(ms/ea) – Zur Kommunalwahl am 15. März 2026 hat Erlensee Aktuell die zur Wahl stehenden Parteien AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FREIE WÄHLER Erlensee und SPD zu aktuellen Themen in Erlensee befragt. Alle Parteien haben geantwortet. Heute das Thema „Innenstadt und Wirtschaft“.
Wie möchten Sie Erlensee weiter entwickeln (Innenstadt, Wirtschaft, Ausweisung von Gewerbe- und Wohngebieten) und wie stehen Sie zu Ausgliederungen/Privatisierungen von bisher von öffentlicher Hand ausgeführten Dienstleistungen?
(Die Reihenfolge der Antworten entspricht der Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln)
Antwort CDU:
Wir wollen die Wiedereinführung des freiwilligen Polizeidienstes, Stärkung des Ordnungsdienstes (z. B. Nutzung von Bodycams), mehr Ordnungskräfte insgesamt, Tiefgaragen bei größeren Neubauten, Aufwertung der Innenstadt (dem sogenannten „Bittner“- Gebäude und Rathausneubau), großzügige Begrünung (Orte zum Verweilen) und Treffpunkte für Bürger- und Bürgerinnen. Außerdem mehr Einzelhandel anwerben und das Kulturangebot erhalten und ausbauen. Für all das würde die CDU Erlensee gerne die Verantwortung übernehmen.
Antwort AfD:
Schwierige Frage, da wir die Neuen in der Stadtverordnetenversammlung sein werden und noch nicht das Hintergrundwissen aus Ausschüssen und Magistrat haben. Die Stadt Erlensee hat kein Einnahmeproblem sonder ein Ausgabenproblem, die Stadt hat einen der höchsten Hebesätze für Gewerbesteuern und Privathaushalte im Main Kinzig Kreis. Ausgliederungen von Dienstleistungen zur Kostensenkung und Verbesserung der Qualität erscheinen uns unbedingt für notwendig und müssen auf jeden Fall im Einzelfall geprüft werden. Bürokratieabbau für die Unternehmen vor allem im Bereich Verwaltungs- und Klimaauflagen. Im Hinblick auf die Gastronomie braucht Erlensee zeitgemäße Flexibilität und geringen Bürokratieaufwand für die Ansiedlung, vorstellbar sind „Pop-Up“ Restaurants und Cafés. Sinnvoll erscheint der weitere Ausbau der Infrastruktur, zum Beispiel für die Energieversorgung, um weitere Rechenzentren anzusiedeln. In Groß-Gerau wurde aktuell der Bau eines Mega-Rechenzentrums mit den Stimmen der SPD, Grünen, Freien Wählern und Linken abgelehnt. Mit uns wird es dies so nicht geben.
Schluss mit weiter so. Wir sind die Alternative für Erlensee!
Antwort SPD:
Die Ziele der SPD sind der Erhalt unserer hervorragenden Kinderbetreuung, der Bau der vierten Grundschule mit Zweifeldsportanlage und die zügige Kernsanierung unseres Rathauses. Wir wollen die privaten Investoren ermutigen, im Stadtzentrum Immobilien zu entwickeln, die auch eine Nutzung für Vereine ermöglichen kann. Wir wollen die Entwicklung der Gewerbegebiete fortsetzen. Es sind bereits alle Flächen verkauft, aber noch nicht alle bebaut. Durch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur auf unserer Seite wollen wir den Aufbau nachhaltig unterstützen. Für die Privatisierung von Dienstleistungen gibt es nur sehr wenig Raum. Die Müllabfuhr ist schon privatisiert. In anderen Bereichen, wie dem Friedhofswesen, der Kläranlagen und der Kinderbetreuung sind hohe Maßstäbe anzulegen.
Antwort Bündnis90/Die Grünen:
Unsre Innenstadt muss lebendiger und grüner werden. Wir freuen uns, dass das traurige Kapitel „Bittner-Haus“ endlich abgeschlossen zu sein scheint und hoffen sehr, dass der Komplex, der dort entstehen wird, sowohl architektonisch als auch von den Nutzungsmöglichkeiten für alle Bürger und Bürgerinnen einen Mehrwert darstellen wird. Der Ausweitung von Gewerbe- und Baugebieten stehen wir kritisch gegenüber. Eine weitere Versiegelung unserer Flächen ist ökologisch nicht vertretbar. Gleichzeitig wissen wir, dass weitere bezahlbare Wohnungen dringend gesucht werden und unterstützen von daher die Wohnungsverdichtung im Kerngebiet Erlensees, zum Beispiel auch durch Aufstockungen und andere intelligente Lösungen.
Um Erlensee als Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen, plädieren wir für eine leistungsstarke Abteilung für Wirtschaftsförderung in der Verwaltung. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber langfristig gesehen ist das eine sinnvolle Maßnahme. Wir können uns auch den Aufbau eines Kompetenzzentrums gemeinsam mit unseren Nachbarkommunen Bruchköbel und Rodenbach vorstellen. Alles, was uns hilft, ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hier in Erlensee zu entwickeln und weg zu kommen von Logistik, Logistik, Logistik.
Was die Frage nach der Privatisierung und Ausgliederung von Leistungen geht, das haben wir doch ohnehin schon. Und jeder, der in der Politik aktiv ist, weiß dass nicht alle Aufgaben privatisiert werden können. Das heißt für uns, so etwas muss im Einzelfall entschieden werden und ist nichts, was pauschal angegangen werden kann.
Antwort FREIE WÄHLER Erlensee:
Wir wollen Erlensee so weiterentwickeln, dass die Stadt lebendig wird und wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht. Eine attraktive Innenstadt entsteht nicht automatisch. Menschen kommen nur dann gerne in die Mitte der Stadt, wenn es dort etwas gibt: Cafés, Gastronomie, kleine Läden, Begegnungsorte. Das schafft Aufenthaltsqualität. Dafür müssen wir Bebauungspläne anpassen, wo es sinnvoll ist. Aber Papier allein bringt noch keine Belebung.
Andere Städte helfen gezielt nach – etwa mit zeitlich begrenzten Mietzuschüssen oder Förderprogrammen für neue Gastronomie und Einzelhandel. Solche Modelle sollten wir prüfen, um Leerstände zu vermeiden und den Einstieg zu erleichtern.
Auch regelmäßige Impulse sind wichtig: Wochenmärkte, temporäre Nutzungen oder kleinere Veranstaltungsformate können zusätzliche Besucher in die Innenstadt bringen. Solche Ansätze funktionieren andernorts gut – man muss sie nur konsequent umsetzen.
Bei neuen Gewerbe- und Wohngebieten gilt für uns: Keine Fläche um jeden Preis. Neue Baugebiete müssen finanziell tragfähig sein, in die bestehende Struktur passen und der Stadt langfristig nutzen. Wachstum ist kein Selbstzweck.
Die Frage zu Ausgliederungen oder Privatisierungen sehen wir sehr nüchtern. Dort, wo Aufgaben nicht hoheitlich sind und private Lösungen günstiger oder besser arbeiten, kann man darüber sprechen. Aber Kernaufgaben der Stadt gehören in öffentliche Hand.
Am Ende bleibt für uns eine einfache Frage: Was bringt Erlensee wirklich weiter – wirtschaftlich, strukturell und für das Zusammenleben?
Antwort Die Linke:
Wer in Erlensee arbeitet, muss hier auch wohnen können. Bei über 7.500 Arbeitsplätzen fehlen bezahlbare Wohnungen, deshalb setzen wir auf mehr Sozialwohnungen und klare Vorgaben bei
Neubauten. Öffentliche Daseinsvorsorge gehört in öffentliche Hand, da Privatisierung meist höhere Kosten bedeutet. Die Innenstadt wollen wir gemeinsam mit den Bürger:innen beleben, Leerstand nutzen und neue Begegnungsorte schaffen. Gewerbeflächen müssen dabei verantwortungsvoll überprüft werden.
