Leserbrief: „Was wäre, wenn…?“

Mit der Frage „Was wäre, wenn in Erlensee der Strom ausfällt?“ beschäftigt sich Heinz Hunn in seinem Leserbrief.

Was wäre bei uns in Erlensee, wenn der Strom ausfällt (Technischer Defekt; Ausfall durch Anschlag oder Cyberangriff)? Würden wir dann noch mit Trinkwasser vom Wasserwerk versorgt werden? ist dieses mit einer entsprechenden Notstromanlage ausgestattet, um die Pumpen zu versorgen? Werden dann unsere Wohnungen, auch die in unseren Hochhäusern, Mehrgeschosshäusern, im Altenpflegeheim noch bedient? Steht dann noch Löschwasser in den Hydranten zur Verfügung?

Sind unsere Ärzte und Apotheken noch erreichbar und ist somit die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung noch sichergestellt und ist diese noch betriebsfähig? Wie lange funktioniert noch unser Kommunikationssystem über das Festnetz, werden die Funkmaste unserer Mobilfunksysteme mit Notstrom und wie lange versorgt?  Sind unsere Lebensmittelmärkte noch betriebsbereit, Kassen und Kühlanlagen? Kann von den Solardächern der dann noch erzeugte Strom zur Verfügung gestellt werden oder sollten diese entsprechend nachgerüstet werden?

Wer koordiniert diese Situation? Ist das Rathaus, die Feuerwehr, die Polizei noch arbeitsfähig funktioniert der Digitalfunk weiter? und sind diese erreichbar? Müssen die privaten Router für Telefon und Internet mit Notstrom versorgt werden und sind überhaupt die Technikzentralen von Telefon und Internet noch funktionsfähig? Gibt es in der Stadt Sammelpunkte; Unterkünfte, welche betriebsbereit wären, mit Notstrom, Wasch- und Schlafmöglichkeiten?

Wo sind Leuchttürme als Strominseln vorgesehen? Funktioniert unsere Kläranlage weiter?

Wie wird die Bevölkerung informiert? Gibt es einen dafür vorgesehenen UKW- Sender und wenn ja mit welcher Frequenz. Sind unsere Sirenen mittlerweile für alle Signaltonfolgen für den Not- und den Krisenfall nachgerüstet inkl. Notstromversorgung für mehr als für 15 Alarmierungen..

Folgende Situationsbeschreibung fürs Telefonieren konnte ich er halten: Bei heutigen IP-Anschlüssen hingegen wird das Telefon vollständig über die Internetverbindung geführt. Das bedeutet, dass Stromausfälle nicht nur die Fritzbox betreffen, sondern auch den Verteiler Ihres Anbieters und die aktive Glasfaser- oder DSL-Technik in Ihrem Gebäude oder Straßenzug. Nur wenn diese Netzkomponenten ebenfalls unterbrechungsfrei versorgt sind, bleibt die Verbindung bestehen. In vielen Fällen ist das nicht garantiert. Kurz zusammengefasst können Sie also bei einem Stromausfall telefonieren, wenn Ihre Fritzbox stabil mit Notstrom läuft und der Netzbetreiber seine Technik ebenfalls durchgehend versorgt. In der unmittelbaren Praxis ist daher eine USV sinnvoll, aber sie garantiert allein die Verbindung nicht, wenn die Infrastruktur im Umfeld ebenfalls stromlos wird.

Da ich davon ausgehe, dass keine durchgängige Notstromversorgung im mittlerweile flächendeckenden IP Netz gewährleistet ist, sehe ich nur die Möglichkeit, die kritische und wichtige Infrastruktur wieder über das noch in jedem Haushalt vorhandene Kabelnetz wieder in soweit zu aktivieren, dass die kritische Infrastruktur wieder mit analogen Telefonanschlüssen zu versorgen und mit den entsprechenden analogen Fernsprechern (Nottelefon) auszurüsten und diese wieder entsprechend aus den Vermittlungsstellen zu bedienen. Noch sollte und könnte die Technik vorhanden sein. Auch das Internet würde über das Kabel weiter funktionieren und noch verfügen die handelsüblichen Router mit den klassischen und mit den LWL-Anschlüssen. Somit wäre zumindest eine Grundinfrastruktur zur Kommunikation mit übersichtlichem finanziellem Aufwand sichergestellt. (Ärzte, Apotheken, Polizei, Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz, Rathäuser, Kreisverwaltung, Bauhöfe, Kindertagesstätten; Schulen,) Die Kommunikationsnetze der Kreisverwaltung, Schulen, Rathäuser sind mittlerweile weitgehendst basierend auf IP Technik gestützt und mit ihren erforderlichen Komponenten nicht mit Notstrom versorgt. Dies gilt es entweder nachzurüsten bzw. entsprechend zu beachten. Für mich stellt sich auch die Frage, ob für das neue Rathaus und mit seinen neuralgischen technischen Einrichtungen eine Notstromversorgung vorgesehen ist.

Damit Arztpraxen weiter arbeitsfähig blieben, müssten diese für ihre Betriebsbereitschaft EDV und Partientenauskunft und deren Krankheitsdatei mit den notwendigen USV- Anlagen ausgerüstet werden. Apotheken arbeiten mittlerweile auch hochtechnisiert und müssten an ihren Kassen und Bestellsystemen entsprechend ausgerüstet werden Kitas und Schulen kommen heute in der Regel auch nicht mehr ohne EDV aus, das Telefon und die Kommunikation ist fast ausschließlich auf IP-Technik basierend. Auch hier gäbe es Handlungsbedarf.

Ein empfindliches Thema des zivilen Bevölkerungsschutzes, welcher präventiv zu lösen eine Stange an Geld und Initiative kosten wird und ggfs. aus den vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel für Zivil und Katastrophenschutz finanziert und investiert gehört.

Heinz Hunn
Erlensee

 

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