Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Südosthessen vorgestellt

(pm/ea) – Polizeivizepräsidentin Anja Wetz, der Leiter der Abteilung Einsatz, Marco Weller sowie die stellvertretende Leiterin der Kriminaldirektion, Alexandra Schmitt, haben am Mittwoch die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Südosthessen vorgestellt. Im Main-Kinzig-Kreis ist die Zahl der registrierten Straftaten im Jahr 2025 um 1,4 % (146 Fälle)
gestiegen und verbleibt somit langfristig gesehen weiterhin auf einem insgesamt niedrigen Niveau.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist ein Hilfsmittel, um langfristige Tendenzen der Kriminalitätsentwicklung erkennen zu können und gleichzeitig ein Indikator dafür, wie sich polizeiliche Arbeit in bestimmten Deliktsbereichen auswirkt.

Die PKS dient der Beobachtung der Kriminalität insgesamt und einzelner Deliktsarten sowie der Veränderung von Kriminalitätsquotienten. Sie ist ebenso bei der Erlangung von Erkenntnissen zur vorbeugenden und verfolgenden Kriminalitätsbekämpfung, für organisatorische Planungen und Entscheidungen sowie für kriminologisch-soziologische Forschungen und kriminalpolitische Maßnahmen hilfreich.

In der PKS wird nur das sogenannte Hellfeld – also die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten – erfasst. Aufgrund fehlender statistischer Daten kann das sogenannte Dunkelfeld – die der Polizei nicht bekannt gewordene Kriminalität – in der PKS nicht abgebildet werden. Änderungen im Anzeigeverhalten der Bevölkerung oder in der Verfolgungsintensität der Polizei können die Grenze zwischen dem Hell- und Dunkelfeld verschieben, ohne dass sich der Umfang der tatsächlichen Kriminalität verändert hat.

Die PKS bietet insofern kein exaktes Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger genaue Annäherung an die Realität. So können unter anderem das Anzeigeverhalten, die polizeiliche Kontrollintensität, Änderungen in der statistischen Erfassung, Änderungen im Strafrecht oder bessere Auswerte- und kriminaltechnische Möglichkeiten die Entwicklung der Zahlen in der PKS beeinflussen.

Die Erfassung in der PKS erfolgt vorrangig anhand gesetzlicher Tatbestände und nur eng begrenzt auch unter kriminologischen Gesichtspunkten. Die Registrierung erfolgt bei Abgabe des Vorgangs an die Staatsanwaltschaft. Die Aktualität der PKS wird daher durch Straftaten mit langer Ermittlungsdauer gemindert. Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen. Straftaten werden zum Teil von der Polizei, insbesondere wegen des unterschiedlichen Ermittlungsstandes, vom Straftatbestand her anders bewertet als von der Staatsanwaltschaft oder den Gerichten. Deswegen und auch aufgrund unterschiedlicher Erfassungszeiträume und -grundsätze lässt sich die PKS mit den Rechtspflegestatistiken der Justiz (z. B. Verurteiltenstatistik) nicht direkt vergleichen.

Auch wenn die Fallzahlen der Gesamtkriminalität im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 % angestiegen sind, zeigt die Gesamtentwicklung, dass die Kriminalitätsbelastung langfristig gesehen weiterhin auf einem insgesamt niedrigen Niveau bleibt. Für das Jahr 2025 weist die Statistik 41.452 Straftaten aus. Gegenüber dem Höchststand von 2004 entspricht dies einem Rückgang um rund ein Drittel.

Die größten Fallzahlenanstiege waren insbesondere in den Deliktsbereichen der politisch motivierten Kriminalität (+ 45,1 %), der Geldwäsche (+ 44,2 %), dem Diebstahl an oder aus Kraftfahrzeugen (+ 22,9 %) sowie bei der gefährlichen Körperverletzung (+12,1 %) zu verzeichnen. Die Fälle der gefährlichen Körperverletzung im öffentlichen Raum stiegen dabei um 19,9 %.

Die Aufklärungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr um Ein-Prozentpunkt auf 60,3 % gesunken. Im langfristigen Trend ist diese jedoch deutlich gestiegen. Lag sie im Jahr 2001 noch bei 41,6 %, überschritt sie ab 2016 dauerhaft die Marke von 60 %, sodass mehr als jede zweite Straftat aufgeklärt werden konnte. Die hohe Aufklärungsquote bedeutet für jeden Straftäter grundsätzlich ein hohes Entdeckungsrisiko und dass er für sein Verhalten auch zur Rechenschaft gezogen wird. Dies ist jedoch nicht nur den polizeilichen Anstrengungen, sondern in hohem Maße auch der Mitwirkung der Bevölkerung zu verdanken. Unzählige Hinweise aus der Bürgerschaft waren der initiale Faktor, weswegen viele Straftaten letztlich überhaupt erst geklärt werden konnten.

Mit einer Kriminalitätsbelastung von 4.547 Straftaten pro 100.000 Einwohner ist die sogenannte Häufigkeitszahl im Vergleich zum Vorjahr zwar um 5,7 % gestiegen, bewegt sich im Langzeitvergleich jedoch weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Es ist zu berücksichtigen, dass es in Hessen mit der Umstellung der Bevölkerungsfortschreibung vom Zensus 2011 auf den Zensus 2022 auch eine Korrektur der Einwohnerzahl im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen um 2,4 % nach unten auf 911.682 Einwohner gab. Für das Jahr 2025 wurde die Häufigkeitszahl erstmals auf Basis des Zensus 2022 berechnet. Da die Bevölkerungszahlen auf Grundlage des Zensus 2022 erst im Laufe des Jahres 2024 zur Verfügung gestellt wurden, war eine frühere Nutzung dieser Daten nicht möglich. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, müssen somit die Häufigkeitszahlen der Vorjahre rückwirkend „umgerechnet“ werden. Auf dieser Grundlage ist der Anstieg der Häufigkeitszahlen tatsächlich niedriger (+ 3,2 %).

Ein möglicher Grund für den aktuellen Anstieg der registrierten Straftaten kann auch eine erhöhte Anzeigebereitschaft der Bevölkerung sowie eine intensivere polizeiliche Kontroll- und Ermittlungsarbeit sein. Insbesondere verstärkte Schwerpunktmaßnahmen wie die Innenstadtoffensive der hessischen Landesregierung sowie eine konsequente Strafverfolgung können dazu führen, dass mehr Straftaten festgestellt und statistisch erfasst werden.

In der Stadt Hanau stieg die Zahl der registrierten Straftaten im Jahr 2025 um 3,8 % (260 Fälle). Die Aufklärungsquote lag bei 64,8 %. In der Stadt Hanau wurden die größten Anstiege beim Wohnungseinbruchdiebstahl (+ 38 %) sowie bei Körperverletzungsdelikten (+ 25,4 %) festgestellt.

Im Main-Kinzig-Kreis ist die Zahl der registrierten Straftaten im Jahr 2025 um 1,4 % (146 Fälle) gestiegen. Im Langzeitvergleich bewegt sich das Fallaufkommen weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Die Aufklärungsquote liegt bei 64,6 %. Die Häufigkeitszahl lag bei 3.203.

Im Main-Kinzig-Kreis zeigten sich der deutlichste Zuwachs beim Wohnungseinbruchdiebstahl (+ 36,9 %).

Im Main-Kinzig-Kreis ging die Straßenkriminalität zurück. Die Zahl der registrierten Fälle sank um 8,0 % auf 1.667 Straftaten (− 144 Fälle). Damit wurde, mit Ausnahme des pandemiebedingten Jahres 2021, der niedrigste Wert seit Bestehen des Polizeipräsidiums Südosthessen erreicht. Zugleich stieg die Aufklärungsquote deutlich um 5,6 Prozentpunkte auf 27,7 %.

Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle ist im Jahr 2025, gemäß dem Landestrend, auf 1.102 Fälle angestiegen (+18,9 %). Langfristig betrachtet zeigt sich jedoch auch hier ein deutlicher Rückgang. Vor rund 25 Jahren wurden noch über 3.100 Fälle registriert, vor 15 Jahren noch über 2.100 Fälle. Damit konnten die Fallzahlen innerhalb von 25 Jahren um Zwei-Drittel sowie innerhalb der letzten 15 Jahre um die Hälfte reduziert werden.

Insbesondere gab es einen Anstieg von Wohnungseinbruchsdiebstählen in der Stadt Hanau (+ 38 %) sowie dem Main-Kinzig-Kreis (+ 36,9 %). Für die steigenden Fallzahlen dort sind unter anderem Tatserien von Wohnungseinbruchdiebstählen in Bruchköbel, Nidderau, Schöneck und Hanau verantwortlich. In Rahmen dieser konnten bereits Tatverdächtige ermittelt werden. Unter anderem konnte eine Bande ermittelt werden, welche aus dem Frankfurter Bereich stammt und ihre Taten in den Randkommunen begangen haben.

Bei rund 40 % der Wohnungseinbruchsdiebstählen im Jahr 2025 blieb es beim Versuch. Die Aufklärungsquote lag bei 12,3 %.

Im Jahr 2025 wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen 541 Fälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte registriert. Dies entspricht einen Anstieg von 2,3 % gegenüber dem Vorjahr (529 Fälle) und stellt einen neuen Höchststand dar. In nahezu allen Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden. Während die Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamten um 2 Fälle zurückging, stiegen die Angriffe auf Rettungsdienstkräfte um 10 auf insgesamt 18 Fälle. Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden in vier Fällen Opfer von Gewalt. Im Main-Kinzig-Kreis wurden 131 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte, 8 gegen Rettungskräfte und 3 gegen Feuerwehreinsatzkräfte registriert.

„Südosthessen bleibt weiterhin eine sichere Region. Die Gesamtentwicklung zeigt, dass die Kriminalitätsbelastung langfristig gesehen auf einem insgesamt niedrigen Niveau bleibt. Wir behalten alle Steigerungen aufmerksam im Blick und treffen die erforderlichen Maßnahmen“, erklärt Polizeivizepräsidentin Anja Wetz abschließend.

Grafiken: PPSOH

 

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