„Was nun?“ fragt Peter Seikel in seinem Leserbrief zum Thema AfD in Erlensee.
AFD Wähler sind bekanntlich vorwiegend diejenigen, die sich aus unterschiedlichen Gründen abgehängt fühlen. Nicht alle sind dabei tatsächlich von den demokratischen Parteien in der Kommunalpolitik noch erreichbar. Da gibt es beispielsweise gescheiterte Existenzen, die Gott und die Welt für Ihr persönliches Schicksal verantwortlich machen und deshalb ihr Frust-Kreuz bei den Blauen setzen.
Schwierig bleibt der Zugang auch bei Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Ort, die sich hartnäckig als Bürger zweiter Klasse im Zuge der Wiedervereinigung sehen und sich deshalb teilweise anfällig für AFD Verschwörungs-Erzählungen zeigen. Nicht einfach wird es auch bei den Integrationsversuchen von Mitmenschen, die aufgrund ihrer Herkunft substantielle Demokratiedefizite haben. Da sollte man sich nichts vormachen.
Für diejenigen aber, die sich speziell von der Erlenseer Kommunalpolitik abgehängt fühlen, gibt es sicher geeignete Zugangsmöglichkeiten.
Beispielsweise die Kulturprogramme der Stadt, die sich mit ihrem Schwerpunkt an die Besserverdienenden (Ü70) richten, sollten in Zukunft endlich unterbleiben. Einsichten aus der Vergangenheit führten auch für dieses Jahr lediglich dazu, dass der kostspielige Programmpunkt, mit den abgehalfterten Welt-Stars, vom Fliegerhorst in den Limespark verlegt wurde.
Solche Dinge erzeugen bei Menschen mit einem normalen Einkommen das Gefühl von der gesellschaftlichen Teilhabe in Erlensee abgehängt geworden zu sein, da sie nicht das Zielpublikum sind und die geforderten Eintrittspreise richtig weh tun. Denn vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten hat inzwischen auch der Mittelstand mit erheblichen finanzielle Sorgen zu kämpfen.
Daher befindet sich die Stadt Erlensee mit ihrem kulturellen Angebot seit einigen Jahren in anderen Sphären und hat dabei komplett die Erdung verloren. Insbesondere vor dem Hintergrund der Erlenseer Bevölkerungsstruktur.
Erlensee sollte sich vielleicht auch einmal die Angebote des von der Stadt unterstützten „Theater in der Engelsburg Frankfurt“ anschauen, das gezielt die Demokratisierungsprozesse in den AFD Hochburgen in Frankfurt fördert.
Auch für Erlensee wären niederschwellige Angebote, bei freiem Eintritt für Kindertheater, Livemusik und Comedy wünschenswert. Eben ein Kessel Buntes für die „erblaute“ Stadt Erlensee. An Geld für die Kultur hat es in der Vergangenheit jedenfalls nicht gemangelt.
Bei den umstrittenen Themen Hallenbad und Rathaus, muss die Stadt nun leider durch. Egal wer letztendlich Erlensee regiert. Hier gibt es keine greifbaren Patentrezepte für kurzfristige Lösungen die der Stadt keine zusätzlichen Nachteile verschaffen würden. Daran ändert auch die heftige Polemik aus dem Wahlkampf nichts.
Nur mit der Solidarität der Bürgerinnen und Bürger und der Förderung des Gemeinsinns hat eine demokratische Gesellschaft auch in Zukunft noch eine Chance in Erlensee.
Weniger hilfreich erscheint vor diesem Hintergrund das voreilige Einreißen der Brandmauern gegen die AFD durch die Vorsitzende der Erlenseer CDU und implizit möglicherweise auch durch die Freien Wähler.
Wie lässt sich eine Zusammenarbeit mit einer bieder wirkende AFD überhaupt rechtfertigen, die für ihren Wahlkampf in Erlensee in den sozialen Medien Unterstützung von bekennenden AFD-Provokateuren aus ganz Deutschland erfahren hat,? Dabei wurden Diskussionsteilnehmer aufs Übelste persönlich beleidigt. Einem älteren Herrn wurde in baldiger Erwartung der Wurmfraß nach dem Tod gewünscht. Das ist die unmaskierte, hässliche Fratze der AFD.
Ohne eigene Bemühungen hat die AFD in Erlensee offenbar schon umgesetzt, was sie zur Durchsetzung ihrer Politik im Grunde in allen Kommunalparlamenten erreichen will. Die Spaltung der demokratischen Kräfte.
Erlensee befindet sich nach der Kommunalwahl in einer Situation in der das Klein-Klein und die parteipolitischen Spielchen nicht hilfreich für die Zukunft der Stadt sind. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, das im kommunalpolitischen Umfeld die Befindlichkeiten und teils heftigen persönlichen Animositäten aus der Vergangenheit schleunigst beiseitegeschoben werden müssen zum Vorteil eines weiterhin demokratisch orientierten Gemeinwesens in Erlensee.
Peter Seikel
Erlensee
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