„Ein besonderer und bewegender Tag für Rodenbach“: Stolpersteine zur Erinnerung an Familie Blumenthal verlegt

(ms/ea) – Am Dienstagmittag fand im Rahmen einer öffentlichen Gedenkstunde die erste Stolpersteinverlegung in der Gemeinde Rodenbach statt.

In seinem Grußwort sprach Bürgermeister Klaus Schejna von einem besonderen und bewegenden Tag für Rodenbach. Verlegt wurden die fünf Stolpersteine in der Bahnhofstraße 19 zum Gedenken an die jüdischen Rodenbacherinnen und Rodenbacher Dr. Julius Blumentahl, Sylva Sitta Blumenthal, Bernhard Blumenthal, Adolf Blumenthal und Ismar Blumenthal. Mit den Steinen kehren die Namen der Familie Blumenthal sichtbar in den öffentlichen Raum zurück – dorthin, wo ihr Leben einst stattgefunden hat. Künstler Gunter Demnig, Initiator des internationalen Gedenk- und Kunstprojekts STOLPERSTEINE, hat die Verlegung persönlich vorgenommen

Mit den Stolpersteinen wird an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden. Die kleinen Gedenksteine mit Messingplatten werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnort der betroffenen Menschen in den Gehweg eingelassen. Sie machen sichtbar: Diese Menschen hatten einen Namen, ein Zuhause, eine Geschichte und einen Platz mitten in unserer Gesellschaft.

Künstler Gunter Demnig beim Verlegen der Steine

Bürgermeister Klaus Schejna dankte allen Beteiligten für die Realisierung des Projekts mit der Verlegung der ersten Stolpersteine in Rodenbach. Weitere Verlegungen sind für Herbst geplant. „Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsvergessenheit wieder sichtbarer werden, ist gemeinsames Erinnern wichtiger denn je. Erinnerung bedeutet Haltung und Verantwortung dafür tragen, dass das, was war, sich niemals wiederholen darf“, so Schejna.

Auch Elisa Malangre, Besitzerin des Hauses, vor dem die Stolpersteine gelegt wurden, erinnerte daran, dass vor mehr als 80 Jahren durch Fanatismus und Gleichgültigkeit die hier wohnende Familie Blumenthal aus dem Leben gerissen wurde.

Walter Geppert vom Rodenbacher Geschichtsverein trug sehr anschaulich die Biografie der Familie Blumenthal vor, vom Leben in Rodenbach bis zu ihrer Deportation und Ermordung in den Konzentrationslagern, wie auf den Stolpersteinen vermerkt. Er schloss seine Ausführungen mit der Betonung der Würde jedes Einzelnen und, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Er veröffentlichte im Jahr 2012 das Buch „Sie waren unsere Nachbarn“, das zur Geschichte weitergehnde Informationen erhält.

Der Botschafter der Jüdisch Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland, Niko Deeg, betonte in seiner Abschlussrede, dass die Stolpersteine Symbole seien, aber eine große Botschaft trügen. Hinter jedem Namen stehe ein Leben, welches durch Hass, Ausgrenzung, Deportation und Mord beendet wurde.

Er stellte die Frage, in welcher Zeit wir eigentlich heute lebten? Sichtbarer Judenhass, Anfeindungen beim Weg zur Uni, auf dem Schulweg der Kinder. Statt „Nie wieder“ müsste es nicht jetzt heißen „Schon wieder“?

Erinnerung bedeute, Verantwortung für die Menschenwürde der Opfer, so Deeg, der mit einem jüdischen Gebet die Veranstaltung beendete und den zahlreichen Anwesenden herzlich dankte.

Das Projekt STOLPERSTEINE gilt heute als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Es erinnert in vielen europäischen Ländern an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Jeder Stein steht für ein einzelnes Schicksal und bringt die Erinnerung dorthin zurück, wo das Leben dieser Menschen einst stattgefunden hat: in die Straßen, vor die Häuser und mitten in den Alltag.

 

Auf dem Titelfoto (v.l.): Bürgermeister Klaus Schejna, Künstler Gunter Demnig, Niko Deeg und Elisa Malangre

Bericht und Fotos: Markus Sommerfeld

 

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