Sascha Schneider nimmt in seinem Leserbrief Bezug auf die Pressemitteilung der Stadt Erlensee „Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Sandweg lädt zum Lichterfest“
Ich bin kein Mitglied der Kirche. Doch in meiner Kindheit war es selbstverständlich, dass wir den 11. November als Martinstag feierten. Wir bastelten Laternen, sangen Lieder und hörten die Geschichte von Martin, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Es war kein religiöses Ritual, sondern eine einfache, eindrückliche Lektion in Mitgefühl und Menschlichkeit.
Heute nennen viele Kindertagesstätten und Schulen dieses Fest nur noch „Lichterfest“. Der Name „Martinstag“ verschwindet – aus Rücksicht auf religiöse Vielfalt, heißt es. Das Anliegen mag ehrenwert sein, doch der Verlust ist spürbar. Denn mit dem Namen verschwindet auch der Inhalt, der diesem Tag Sinn und Tiefe gab.
Die Geschichte des Hl. Martin ist keine rein kirchliche, sondern eine menschliche. Sie erzählt von Wärme, Solidarität und der Verantwortung füreinander – Werte, die gerade heute wichtiger sind denn je. Wenn wir aus Angst, jemanden zu verletzen, unsere eigenen Traditionen entleeren, verlieren wir ein Stück kultureller Identität und vor allem: einen Anlass, Kindern echte Werte zu vermitteln.
Ein „Lichterfest“ ohne Martin ist wie ein Laternenumzug ohne Licht.
Darum sollten wir den Mut haben, den Martinstag auch weiterhin beim Namen zu nennen – nicht aus religiösem Eifer, sondern aus Respekt vor unserer Geschichte und den Werten, die sie uns lehrt.
Sascha Schneider
Erlensee
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