte er Geschwindigkeiten bis knapp 54 km/h. „Ich habe teilweise nur 2 bis 3 Stunden geschlafen, weil am Anfang der Tour auch die Nächte noch sehr kalt waren, und ich nicht so geschützte Schlafplätze gefunden hatte“, weist Leonhardt auf eine weitere Schwierigkeit hin. „Hotel, Pension, Wohnwagen oder ähnliches war nicht erlaubt als Schlafplatz, ich musste alles auf dem Rad mitnehmen, was ich für Übernachtung, Hygiene und Technik gebraucht habe. Das war eine der Rekordvorgaben. Im Schnitt war ich 11 Stunden und 24 Minuten täglich in Bewegung, dazu habe ich Zeit gebraucht, um nach der Route zu schauen oder Essen und Trinken zu besorgen. So gingen die Tage schnell vorbei und für Schlaf und Pausen blieb wenig Zeit.“
„Am längsten Tag war ich über 15 Stunden in Bewegung – am kürzesten Tag 8 Stunden 36 Minuten. Meine Route führte bewusst über Orte wie Mannheim und Hanau – Städte, die mit Ereignissen verbunden sind, die viele Menschen bewegt haben. Mit meinem Projekt möchte ich ein Zeichen setzen für mehr Respekt, mehr Menschlichkeit und mehr Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“

„Um einen möglichst leserlichen Schriftzug zu fahren, habe ich auch sehr unwegsame Passagen in Kauf genommen. Teilweise war es extrem matschig und Bäume lagen über dem Weg, da musste ich das Fahrrad samt Gepäck darüberheben und auch manchmal dutzende Meter tragen. Das hat mich dann auch Überwindung gekostet, die gut befahrbare Straße zu verlassen, um auf so einen Waldweg einzubiegen. Aber das war ja Teil der Herausforderung, der ich mich stellen wollte. Wir leben meist in materiellen Überfluss, da tut es mir gut, manchmal ganz nah an meinen Grundbedürfnissen dran zu sein, wie Toilette, warmen Essen und einem Bett. Deswegen mache ich solche Projekte, es erdet und ich bewege mich gleichzeitig in der Natur und schönen Landschaften – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.“
Das schwierigste und herausforderndste an dem Rekordprojekt war für Leonhardt der Verzicht auf Unterkünfte in Pensionen. „Das war für mich das erste Mal, dass ich eine Radtour so gemacht habe und mir jeden Abend einen Schlafplatz im Freien suchen musste. Das hat mich mehr gestresst, als das Radfahren selbst, weil ich natürlich sicher und trocken schlafen wollte und ich keine Erfahrung hatte und auch kein Zelt aufschlagen wollte. So habe ich nur eine Iso-Matte, einen Schlafsack und eine Plane als Schutz vor Wind und Regen genutzt. Das war schon sehr spartanisch. Aber am Ende hat es trotzdem Spaß gemacht und war für mich eine wertvolle Erfahrung.“

Auch die Ernährungsstrategie von Leonhardt war alles andere als gewöhnlich: „Mein täglicher Luxus war ein Mittagessen oder Abendessen in einem Schnellimbiss oder Gasthaus. Da konnte ich meist die Powerbank und die Geräte wieder aufladen und hatte mal etwas Komfort.“
„Für die Anerkennung als Weltrekord musste ich alles detailliert dokumentieren, vor allem die GPS-Aufzeichnung ist unverzichtbar und zudem eine Liste, auf der sich mehrmals täglich Menschen eingetragen haben, die mich auf dem Rad gesehen haben. Die haben die Funktion als unabhängige Zeugen.“
„Dieser Weltrekordversuch war für mich nicht nur eine sportliche Herausforderung. Ich möchte gleichzeitig Aufmerksamkeit schaffen für ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: seelische Gewalt an Kindern und Eltern-Kind-Entfremdung. Als selbst Betroffener weiß ich, wie belastend familiäre Konflikte sein können – besonders für Kinder. Deshalb verbinde ich meinen Weltrekordversuch mit einem Spendenprojekt und der Botschaft, wieder mehr miteinander statt gegeneinander zu leben. Ich freue mich über jede Unterstützung und jeden Menschen, der diese Botschaft weiterträgt“, so Dirk Leonhardt.
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Fotos: PM
