(iz/ea) – Es war ein CDU-Neujahrsempfang der Superlativen: Zunächst sehr kurzgehaltene Grußworte, im Anschluss daran eine inhaltsvolle Festrede aus dem Stehgreif und zum Schluss ein „flammendes“ Statement.
Zu dieser Bewertung kamen wohl alle rund einhundertzwanzig Gäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, dem sozialen Leben der Stadt Erlensee und der Bürgerschaft, die sich am Sonntagvormittag im kleinen Saal der Erlenhalle versammelt hatten, um gemeinsam mit der Führungsspitze der Erlenseer Christdemokraten das schon angebrochene neue Jahr zu begrüßen.
Nach einer einleitenden Begrüßung durch die Vorsitzende Birgit Behr richteten der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Beier sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig sehr kurz gehaltene Grußworte an das Auditorium und berichteten in wenigen Worten über ihre aktuellen und auch kommenden Aufgaben.

Birgit Behr

Pascal Reddig
Die Kürze ihrer Redebeiträge war wohl auch dem von vielen Anwesenden erwarteten Festvortrag des besonderen Ehrengastes, Prof. Dr. Alexander Lorz (CDU) geschuldet.

Prof. Dr. Alexander Lorz
Der Hessische Minister für Finanzen begann seine gut halbstündige und frei gehaltene Rede mit einem Blick in die politische Weltlage zu Jahresbeginn, die – mit Blick sowohl in den globalen Osten als auch nach Westen – wohl bei den meisten Mitbürgern für einen besorgten Blick auf das angebrochene Jahr geführt habe. Der Krieg in der Ukraine, der hoffentlich bald ein Ende findet, würde nun schon fast vier Jahre und damit so lange wie der 1. Weltkrieg dauern, sagte Lorz; dies hätten viele Mitbürger unter dem Eindruck der täglichen Berichterstattung wohl noch nicht bemerkt. Mit Blick in Richtung USA meinte der Minister, die EU und insbesondere Deutschland sei aufgerufen, hinsichtlich der bröckelnden Garantien Amerikas sowohl im wirtschaftlichen als auch im Sicherheitsbereich Konsequenzen zu ziehen und sich auf die eigenen Möglichkeiten zu konzentrieren.
„Deutschland muss in allen Bereichen unabhängiger werden und wieder eine eigene Souveränität aufbauen“, erklärte der Minister; dies gelte verstärkt für die digitale und die energetische Sicherheit. Die Weltpolitik habe sich in ihrer Praxis ziemlich verändert; die großen Machtzentren würden ihre wirtschaftliche Stärke immer öfter als politisches Druckmittel nach außen hin verwenden, um so die eigenen Ziele zu erreichen. Dies sei ein recht bedenklicher Zustand für die Bundesrepublik, in der nach mehreren Jahren der Flaute nun ein noch recht zartes Ansteigen des Bruttoinlandsproduktes zu erwarten sei. Hier würde, wenn auch recht langsam und verhalten, wieder die Sonne aufgehen, beschrieb es Lorz. „Wir müssen 2026 unsere eigenen Kräfte bündeln und die Wirtschaft wieder anwerfen“, propagierte der Minister. Dies gelte insbesondere für das Bundesland Hessen, dessen Exportwirtschaft immer noch an der schwächelnden Auslandsnachfrage zu knabbern habe. Um hier Bewegung hineinzubekommen, sei es zwingend notwendig, die ins Auge gefassten und teilweise schon begonnenen Projekte der Strukturveränderung, wie etwa Abbau der hinderlichen Bürokratie, mit Volldampf vorangetrieben werden, wobei eine Vielzahl von Beschlüssen bereits umgesetzt werden. Zudem muss auch hinsichtlich des Sozialstaates eine Diskussion mit Blick auf die Zukunft geführt werden. „Der Sozialstaat muss bestehen bleiben“, versicherte Lorz; man müsse sich aber die Frage stellen, wo er geändert werden kann.
Nach dem Redebeitrag des Finanzministers, der hierfür viel Beifall aus der Zuhörerschaft erhielt, ergriff Jannik Marquart als Kreisbeigeordneter des MKK das Schlusswort und hielt eine kurze, aber doch sehr emotionale und flammende Rede, in der er insbesondere die Schulpolitik in der Kommune und im Kreis hervorhob und auf die Bauvorhaben und bereits durchgeführten Projekte einging.

Jannik Marquart
„Besser durchplanen, weniger Geld ausgeben, früher fertigstellen“ waren die Kernpunkte seiner Ausführungen, die auch für die Schulen in Erlensee zu gelten hätten, so Marquart. Am Ende seines oft von viel Beifall unterbrochenen Statements warb er mit Blick auf die Kommunalwahl für die Christdemokraten und forderte alle berechtigten Bürger auf, sich an der kommenden Wahl zu beteiligen.

Dem stimmten alle Gäste zu; sie beteiligten sich aber auch am vielfältigen Small-Talk, zu dem der Veranstalter als Ausklang alle Anwesenden einlud.
Bericht und Fotos: Ingbert Zacharias
