SPD-Neujahrsempfang in Erlensee: Politik der leisen Töne und klarer Verantwortung

(mb/ea) – Mit ruhiger Klaviermusik, persönliche Begegnungen und einem großzügigen Buffet begrüßten die Erlenseer Sozialdemokraten am vergangenen Sonntag das neue Jahr. Zahlreiche Gäste aus Politik, Ehrenamt und Stadtgesellschaft waren der Einladung gefolgt – darunter SPD-Vertreter aus dem Main-Kinzig-Kreis ebenso wie Repräsentanten von Hilfsorganisationen, Vereinen und örtlichen Betrieben.

Für die musikalische Begleitung sorgte Aljoscha Crema am Klavier.

Ein besonders persönlicher Moment entstand, als die SPD der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Renate Tonecker-Bös, zu ihrem 70. Geburtstag gratulierte – mit Blumen und einem spontanen musikalischen Ständchen bei dem zum Klavier der ganze Saal mit einstimmte. Sichtlich gerührt danke die Grünen Politikerin den Gästen.

In seiner Rede machte Ercan Celik, Vorsitzender der SPD Erlensee, früh deutlich, dass 2026 ein entscheidendes Jahr für die Stadt wird und das nicht nur wegen der Kommunalwahl. „Wir starten in ein Wahljahr, das für unsere Stadt von entscheidender Bedeutung ist. Hier werden die Weichen für die kommenden Jahre gestellt – für die Bildung unserer Kinder, für die Vereine, für unsere Infrastruktur und für die Lebensqualität in Erlensee.“

Dabei beschönigte Celik die vergangenen Jahre nicht. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen seien auch in Erlensee spürbar gewesen und haben Spuren hinterlassen. Gleichzeitig betonte er, dass die Stadt handlungsfähig geblieben sei. Erlensee stehe nicht still. Mit dem geplanten Bau einer neuen Grundschule samt Sporthalle, der Sanierung des Rathauses und
dem Ausbau der Kinderbetreuung stehen auch in Zukunft zentrale Themen an. Gerade Letztere bleibe ein entscheidender Faktor für Chancengleichheit. „Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können“, sagte Celik.

Als am stärksten wachsende Kommune im Main-Kinzig-Kreis stehe Erlensee vor besonderen Aufgaben. Die SPD setze dabei bewusst auf stabile Strukturen: eine gut ausgestattete Feuerwehr, kostenlose Hallennutzung für Vereine, den Familienbus, eine leistungsfähige Bücherei als Ort der Bildung und Teilhabe sowie eine engagierte Kinder- und Jugendarbeit, die gerade erst mit neuen
Räumlichkeiten ausgestattet wurde. „Kultur, Stadtfeste, Vereinsleben – all das gehört zu Erlensee*“, so Celik.

Gleichzeitig benannte er politische Leitplanken und offene Themen. Die SPD stehe für „bezahlbaren Wohnraum, gepflegte Grünflächen, mehr Stadtgrün und aktiven Klimaschutz, für Sicherheit und Ordnung sowie eine funktionierende Infrastruktur“. Dabei gilt es in Zukunft ebenso viele Bereiche weiter zu entwickeln: die Stadtmitte, neue Formen der Bürgerbeteiligung, mehr Transparenz, der Erhalt des Rathauses im Zentrum, ein Bürgertreff, eine fußgänger- und fahrradfreundlichere Stadt, das Hallenbad, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung. Sicher ist, nicht alles wird gleichzeitig umzusetzen sein und egal wer nach der Komunalwahl im Rathaus bleibt, oder neu einzieht, wird wohl Prioritäten setzen müssen.

Als Gastrednerin sprach Sybille Hergert, Bürgermeisterin aus dem Flörsbachtal. In ihrer Rede schlug sie den Bogen von der kommunalen Praxis und eigenen politischen Erfahrungen zu übergeordneten Fragen. Sie dankte für die Einladung und verwies auf ihre Arbeit im Main-Kinzig-Kreis, etwa beim Aufbau des Beteiligungsmanagements und beim Breitbandausbau. Gerade an
letzterem erkennt man welche Herausforderungen die immer wachsende Digitalisierung mitbringt. Während Erlensee bereits weitestgehend an schnelles Internet angeschlossen ist, sinst die
Arbeiten in ihrem Ort noch in vollem Gange.

Ein Schwerpunkt ihrer Rede war die medizinische Versorgung, insbesondere im ländlicheren Ostkreis. Pflegeberufe müssten stärker wertgeschätzt werden. „Wir brauchen alle Berufe in einer Gesellschaft – sonst funktioniert eine Gesellschaft nicht.“ Hergert warb für eine Politik der Nähe. Gerade in Zeiten globaler Krisen brauche es auf kommunaler Ebene Verlässlichkeit und persönliche Ansprechpartner. Politische Debatten, so ihre Beobachtung, verkürzten sich zunehmend auf Schlagzeilen und soziale Medien. „Viele Menschen schauen nur kurz hin und machen sich nicht mehr die Mühe, die Hintergründe zu hinterfragen“. In Gesprächen zeige sich häufig ein Gefühl des Alleingelassenseins, gerade bei politisch Andersdenkenden.

„Manchmal kommt heraus, dass Menschen sich nicht wahrgenommen fühlen, dass sie Angst vor der Zukunft haben. Genau hier müssen Politikerinnen und Politiker vor Ort Vorbild sein und
zeigen, dass man sich auf sie verlassen kann.“ Lösungen für alle Probleme habe auch sie nicht parat gehabt – wohl aber den Appell, wichtige Themen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Wie im Ehrenamt gelte auch in der Politik: Ohne Zusammenhalt gehe es nicht. Menschen, die sich engagieren, täten dies aus Überzeugung. Dieses Engagement gelte es zu schützen und zu stärken.

Nach dem offiziellen Teil verlagerte sich der Austausch an das Buffet, das seinem Ruf mehr als gerecht wurde. Das Küchenteam hatte mit außergewöhnlichen Kreationen aufgetischt – und
sorgte dafür, dass Gespräche noch lange anhielten.

Der Neujahrsempfang der SPD Erlensee vermittelte eine klare Botschaft: mehr kommunale Bodenhaftung. In einem Wahljahr setzt die SPD auf Erfahrung, Berechenbarkeit und das Versprechen, Politik nah an den Menschen zu machen – leise im Ton, aber deutlich in der Verantwortung.

 

Bericht und Fotos: Mike Bender

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