(ms/ea) – Sie fühle sich natürlich als Erlenseerin, betont sie vehement. Da die Gemeinde Erlensee aber erst 1970 gegründet wurde, passt der Begriff schon auf sie, die in diesen Tagen ihren 70. Geburtstag feiert. Im Geburtstags-Interview von Erlensee Aktuell hat Renate Tonecker-Bös aus ihrem Leben geplaudert.
Geboren am 18. Januar 1956 in Hanau, lebt sie seitdem – mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren – in Langendiebach, was 1970 Ortsteil von Erlensee wurde. Da war sie 14 Jahre alt.
„Diebach war mir irgendwie zu eng, zu klein. Mit 10 Jahren kam ich auf die Karl-Rehbein-Schule und konnte täglich in die Stadt“, berichtet sie aus ihrer Kindheit und der Jugend. Für Politik und auch für Erlensee hatte sie sich nicht interessiert. „Langendiebach und dann auch Erlensee fand ich nicht besonders reizvoll“.
Das änderte sich mit der Gründung der Grünen im Jahr 1984. „Da hatte ich angefangen, mich kommunalpolitisch zu interessieren“.
So richtig Erlensee schätzen gelernt hat Renate Tonecker-Bös aber erst seit 2000 mit der Gründung des Freundeskreises Biggleswade. „Ich hatte großes Interesse an der englischen Sprache, zumal ich in meiner Jugend aufgrund der beruflichen Tätigkeit meiner Mutter viel Kontakt mit den Amerikanern hatte. Englisch und Amerikanisch zu sprechen war ein Unterschied, der mich an der Sprache interessierte. Mit der Mitarbeit im Freundeskreis habe ich mich mehr mit Erlensee auseinandergesetzt und die schönen Seiten entdeckt“.
Ursprünglich hatte sie den Plan, wegzuziehen, was sie auch für zwei Jahre getan hat. Allerdings hat sie die Liebe zu ihrem heutigen Ehemann Werner zurückgeholt. „Ich bin meinem lieben Ehemann sehr dankbar, denn ohne ihn hätte ich weder mein Psychologie-Studium so absolvieren können, noch meiner Arbeit als Beraterin und Trainerin bis heute nachgehen können. Außerdem ist er mein Unterstützer bei meiner politischen Arbeit“.
Seit 2011 ist sie in der Kommunalpolitik aktiv, seit 2013 Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/die Grünen Erlensee. Seit 6 Jahren Vorsitzende. Darüber hinaus ist sie Teil der Stadtgesellschafter, seit 15 Jahren bei Fairtrade Erlensee und bei „Frauen für Frauen“ sowie bei der „Erlenseer Sommerlotterie“ engagiert.
Zwei besondere Highlights gab es für sie in den letzten Jahren zu berichten:
„Das eine Highlight war für mich die Verleihung des Landesehrenbriefs, die mich sehr beeindruckt und auch überrascht hat, da ich vorher nichts wusste. Auch Werner hatte dicht gehalten. Ohne ihn hätte ich gerade die ersten Jahre in der Politik nicht geschafft. Ich habe mich über diese Ehrung wirklich sehr gefreut und war wohl auch die erste Grüne im weiteren Umkreis, der eine solche Ehrung zuteil wurde“
„Das zweite Highlight war für mich, dass ich am Friedenstag zum 80-jährigen Kriegsende in Biggleswade als Vertreter des Bürgermeisters eine Rede halten durfte und mir hinterher von vielen gesagt wurde, ich hätte ihnen aus der Seele gesprochen. Das hat mich ganz besonders gefreut“.
Von der Politik wünscht sie sich mehr Wahrhaftigkeit. „Politik und Demokratie kann nur im Konsens stattfinden. Geärgert hat mich zum Beispiel die ganz plötzliche Entscheidung von SPD und CDU, die Sanierung der Ravolzhäuser Straße zu verschieben und die gerade zugesagten 800.000 Euro Fördermittel in den Wind zu schlagen, obwohl dies immer das Argument war, auf jeden Fall der Sanierung zuzustimmen. Auch wir haben uns letztendlich gebeugt und zugestimmt, ohne jetzt vorab über die Meinungsänderung von SPD und CDU informiert zu werden. Das Beispiel zeigt, dass ich mir mehr Wahrhaftigkeit wünsche.“
Beruflich und privat ist Renate Tonecker-Bös mit ihrem Leben zufrieden. „Ich bin immer noch berufstätig, zu zwei Dritteln im Jahr unterwegs. Und ich habe mit der Wahl meines Ehemanns und der Berufswahl die richtigen Entscheidungen getroffen.“
Vorgenommen hat sie sich, etwas mehr zu tun für ihre Fitness.
„Ich kenne so viele in Erlensee und freue mich über fast alle Menschen, sie zu sehen und ja, ich lebe gerne hier“
Herzlichen Glückwunsch zum 70. !
(Das Gespräch führte Markus Sommerfeld)
Foto: Privat
