(ms/ea) – Die Reihe der Interviews zur Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 in Erlensee wird heute mit Bürgermeister Stefan Erb (SPD), der sich erneut als Kandidat zur Verfügung stellt, fortgesetzt.
Über welche Themen machen sich Ihrer Einschätzung nach derzeit die Bürgerinnen und Bürger von Erlensee am meisten Sorgen, bezogen auf Erlensee?
Zum einen über die finanzielle Schieflage, die offensichtlich ist. Dann über die Themen Hallenbad und Grundsteuererhöhung sowie Abbau von Leistungen. Generell gibt es die Sorge „Was wir uns in Zukunft noch leisten können“. Darüber hinaus die Forderung nach weniger LKW im Stadtbild, insbesondere in Seiten- und Nebenstraßen und, dass in Erlensee Fahrradfahren wenig attraktiv ist aufgrund oft zugeparkter Wege.
Wie wollen Sie die Sorgen mildern oder beseitigen?
Wir sind in Erlensee gut aufgestellt durch unser Wachstum. Die Saat ist gesät und es kommt auch die Zeit der Ernte. Die Bevölkerung ist enorm gewachsen, neue Gewerbe wurden und werden angesiedelt.
Mit der Ansiedlung von Harry Brot und Google werden wir die ohnehin steigenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer noch weiter steigern. Erlensee ist fit für die Zukunft – weil wir in sie investiert haben.
Außerdem haben wir genügend KiTa-Plätze, und haben auch ansonsten enorme Investitionen getätigt, darunter die Sanierung der Feuerwehrhäuser, der Radwegeausbau im Bereich Anne-Frank-Straße und am Toom-Baumarkt. Mit dem geplanten Test, in der Friedrich-Ebert-Straße und der Bogenstraße eine Einbahnstraßenregelung einzuführen, sorgen wir auch für mehr Raum für Fahrradfahrer.
Gibt es noch Hoffnung für das Hallenbad? Wenn nicht, was sollte dann mit dem Grundstück geschehen?
Ich bin bedingt zuversichtlich, dass der Förderverein die Aufgabe stemmen kann. Wenn ein Weiterbetrieb realistisch erscheint, werde ich diesen unterstützen.
Zum Grundstück gib es keine Pläne, zumal die danebenstehende Erlenhalle die Nutzung einschränkt. Wohnen ist dort nicht vorstellbar, ein Ärztezentrum wäre zum Beispiel möglich.
Was fehlt Ihrer Meinung nach in Erlensee?
Wie auch an anderen Orten schwächelt der Einzelhandel. Treffpunkte in der Stadtmitte, Gastronomie und die Ansiedlung von Fachärzten sind mehr als wünschenswert. Das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene, sog. Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) sieht diese Punkte vor. Darüber besteht also bereits Konsens.
Thema „Verkehrskonzept“: Die Vorfahrtsregelungen in der Langendiebacher Straße, die zukünftige Einbahnstraßen-Regelung in der Friedrich-Ebert-Straße sind zwei von zahlreichen Themen, die oft kritisiert werden. Wie stehen Sie dazu und wo sehen Sie Handlungsoptionen?
In der Langendiebacher Straße machen die dort verlaufenden Busrouten die Vorfahrtsregelung erforderlich, damit der ÖPNV funktioniert. Ich sehe keine Handlungsfelder, wir haben aber ständig Konzepte im Blick, um zum Beispiel die Stadt insbesondere auch fahrradfreundlicher zu gestalten. Das tun wir erwiesenermaßen immer, wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben, z.B. im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen.
Verkehrsmaßnahmen nach Einzelbedürfnissen kann es nicht geben, dies käme der Quadratur des Kreises gleich.
Wie beurteilen Sie die Kriminalitätsbelastung? In Erlensee und in Bruchköbel sind die bisherigen Polizeiposten weggefallen, das Polizeipräsidium Südosthessen hat eine neue Sicherheitsstruktur geschaffen. Bürgermeisterin Sylvia Braun kritisierte kürzlich bei einer Veranstaltung in Bruchköbel, dass Hanau mit seinem neuen Polizeirevier als Leuchtturm wahrgenommen werde, man solle aber die Region im Schatten des Leuchtturms nicht vernachlässigen. Was sagen Sie dazu?
Die Kriminalität in Erlensee ist unauffällig. Die entsprechenden Zahlen sind laut Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums rückläufig, was auch von Seiten des Präventionsrates rückgemeldet wird.
An der hervorragenden Zusammenarbeit mit der Polizei wird sich nichts ändern, weil wir die Schutzfrau vor Ort, Julia Koch, behalten werden und im neuen Rathaus eine mobile Wache einrichten werden.
Zur neuen Sicherheitsstruktur lässt sich sagen, dass die geringe Anzahl der Streifen schon lange bemängelt wird. Dies hat allerdings nichts mit der neuen Struktur zu tun, sondern hängt mit der Personalpolitik des Landes zusammen. Schon lange werden mehr Streifen gefordert, vom Land wurde hierzu eine Evaluierung zugesagt.
Zitat: „Erlensee hat keine Innenstadt“ – Was sagen Sie dazu?
Wie bereits erwähnt, hat die Stadtverordnetenversammlung ein „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept – ISEK“ verabschiedet. Am vergangenen Donnerstag hat die Stadtverordnetenversammlung zudem auf Vorschlag des Magistrats für dieses Gebiet eine sogenannte Vorkaufsrechtssatzung erlassen. Mit diesem Beschluss kann die Stadt sich zum Verkauf anstehende Flächen sichern, wenn der eigentliche Käufer mit seinem Projekt nicht den Vorgaben des ISEKs – also den dort definierten Zielen wie z.B. Gastro-Angebot usw. – folgt. Ohne diese neue Satzung hätten wir da keinen Einfluss.
Der Einzelhandel ist auf dem Rückzug. Wo sehen Sie Möglichkeiten, hier Verbesserungen herbeizuführen? Wie sieht Ihr Konzept bezüglich Wirtschaftsförderung aus?
Der Rückzug trifft auf die allermeisten Kommunen zu. Mit dem ISEK widmen wir dem Einzelhandel viel Raum und unterstützen diesen. Ebenso natürlich Initiativen einzelner Gewerbetreibender. Zudem gibt es runde Tische mit der IHK, Wirtschaftsjunioren und den Gewerbetreibenden. Hier bleiben wir im Austausch und fragen Bedarfe ab. Leider gibt es keinen Gewerbeverein und somit keinen Erlenseer Sonntag mehr.
Wirtschaftsförderung hat viele Facetten. Dazu gehört auch der in Kürze anstehende Glasfaserausbau für das komplette Stadtgebiet, und ich meine damit nicht nur die Gebiete, die aktuell von der Breitband Main-Kinzig GmbH angegangen werden, sondern tatsächlich die Versorgung des gesamten Stadtgebietes bis spätestens Ende 2027.
Kommen wir um weitere Steuererhöhungen herum?
Wenn die geschaffenen Voraussetzungen und Prognosen eintreffen sowie die versprochenen Entlastungen von Land und Bund umgesetzt werden, ja. Denn dort liegt die Ursache, den Kommunen werden mehr Aufgaben auferlegt, bekommen aber gleichzeitig weniger finanzielle Mittel.
Was würden Sie im Falle Ihrer Wahl als Erstes anpacken?
Ich freue mich, die laufenden Projekte fortsetzen zu können. Gleichzeitig möchte ich die neuen Wege der Bürgerbeteiligung weiter ausbauen und bei der Kinderbetreuung den Spitzenplatz von Erlensee im Main-Kinzig-Kreis erhalten, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für junge Familien unser oberstes Ziel bleiben muss – wenn eine Stadt für einen Lebensbereich Verantwortung, dann dafür.
Was zeichnet besonders Sie aus oder anders ausgedrückt: Warum sollen die Wählerinnen und Wähler gerade Sie wählen?
Für mich ist Bürgermeister der schönste Beruf der Welt, den ich mit Freude ausfülle. Ich behaupte, dass ich die Voraussetzungen mitbringe, die Erfolge der vergangenen Jahre für sich sprechen und ich alles andere als amtsmüde bin.
(Die Fragen stellte Markus Sommerfeld)