(ms/ea) – Zur Kommunalwahl am 15. März 2026 hat Erlensee Aktuell die zur Wahl stehenden Parteien AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FREIE WÄHLER Erlensee und SPD zu aktuellen Themen in Erlensee befragt. Alle Parteien haben geantwortet. Heute das Thema „Erlenseer Kulturnächte“.
Wie bewerten Sie die für dieses Jahr beschlossene Neukonzeption der „Erlenseer Kulturnächte“ und welche Vorschläge haben Sie für die Durchführung von Kulturveranstaltungen?
(Die Reihenfolge der Antworten entspricht der Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln)
Antwort CDU:
Von einer Neukonzeption kann man hier nicht sprechen. Wir haben den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dass die „Erlenseer Kulturnächte“ dauerhaft fortgeführt werden, allerdings ohne Hinzuziehung des Fußballgeländes auf dem Fliegerhorst mit einer Großveranstaltung.
Danach hat die Arbeitsgruppe ihr diesjähriges Konzept erarbeitet.
Die “Erlenseer Kulturnächte“ finden in der Erlenhalle, der Wasserburg, im Limespark und in der Evangelischen Kirche in Rückingen statt. Das Programm bietet Jazz, Klassik, Pop, landesbezogene Musik, Bayern-Pop, Lesungen und Kabarett. Wir sind sehr bemüht, den Spagat zwischen günstigen Eintrittspreisen und Vermeidung von Defiziten zu bewältigen. Im Gegensatz zu professionellen Veranstaltern, die ein Defizit immer von Auftraggeber ausgleichen lassen, müssen wir natürlich immer unsere Defizite vor dem Parlament offenlegen und begründen. Dann wird geschimpft, obwohl jeder weiß, dass Kultur zwar Geld kostet aber auch eine Bereicherung des sozialen Zusammenlebens ist.
Antwort AfD:
Das Neukonzept sieht vor, dass keine Großkonzerte im Fliegerhorst mehr stattfinden sollen, um die erheblichen Verluste durch diese Veranstaltungen zu reduzieren. Es wurde außerdem beschlossen, den zulässigen Verlust auf 40.000 € zu begrenzen. Solche Veranstaltungen sollten den ohnehin stark belasteten Haushalt nicht mit einem weiteren Defizit belasten. Alternativ soll mehr auf Veranstaltungen mit Einbindung der Erlenseer Vereine gesetzt werden, die mehr familienfreundlicher ausgelegt sein sollten statt teure Einzeltickets zu verkaufen, die trotzdem nicht kostendeckend sind. Schluss mit weiter so. Wir sind die Alternative für Erlensee!
Antwort SPD:
Die Kulturnächte müssen von den Bürgern angenommen werden. Der Französische und der Irisch-Schottische Abend in der Wasserburg 2025 waren gelungene Veranstaltungen, an denen sich das jetzige Programm orientiert. Kulturveranstaltungen haben ansonsten immer ein finanzielles Risiko und Kultur wird auch immer in Zuschussgeschäft sein. Dem hat die Stadtverordnetenversammlung ja auch ganz offiziell Rechnung getragen, indem ein Defizit in Höhe von 40.000 € im Rahmen der Haushaltsplanung einkalkuliert ist. Ebenfalls 40.000 € werden übrigens auch für das Hof- und Gassenfest 2026 bereitgestellt, um auch hier die Festivitäten mit Künstlerinnen und Künstlern zu bereichern. Die SPD Erlensee ist der Meinung, dass sich diese Beträge insgesamt im Rahmen halten und den Bürgerinnen und Bürgern auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten etwas in Sachen Kultur geboten werden soll.
Antwort Bündnis90/Die Grünen:
Zunächst: Uns Grünen ist Kultur sehr wichtig. Dafür haben wir immer gekämpft und gestritten. Allerdings ist das bestendende Konzept erstens zu teuer und zweitens richtet es sich nur an einen bestimmten Teil der Bevölkerung, nämlich die Bürger und Bürgerinnen, die über ein gut gefülltes Portemonnaie verfügen. Wir haben zwei Jahre mit hohen Defiziten für die Kulturnächte hinter uns. Wir sehen das gleiche Desaster wieder auf uns zukommen. Das wäre vermeidbar gewesen. Zudem haben wir genau 40 000 € für Kultur in den Haushalt 2026 eingestellt. Das ist nicht üppig, aber unser Haushalt gibt einfach nicht mehr her.
Dieses Geld hätten wir lieber für kleinere Veranstaltungen ausgeben, die für ein breiteres Publikum ausgelegt sind. Dabei wollen wir auch jüngeren Erlenseer*innen und Menschen mit wenig Budget ein Angebot machen. Verschiedene Veranstaltungen sollen unterschiedliche Gruppen ansprechen, dabei wollen wir lieber auch regionale und junge Künstler*innen fördern statt alternder Rockstars.
Antwort FREIE WÄHLER Erlensee:
Kultur ist wichtig. Daran gibt es keinen Zweifel. Veranstaltungen bringen Menschen zusammen. Sie schaffen Begegnung und machen eine Stadt lebendig. Das unterstützen wir ausdrücklich.
Was wir aber nicht unterstützen, sind die Erlenseer Kulturnächte in ihrer jetzigen Form. Wenn am Ende hohe Defizite entstehen und der Steuerzahler den Großteil tragen muss, dann muss man das klar sagen.
Dazu gehört auch Ehrlichkeit bei den Zahlen. Es reicht nicht, nur die sichtbaren Kosten zu nennen. Auch Personalstunden für Planung, Aufbau, Durchführung und Nachbereitung gehören auf den Tisch. Wer Kultur organisiert, muss auch offenlegen, was sie wirklich kostet.
Die neue Konzeption löst das Grundproblem aus unserer Sicht nicht. Im Kern wird der Ort verlagert – unter anderem in den Limespark. Der Limespark wurde als Aufenthalts- und Erholungsbereich geplant. Große Veranstaltungen mitten im Wohnumfeld passen nicht zu diesem Charakter. Das sollte man offen diskutieren.
Erlensee ist keine Großstadt. Große Events künstlich nachzubauen macht uns nicht automatisch attraktiver – es erhöht vor allem das finanzielle Risiko. Professionell organisierte Veranstaltungen gibt es im Umfeld bereits. Auch vor Ort gibt es mit „Erlensee Rockt e.V.“ ein Beispiel dafür, wie solche Formate erfolgreich umgesetzt werden können. Das zeigt: Man muss nicht alles selbst betreiben.
Unser Ansatz ist einfacher:
• Vereine stärken
• Kleinere, bezahlbare Formate fördern
• Engagierte Bürger und lokale Künstler unterstützen
• Keine dauerhaften Zuschussprojekte ohne klaren Nutzen
• Volle Transparenz bei allen Kosten
Hof- und Gassenfeste, der Adventshof oder Veranstaltungen in der Wasserburg zeigen, dass Kultur auch bodenständig und erfolgreich funktionieren kann. Nah an den Menschen. Ohne unkalkulierbare Risiken.
Kultur ja. Aber mit Maß, Augenmaß und Verantwortung für das Geld der Bürger.
Antwort Die Linke:
Wir begrüßen die Neuausrichtung der Kulturnächte. Kultur muss für alle bezahlbar sein. Den Verzicht auf Großkonzerte unterstützen wir und setzen auf kleinere Formate mit lokalen Künstler:innen. Kultur soll aus der Stadtgesellschaft entstehen mit Vereinen und Initiativen. Orte wie Wasserburg oder Limespark bieten dafür ideale Möglichkeiten. Wir müssen uns auf kleinere Kulturprojekte konzentrieren und lokale Talente fördern.
