Kommunalwahl am 15. März 2026: Erlensee Aktuell fragt – AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FREIE WÄHLER Erlensee und SPD antworten

(ms/ea) – Zur Kommunalwahl am 15. März 2026 hat Erlensee Aktuell die zur Wahl stehenden Parteien AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FREIE WÄHLER Erlensee und SPD zu aktuellen Themen in Erlensee befragt. Alle Parteien haben geantwortet. Das Thema „Rathaus“ bildet den Anfang.

 

Sehen Sie realistische Möglichkeiten von Planänderungen bei der Kernsanierung des Rathauses und wenn ja, welche?

(Die Reihenfolge der Antworten entspricht der Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln)

 

Antwort CDU:

Nein, im Sinn von Einsparungen nicht. Das wäre inzwischen sehr kostspielig und was soll dann aus dieser inzwischen bestehenden Bauruine werden, dass es nicht noch kostspieliger wird? Im Gegenzug könnte man überlegen, den Neubau noch um ein Bistro mit Mittagstisch für die Bediensteten, andere Beschäftigte und Bürger zu erweitern.

 

Antwort AfD:

Wir sind für die Überprüfung der benötigten Fläche für die Stadtverwaltung. Die Verwaltungsfläche kann durch Digitalisierung und Prozessoptimierung, so wie flexibler Nutzung durch Desk Sharing (kein fest zugeordneter Arbeitsplatz) reduziert werden. Die dadurch frei werdenden Flächen sollen anders genutzt werden, denkbar ist Vermietung an Dritte oder Gastronomie (Beispiel am Rathaus Bruchköbel). Die technische Ausrüstung des Rathauses sollte kostentechnisch optimiert werden. Dies war auch im Antrag des fraktionslosen Stadtverordneten Sascha Schneider in der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2025 enthalten und wurde einfach mit den Stimmen der SPD, CDU und Grünen abgelehnt. Bisher war es dem Bürgermeister und Magistrat möglich, praktisch jede Entscheidung mit wechselnder Mehrheit durch SPD mit Grünen oder CDU durchzuwinken. In der neuen Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung wird es dies nicht mehr so einfach geben. Schluss mit weiter so. Wir sind die Alternative für Erlensee!

 

Antwort SPD:

Die Planungen für das Rathaus bilden einen zweckgebundenen Bau einfacher bis mittlerer Ausstattung ab, der alle für die Bürger notwendigen Ämter, Behörden und Dienstleistungen unterbringt und allen baurechtlichen Vorgaben genügt. Im Vergleich zum bisherigen Rathaus findet nur ein minimaler Zuwachs an Nutzflächen statt, der auch erforderlich ist. Sollte jemand dennoch die Forderung erheben „kleiner“ zu bauen, so muss er erklären, wo diejenigen Abteilungen hinsollen, die im Rathaus keine Unterkunft mehr finden. Es müssten dann andere Gebäude im Stadtgebiet angemietet oder gebaut werden, so dass sich unter dem Strich keine Ersparnis ergibt. Die genannten Kosten entsprechen den realistischen Kosten für ein Rathaus dieser Größenordnung und es wird immer noch am günstigsten sein, den jetzigen Plan stringent und schnell umzusetzen und dann für mehrere Jahrzehnte ein auskömmliches Gebäude im Zentrum unserer Stadt zu haben, das den Bedürfnissen einer wachsenden Bevölkerung gerecht wird. Die gestiegenen Baukosten haben alle getroffen und hätten sich auch bei einem Neubau eingestellt. Wir bauen dieses Rathaus für die Bürgerinnen und Bürger von Erlensee, für niemanden sonst.

 

Antwort Bündnis90/Die Grünen:

Größere Planänderungen werden schwierig sein. Viele Verträge sind bereits geschlossen, die Arbeit der Architekten ist nach unserer Information ebenfalls weitgehend beendet. Alle größeren Änderungen würden hohe Kosten nach sich ziehen. Das ist haushaltstechnisch nicht sinnvoll. Kleinere Änderungen sind sicherlich noch möglich, aber die Einsparungen, die dadurch zu erwarten sind, sind eher marginal. Noch eine Bemerkung: die Ausstattung des Rathauses wird keinesfalls luxuriös ausfallen, sondern entspricht einem mittleren Standard.

Wir gehen jedoch davon aus, dass die Nutzung des Rathauses vielfältiger sein wird als die heutige Planung hergibt. Schon jetzt ist daran gedacht, dass der es einen öffentlichen Zugang geben wird, so dass die öffentlichen Räume für ganz unterschiedliche Zwecke genutzt werden können. Wir hoffen darüber hinaus, dass manche Räume nicht von der Verwaltung benötigt werden, sondern für Bürgertreffpunkte zur Verfügung gestellt werden. Das mag Zukunftsmusik sein, sollte aber bei aller Kritik im Auge behalten werden.

Wir können die Kritik der Bürger und Bürgerinnen zu dieser Entscheidung durchaus verstehen. Der Anlass für diesen Neubau war nicht ein unüberlegter Wunsch nach „neuer, größer, schöner“, sondern aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen (im Sommer zu heiß, im Winter schlecht heizbar) Brandschutz- und Sicherheitsaspekte im Rathaus dringend notwendig und war viel zu lange aufgeschoben worden. Wir Grünen waren und sind davon überzeugt, dass wir nachhaltig mit vorhandenen Materialien umgehen müssen und haben uns daher für den Erhalt des Grundgerüsts und der Bausubstanz entschieden, auch und obwohl das für die Neukonzeption erhebliche Schwierigkeiten mit sich brachte.

 

Antwort FREIE WÄHLER Erlensee:

Ja. Wir halten Planänderungen für realistisch – und notwendig.

Bei einem Projekt dieser Größenordnung darf man nicht sagen: „Jetzt ist es halt so.“
Wenn die Kosten steigen und das Gebäude größer wird als nötig, muss man noch einmal neu hinschauen.

Uns geht es um eine einfache Frage: Brauchen wir wirklich ein Rathaus in dieser Größe – oder geht es auch schlanker und günstiger?

Das derzeitige Konzept setzt weiter auf viel Fläche und klassische Bürostrukturen. Gleichzeitig reden wir überall von Digitalisierung und flexiblen Arbeitsmodellen. Das passt nicht zusammen. Wir dürfen heute kein Verwaltungsgebäude planen, das gedanklich im letzten Jahrhundert stehen bleibt.

Die meisten Bürger wollen kein großes Rathaus. Deshalb sollte man offen prüfen, ob es bessere Lösungen gibt.

Zum Beispiel:

• Ein funktionales technisches Rathaus außerhalb des Zentrums und ein kleines, gut erreichbares Servicebüro für den Publikumsverkehr in der Stadtmitte
• Weniger Fläche insgesamt – nur das, was wirklich gebraucht wird
• Den Anbau mit dem Sitzungssaal deutlich verkleinern oder ganz streichen
• Arbeitsplätze moderner und flexibler planen
• Prüfen, ob Teile anders genutzt oder mit vermietet werden können, um Kosten zu senken

Wichtig ist: Alle Verantwortlichen sollten sich noch einmal zusammensetzen – gemeinsam mit unabhängigen Fachleuten – und ehrlich durchrechnen, was wirklich nötig ist und was nicht. Das ist kein Rückschritt. Das ist Verantwortung gegenüber dem Geld der Bürger.

Dass es günstiger geht, zeigt die Gemeinde Mainhausen. Dort wurde 2025 ein neues Rathaus mit rund 1.300 Quadratmetern für etwa sieben Millionen Euro gebaut. Funktional, überschaubar, ohne ausufernde Kosten.

Das zeigt: Man kann auch wirtschaftlich bauen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert.

Am Ende geht es nicht um ein Gebäude. Es geht um einen vernünftigen Umgang mit dem Geld der Bürger.

 

Antwort Die Linke:

Aus unserer Sicht muss zunächst vollständige Transparenz über die aktuelle Planung hergestellt werden. Erst dann kann geprüft werden, wo sinnvoll eingespart oder nachjustiert werden kann.

Der Projektplan ist nicht grundlegend änderbar, aber überprüfbar. Ziel ist eine verantwortungsvolle, finanzierbare Sanierung im Interesse der Bürgerinnen und Bürger.

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