KOMPASS-Sicherheitssiegel an Bruchköbel verliehen

(ms/ea) – Am Donnerstag wurde der Stadt Bruchköbel im Rahmen einer Feierstunde das „KOMPASS“-Sicherheitssiegel des Landes Hessen verliehen. Überreicht wurde die Auszeichnung im Stadtverordnetensaal von Innenminister Roman Poseck an Bürgermeisterin Sylvia Braun.

KOMPASS (KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel) ist ein Angebot des Hessischen Innenministeriums an die Städte und Gemeinden. Ziel des Programms ist es, die Sicherheitsarchitektur in den Kommunen individuell weiterzuentwickeln und passgenaue Lösungen für Probleme vor Ort zu entwickeln. Dabei soll Bestehendes auf den Prüfstand gestellt und eine detaillierte Maßnahmenliste erstellt werden, wie die Sicherheit vor Ort weiter verbessert werden kann. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Prävention. Von grundlegender Bedeutung ist, dass alle Partner, die Aufgaben im Bereich der Sicherheit wahrnehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger an einen Tisch geholt werden.

Zu der Veranstaltung konnte Bürgermeisterin Sylvia Braun neben Innenminister Poseck unter anderem die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Südosthessen, Anja Wetz, den Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, Martin Nickl, die Leiterin der Polizeistation Langenselbold, Anette Kunst, den Leiter des Stabsbereichs Prävention, Marc Sachs, die Schutzfrau vor Ort, Silke Rübmann sowie die Bruchköbeler Ortspolizeibeamten und weitere Vertreter der Kommune und der Polizei begrüßen.

Die Bürgermeisterin betonte, dass mit der Verleihung des Siegels die Vorbereitungen zwar abgeschlossen seien, aber diese gleichzeitig eine Herausforderung für die Zukunft darstelle, um KOMPASS nun weiter zu leben. Sie ließ kurz die Vorarbeiten vom Beschluss der Stadtverordnetenversammlung bis zum heutigen Tag Revue passieren:

2019 fasste die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss auf Anregung der damaligen Stadtverordneten Sylvia Braun, dem KOMPASS-Programm beizutreten, 2022 erfolgte die Beschlussfassung durch den Magistrat. In der Zeit der Pandemie seien der Präventionsrat gegründet und erste Maßnahmen umgesetzt worden.

Ein Beispiel der umgesetzten Maßnahmen und auch ein Beispiel der deutschen Bürokratie führte sie bei der Beseitigung eines von den Bürgern genannten Angstortes an. Nach der Begehung einer als zu dunkel beschriebenen Unterführung wurde deutlich, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Die Anbringung von zusätzlicher Beleuchtung sollte kurzfristig möglich sein und Abhilfe schaffen. Allerdings war die Unterführung im Besitz von Hessen Mobil, so dass zunächst eine Gestattungsvereinbarung getroffen werden musste, was letztlich einige Monate dauerte.

Hier sprach sie ihren ausdrücklichen Wunsch an, bei der Weiterentwicklung von KOMPASS möglichst weitere Behörden zu beteiligen, um die gesamte Arbeit zu entbürokratisieren.

Nach der Umsetzung zahlreicher Maßnahmen und der erfolgten Sicherheitsanalyse steht somit heute die Verleihung des KOMPASS-Siegels an, welches die Stadt Bruchköbel nun als KOMPASS-Kommune auszeichnet. Dass dies gelingen konnte, dafür sprach die Bürgermeisterin dem Kompetenzteam und allen Beteiligten, insbesondere der Schutzfrau vor Ort, Silke Rübmann, ihr großes Dankeschön aus.

Zur kürzlich umgesetzten neuen Sicherheitsstruktur für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis merkte sie an, dass der Umzug der bisherigen Station Hanau II nach Langenselbold, welche nun als Polizeistation Langenselbold firmiert, und der Schaffung des Polizeireviers Hanau auch Veränderungen für Bruchköbel mit sich bringe.

Sie hob hervor, dass die Themen Verfügbarkeiten im Schichtdienst bei der Landespolizei bekannt seien und damit auch Bedeutung und Aufgaben für die Kommunalpolizei steigen würden, während das neu geschaffene Polizeirevier Hanau verstärkt worden sei. Dieses bekomme als Leuchtturm mehr Aufmerksamkeit und stehe im Rampenlicht, man dürfe aber bei dieser neuen Struktur nicht weniger dafür aufmerksam sein, was im Schatten des neuen Polizeireviers, also in der Region, passiere, wie sie ausdrücklich betonte.

Als zukünftige Aufgaben sprach sie ein Verbot von Lachgas an, hier forderte sie ein landesweites oder auch bundesweites Verbot. Weiterhin nannte sie die Poserszene, die kürzlich in Bruchköbel für negative Schlagzeilen sorgte. Hier forderte sie stärkere Präsenz der Landespolizei – auch unter den beschriebenen Auswirkungen der neuen Sicherheitsstruktur, um zu zeigen, es könne nicht jeder einfach das machen, was er wolle. Dies sei auch ein wichtiges Thema im Sicherheitsempfinden der Bürger.

Innenminister Poseck sprach sein großes Dankeschön aus für die geleistete Arbeit zur Erlangung des Sicherheitssiegels, welches nun zum 47. Mal in Hessen verliehen werde. Bruchköbel gehöre zu den ersten Kommunen, mittlerweile bewerben sich 400 Kommunen um das Siegel.

Die sichtbaren Erfolge seien ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten. Es gehe bei KOMPASS aber auch um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, welches oft zu Angst und Verunsicherung führe, auch wenn die objektive Sicherheitslage und die subjektive Wahrnehmung weit auseinanderklaffe. Hier setze KOMPASS an und es gebe in Bruchköbel bereits Erfolge nachzuweisen.

Zur von Bürgermeisterin Sylvia Braun angesprochenen Problematik der neuen Sicherheitsstruktur und deren Auswirkungen auch auf Bruchköbel meinte der Innenminister, dass es noch zu früh sei, um Bilanz zu ziehen. Sollte Verbesserungsbedarf bestehen, stehe er und das Polizeipräsidium für einen offenen Dialog immer zur Verfügung.

Als unerfreuliche Entwicklung bezeichnete er abschließend noch die erfolgten Absagen von Großveranstaltungen aufgrund der zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen, wie kürzlich auch bei der Absage der Veranstaltung Kinzigtal total. Er forderte hier, mit Augenmaß und Pragmatismus vorzugehen, ohne die Augen vor der angespannten Sicherheitslage zu verschließen.

In einem Erlass werde geregelt, dass bei Veranstaltungen mit weniger als 5000 Teilnehmern täglich in der Regel keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien, erst ab 15000 Teilnehmern seien beispielsweise Zufahrtssperren nötig.

Polizei-Vizepräsidentin Anja Wetz betonte in ihrem Grußwort, dass in Bruchköbel vorbildliche Arbeit geleistet wurde, um KOMPASS-Stadt zu werden. Sie betonte, dass bereits davor mit der Präventionsarbeit begonnen worden sei. Das Polizeipräsidium sei sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Stadt Bruchköbel. Die heutige Verleihung des KOMPASS-Siegels sei der Beginn, die Zusammenarbeit und die Pflege der Netzwerke weiter zu vertiefen.

Auf dem Titelfoto (v.l.): Polizei-Vizepräsidentin Anja Wetz, Bürgermeisterin Sylvia Braun und Innenminister Roman Poseck

Bericht und Foto: Markus Sommerfeld

 

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