(ms/ea) – Viele spielen aktuell mit dem Gedanken, sich bei der Bundeswehr zu bewerben, entweder als langjähriger nichtaktiver Reservist oder als Ungedienter. Welche Möglichkeiten es hier in der Region gibt, darüber hat Erlensee Aktuell mit Oberstleutnant a.D. Christian Keimer gesprochen.
Oberstleutnant a.D. Christian Keimer war 18 Jahre lang Tornadopilot bei der Luftwaffe, kann mehrjährige Auslandserfahrungen in Europa, USA und Afghanistan sowie Einsatzerfahrungen unter anderem im Bereich Internationale Stäbe der NATO vorweisen. Außerdem ist er Vorsitzender der Landesgruppe Hessen im Reservistenverband der Deutschen Bundeswehr und damit der kompetente Ansprechpartner für an der Bundeswehr Interessierte im hiesigen Raum.
Erlensee Aktuell: Herr Oberstleutnant, es gibt in der Region um Erlensee nicht mehr viele Kasernen, die Bundeswehr ist hier praktisch aus dem Sichtfeld verschwunden. Die aktuelle weltpolitische Lage ist bekannt, viele haben ihr Interesse an der Bundeswehr entdeckt. Wohin können sie sich wenden?
OTL Keimer: Das für Hessen verantwortliche Heimatschutzregiment 5 untersteht der Heimatschutzdivision. Es umfasst 1.200 Dienstposten, welche auf bis zu acht Kompanien aufgeteilt sind. Im Schwerpunkt besteht es aus Reservistendienstleistenden, die von aktiven Zeit- oder Berufssoldaten unterstützt werden.
Interessenten können sich beim Streitkräfteamt mit der E-Mail-Adresse: SKAbuResArbHEUngediente@bundeswehr melden. Die Freiwilligen müssen zwischen 18 und 57 Jahren alt sein. Sie werden einem gesundheitlichen Check und einem Sicherheitscheck durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) unterzogen, um das Einrücken von Extremisten zu vermeiden.
Am Beginn steht eine zweiwöchige militärische Grundausbildung in Vollzeit, die auch Abende und Wochenenden einschließt. Die Ausbildung zum Heimatschutzsoldaten unterscheidet sich zwischen Reservisten und Ungedienten, da erstere bereits eine Vorausbildung besitzen. Nach der Ausbildung erfolgt das Gelöbnis und anschließend die Beorderung zum Truppenteil. Danach ist man zur Reserve zugehörig.
Erlensee Aktuell: Welche Einsätze kommen für einen Heimatschutzsoldaten in Frage?
OTL Keimer: Da wäre zum Beispiel die Sicherung und Unterstützung von Truppen, die sich auf dem Marsch von Westen in Richtung Osten befinden. Gerade unser Bundesland Hessen wird dann eine Drehscheibe in Deutschland sein für diese Truppenbewegungen. Beispielsweise werden die Truppen an einem Convoy Support Center, was in etwa einem militärischen Rastplatz entspricht, unter anderem mit Verpflegung, Treibstoff und Instandsetzungsarbeiten versorgt. Außerdem müssen diese entsprechend bewacht und geschützt werden. Dies gilt sowohl für die Straße als auch für die Schiene.
Der Objektschutz ist ein weiteres Einsatzgebiet für Heimatschutzsoldaten.
Erlensee Aktuell: Welche Möglichkeiten gibt es, sich quasi vor Ort zu engagieren?
OTL Keimer: Eine Verwendungsmöglichkeit für Reservisten bietet auch ein Kreisverbindungskommando, wie zum Beispiel im Main-Kinzig-Kreis. Es stellt die Verbindung zwischen Landrat und Bundeswehr sicher, um zum Beispiel bei Schadenslagen Unterstützung entsprechend anzufordern und zu steuern.
Außerdem kann sich jeder Reservist in der freiwilligen Reservistenarbeit engagieren. Adressen und Infos findet man unter https://www.reservistenverband.de/hessen/.
Erlensee Aktuell: Vielen Dank für das Gespräch
Die Fragen stellte Markus Sommerfeld
Foto: Benjamin Thoran
