Dieter Jenz schreibt in seinem Leserbrief, die Stadt Erlensee würde maßgeblich dazu beitragen, sich mit der „Kernsanierung Rathaus“ in finanzieller Hinsicht selbst zu erdrosseln.
„Der Haushalt 2026 ist, wie schon der des laufenden Jahres, gelinde gesagt eine Katastrophe.“, so trug es Bürgermeister Erb in seiner Haushaltsrede der Stadtverordnetenversammlung am 18. November 2025 vor. Als Langfassung hätte er auch formulieren können: „Der Haushalt 2026 ist, wie schon der des laufenden Jahres, gelinde gesagt eine Katastrophe, verursacht durch von Bund, Land und Kreis auferlegte Verpflichtungen und auch durch manche Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung, die eine katastrophale Wirkung entfalten.“ Doch so äußerte sich der Bürgermeister natürlich nicht.
Zu den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung mit katastrophaler Wirkung zählt sicherlich die auf den Tag genau vier Jahre zuvor, am 18. November 2021, in der Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen bei zwei Enthaltungen beschlossene Kernsanierung des Rathauses. Aus einem Investitionsansatz von ursprünglich insgesamt 17 Mio. € im Haushalt 2022 (1 Mio. € plus 16 Mio. € Verpflichtungsermächtigungen) wurden mittlerweile stolze 36,5 Mio. €.
Zum Beschlusszeitpunkt wurde davon ausgegangen, dass die Kernsanierung gegenüber Abriss und Neubau die kostengünstigere Alternative darstellt. Dass jedoch eine Sanierung nicht unbedingt zu geringeren Kosten zu realisieren ist als Abriss und Neubau, zeigt als Beispiel das Bauvorhaben des Stadthauses Bruchköbel. Im Zusammenhang mit dem Abriss des bestehenden Gebäudes konnte in Bruchköbel auch gleich das unmittelbare Umfeld neugestaltet werden. Der Neubau wurde im Juli 2022 nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. Das Vorhaben kostete unter dem Strich alles in allem rund 35 Mio. €. Darin sind auch die Kosten für die Tiefgarage, Freianlagen sowie Straßenbaumaßnahmen enthalten.
Im Übrigen ist das Stadthaus Bruchköbel deutlich größer als das Rathaus Erlensee. Meinen Informationen zufolge beträgt die Gesamtfläche des Rathauses Erlensee nach Sanierung und Teilneubau um die 4.000 qm, die des Stadthauses Bruchköbel um die 5.500 qm.
Natürlich lassen sich die beiden Vorhaben, in Erlensee die Sanierung, in Bruchköbel der Neubau, nicht exakt miteinander vergleichen. Es wäre der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Eine Sanierung verlangt selbstverständlich eine völlig andere Planung und Durchführung als ein Neubau. Während der Sanierung können unerfreuliche Überraschungen in Form von zuvor nicht erkennbaren Baumängeln zutage treten, deren notwendige Beseitigung sich selbstredend kostensteigernd auswirkt. Das Kostenrisiko ist naturgemäß bei einer Sanierung ungleich höher als bei einem Neubau und lässt sich zu Beginn meist nicht exakt beziffern. Demgegenüber lässt sich ein Neubau im Hinblick auf Zeit und Kosten strikt durchplanen. Darüber hinaus ist ein Neubau zeitlich in der Regel in kürzerer Zeit zu bewerkstelligen als eine grundhafte Sanierung. Wie dem auch sei, die Stadtverordneten fassten den Beschluss zur Kernsanierung im Bewusstsein dieser Gegebenheiten.
Letztendlich zählt, was unter dem Strich steht. Die Bürgerinnen und Bürger sind schließlich hauptsächlich daran interessiert, wie viel ein zweckdienliches Vorhaben am Ende kostet und was sie für ihr Steuergeld bekommen. Und in dieser Hinsicht schneidet das Vorhaben Kernsanierung des Rathauses Erlensee im Hinblick auf wichtige Kenngrößen, wie beispielsweise die Kosten pro Quadratmeter, schlecht ab. Umgerechnet auf den Quadratmeter musste Bruchköbel nach überschlägiger Berechnung gut 6.300 € investieren, während es in Erlensee etwa 9.100 € sind. Davon abgesehen besteht für das Rathaus Erlensee, wie schon angedeutet, sogar noch ein Kostenrisiko nach oben, denn die Sanierung wird geplant erst nach insgesamt fast vier Jahren gegen Ende 2028 beendet sein.
Noch günstiger konnte übrigens das Rathaus in der 17 km Luftlinie entfernten Gemeinde Mainhausen (Kreis Offenbach, knapp 10.000 Einwohner) innerhalb von etwa zwei Jahren gebaut und im September 2025 feierlich eröffnet werden. Der Neubau mit um die 1.500 qm Gesamtfläche kostete insgesamt rund 7 Mio. €. Umgerechnet auf den Quadratmeter ergeben sich Kosten in Höhe von knapp 4.700 €. Allerdings war kein Abriss erforderlich.
Mit dem Vorhaben „Kernsanierung Rathaus“ trägt die Stadt Erlensee maßgeblich dazu bei, sich in finanzieller Hinsicht selbst zu erdrosseln. Mit anderen Worten: der Weg in den finanziellen Selbstmord! Für Vorhaben in anderen Bereichen, vor allem auch in den Bereichen des sozialen Lebens, bleibt so gut wie kein Geld mehr. Und auch für den Weiterbetrieb des Hallenbades fehlt das Geld.
Höhere Mächte sind es nicht, die Erlensee finanziell an die Wand gedrückt haben und weiterhin drücken. Es sind die Stadtverordneten, die dafür verantwortlich sind. Mit ihren 14 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung (insgesamt 31 Sitze) ist die SPD die stärkste Fraktion und Treiber des Sanierungsvorhabens. Die SPD benötigt lediglich einige Stimmen von CDU und/oder Grünen, um einen Mehrheitsbeschluss herbeizuführen. Die hat sie bisher im Hinblick auf die Kernsanierung des Rathauses immer bekommen.
Jetzt kann aus meiner Sicht die Devise nur lauten: retten was noch zu retten ist! In diese Richtung ging der Haushaltsantrag Nr. 6 des fraktionslosen Stadtverordneten Sascha Schneider, zugleich 1. Vorsitzender der FREIE WÄHLER Erlensee: „Maßnahmen zur Kostenreduzierung der Rathaussanierung“. Der Antrag umfasste eine Reihe sinnvoller Maßnahmen zur Prüfung und Umsetzung, wie beispielsweise „die Reduzierung und Vereinfachung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) im Rahmen der technischen und rechtlichen Mindestanforderungen.“
Der Antrag wurde in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 10. Dezember und dann auch in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 18. Dezember mit großer Mehrheit abgelehnt. Von den anwesenden 27 Stadtverordneten stimmten 2 dafür, 23 dagegen und 2 enthielten sich. Dies bedeutet: auch Stadtverordnete von CDU und Grünen lehnten den Antrag ab.
Was hätte rein sachlich dagegengesprochen, Einsparmöglichkeiten wenigstens zu prüfen? Zumindest ich kann keine stichhaltigen sachlichen Gründe erkennen. Leider wurde die Chance nicht genutzt. In der Konsequenz werden Einsparpotenziale ignoriert. In meinen Augen stellt auch das Ignorieren eine Form von Verschwendung dar.
Die Auswirkungen des desaströs wirkenden Beschlusses zur Kernsanierung des Rathauses werden wir Bürgerinnen und Bürger nach meiner Einschätzung bald zu spüren bekommen – in Form einer weiteren Erhöhung der Grundsteuer. Einer der Gründe dafür ist ein erhöhter Ansatz für Zinsen und andere Finanzaufwendungen, der ab dem Jahr 2027 durchschlägt.
Der Ansatz für Zinsen und andere Finanzaufwendungen liegt im Haushaltsentwurf 2026 noch bei knapp 1,439 Mio. €. Für das Jahr 2029 sind bereits gut 2,170 Mio. € eingeplant, eine Steigerung bis dahin um gut 50 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass rein rechnerisch jeder Einwohner, vom Baby bis zum Greis, im Jahr 2026 knapp 90 € für Zinsen und andere Finanzaufwendungen beisteuert. Im Jahr 2029 werden es bereits etwa 135 € sein. Der vereinfachten Berechnung halber gehe ich von einer Einwohnerzahl von exakt 16.000 Personen aus. Käme es zu keinerlei Gegenfinanzierung, müsste der Hebesatz für die Grundsteuer B nach meiner grob überschlägigen Prognose um etwa 100 Punkte steigen.
Retten was zu retten ist! Die Kommunalwahl am 15. März 2026 gibt allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, mit ihren Stimmen die Weichen künftiger Kommunalpolitik anders zu stellen. Gemeinsam mit 24 weiteren Kandidatinnen und Kandidaten auf der Liste der FREIE WÄHLER stehe ich für einen anderen Kurs in der Kommunalpolitik. Dazu gehört ein solides und nachhaltiges Wirtschaften mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger. Gleichwohl gibt dieser Leserbrief meine persönlichen Einschätzungen und Überzeugungen wieder.
Dieter Jenz
Erlensee
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