Leserbrief: Sabine Pabst antwortet auf den Leserbrief „AfD Hochburg Erlensee – Was nun?“ von Peter Seikel

Sabine Pabst antwortet auf Peter Seikel.

Mit großem Interesse habe ich Ihren Leserbrief, Herr Seikel, gelesen.

Was mich freut: Sie interessieren sich für Politik, für Erlensee allgemein und dann im Besonderen. Das ist nicht selbstverständlich, denn, leider sind nicht alle Bürger und Bürgerinnen mit wachem Interesse dabei, dies zeigt auch die mangelnde Wahlbeteiligung. Denn ein besonders wichtiges Merkmal der Demokratie ist die Möglichkeit der freien Wahl. Und schade, dass gerade dieses Angebot so wenig genutzt wird.

Was mich wundert: Sie wissen anscheinend ganz genau, welches Klientel und vor allem, warum diese Bürger und Bürgerinnen ausgerechnet die AfD wählen, statt „auf Kurs“ zu bleiben.
Das heißt aber nicht, dass Sie das Recht haben, auf Ihre Art und Weise Menschen zu diffamieren, die sich eine eigene Meinung gebildet haben, und mittlerweile jeden 5. Wähler in unserem Land ausmachen.

Für mich persönlich wäre die AfD, und jetzt muss ich tatsächlich leider sagen, keine Alternative. Leider deshalb, weil auch ich mit Vielem, was gerade so in unserer Stadt und in unserem Land passiert, nicht einverstanden bin, die AfD aber eben keine Lösung anbietet, die ich persönlich nachvollziehen könnte, und ich auch ehrlich gesagt richtig Angst davor hätte, was passieren würde, käme die AfD vollends an die Regierung.

Aber ich habe auch kein Patentrezept, wie es besser gemacht werden könnte. Und ich ziehe den Hut vor Allen, die sich politisch engagieren, trotz Beleidungen, Bedrohungen, nicht nur der eigenen Person, sondern darüber hinaus bis in die Familien. Dazu gehört Mut.

Was mich ärgert: Ihre Einstellung zum kulturellen Angebot der Stadt. Es wird immer so sein, dass man nie den Geschmack aller trifft, dafür sind wir Menschen einfach zu verschieden.
Aber von „abgehalfterten Welt-Stars“ zu schreiben, finde ich, sorry, eine Frechheit. Sicherlich sind einige Stars in die Jahre gekommen, aber an ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, es ist eine Lebensleistung, so lange „im Geschäft“ zu bleiben, dies gelingt halt nicht Jedem.

Meine persönliche Erfahrung mit zunehmendem Alter, man wird nicht nur weiser, erfahrener, man wird auch relaxter. Und diejenigen, die mit den Welt-Stars mitgealtert sind, sind hocherfreut, wenn sie an deren Auftritten teilhaben können, weil es „ihre Zeit“ spiegelt. Diese Auftritte zu organisieren, kostet nicht nur Geld, sondern ganz viel Mühe, Zeit, meist weit über die übliche Arbeitszeit hinaus.

Sie sprechen das Angebot für die jüngere Generation an. Tja, auch da habe ich etwas dazu beizutragen. Wir betreiben ja seit vielen Jahren den Kunstraum, werben auch immer wieder für neue, gerne jüngere Mitglieder. Aber die jüngere Generation hat verständlicherweise oft dafür gar keine Zeit. Und wenn ich so an meine jüngeren Jahre zurückdenke, war da die Familie, das Kind, der Beruf so ausfüllend, dass für andere Aktivitäten kaum, eigentlich gar keine Zeit blieb. Ich habe es damals gerade mal geschafft, zumindest einmal in der Woche für meine eigene Fitness zu sorgen.

Unser Angebot im Kunstraum, gerade für Kinder, nämlich eine Märchenmatinee an einem Sonntagmorgen, wurde von gerade mal 3 Elternteilen mit insgesammt sieben Kindern in Anspruch genommen. Dabei ist die professionelle Märchenerzählerin, die wir speziell für diesen Vormittag engagiert hatten, weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt, tritt oft auch in Schulen und Kindergärten auf, und im hr. Wir haben auch keinen Eintritt dafür erhoben, der Hut ging rum. Ich beklage mich aber nicht darüber, sondern habe aus oben geschilderten Gründen Verständnis dafür.

Dies zeigt aber, wenn der Künstler, also in dem Fall die Märchenerzählerin, zum Publikum geht, also Schulen, Kindergärten etc., kommt sie gut an. Muss das junge Publikum zum Künstler, wird es aus meist zeitlichen Gründen, oft schwierig. Die Interessen sind wohl auch andere, was ich durchaus verstehen kann.

Und an mir merke ich, dass ich ab einem gewiseen Alter auch gar keinen Zugang mehr zu den Interessen der jüngeren Generationen habe. Durch meine Enkel bekomme ich noch das Ein oder Andere mit, würde mir aber nie anmaßen, mich da aktiv reinzuhängen, dies muss dann wieder die junge Generation, wenn sie es denn möchte, auf die Beine stellen.

Jetzt habe ich einen ziemlich großen Bogen geschlagen, aber Sie haben ja auch viele Themen angesprochen. Und deshalb setze ich jetzt noch Einen drauf: der Buckelwal. Was hat er im wahrsten Sinne des Wortes für große Wellen geschlagen. Diesen Einsatz von so vielen Helfern, diese Empathie von so vielen Menschen, die mitbangen und hoffen, so viel wünsche ich mir im Einsatz für unser gesamtes Land. Dann würden wir es mit Sicherheit schaffen, aus den Krisen gemeinsam heraus zu finden, und nicht nur erwarten, dass es „Die da oben“ schon richten werden.

 

Sabine Pabst
Erlensee

 

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