(pm/ea) – Die Getreideernte ist gestartet, somit hat die schönste aber auch arbeitsintensivste Jahreszeit für die Ackerbauer begonnen und es kann das Ergebnis – je nach Kultur – von einem Jahr Arbeit eingefahren werden. Das diesjährige Erntegespräch hat auf dem Hof der Familie Müller auf dem Weidenhof in Wächtersbach-Neudorf stattgefunden.
Zusätzlich zu den Vertretern der Presse durfte der Kreisbauernverband Main-Kinzig e. V. (KBV) den Regionalleiter der Raiffeisen Waren GmbH, Jens Pleger, den Abteilungsleiter aus dem Landwirtschaftsamt Henrik Held, sowie weitere Vorstandsmitglieder begrüßen.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und Begrüßung durch den Vorsitzenden Mark Trageser, übergibt er das Wort an seine Stellvertreterin Anke Eyrich, die über die bisherigen Ernteergebnisse für den Altkreis Hanau berichtet. Das Jahr hat trocken gestartet, der Regen, der zwischenzeitlich kam hat punktuell geholfen, in der Abreifephase war es jedoch wieder sehr trocken. Aus diesem Grund werden auf leichte Böden eher unterdurchschnittliche, höchstens jedoch durchschnittliche Erträge erwartet. Ebenfalls das Grünland und die Heuernte haben durch die lange Trockenheit gelitten, die Erträge liegen hier teilweise deutlich unter dem letzten Jahr. Trotz guter Starbedingungen zeigen Mais und Kartoffeln ebenfalls Hitzeschäden auf. Der Spargel hat etwas später gestartet und hatte eine konstante Ertrags- und Abnahmesituation. Die Erdbeersaison hatte einen guten Start mit guten Erntebedingungen und guten Mengen, die Erzeuger freuten sich über eine stabile Anzahl an Selbstpflücker. Niederschläge und hohe Temperaturen im Verlauf der Saison führten jedoch zu Qualitäts- und Mengeneinbußen. Im Zusammenhang zu den Sonderkulturanbau in Deutschland wird die aktuelle Diskussion zur Erhöhung des Mindestlohns angesprochen und die Sorge der Landwirte, durch Konkurrenz mit wesentlich niedrigeren Löhnen, beispielsweise im osteuropäischen Ausland, die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verschlechtern und somit weitere Lebensmittel nicht mehr regional anbieten zu können.
Aus dem Altkreis Schlüchtern berichtetet das Vorstandsmitglied Richard Uffelmann. Bei der nahezu abgeschlossenen Ernte der Wintergerste machten sich Qualitätsunterschiede bei den Erträgen deutlich, je nach Zeitpunkt der Aussaat, da im letzten Herbst es zeitweise sehr nass war. Je nach Bodenbeschaffenheit hat auch hier die Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen. Herr Uffelmann kommentiert an dieser Stelle sein Unverständnis, dass gerade bessere Böden, die auch die Trockenphasen besser bewältigen, zu oft versiegelt werden für Wohn- oder Gewerbezwecke beispielsweise. Abschließend berichtet er von zwei zufriedenstellende Schnitte beim Grünland, ähnlich wie im Altkreis Hanau ist der Ertrag beim Heu deutlich geringer als im letzten Jahr.
Im Altkreis Gelnhausen, so Trageser, verhalten sich die Ergebnisse bisher ähnlich zu denen im Altkreis Hanau.

Auf Anfrage der Presse wird etwas näher zur Verwendung des Grünlands eingegangen und worauf zu achten sei bei der unterschiedlichen Nutzung. In diesem Zusammenhang wird über politischen Anforderungen und Vorgaben kurz diskutiert, besonders im Zusammenhang zur bestehenden Düngeverordnung.
Ergänzend zu den Ernteergebnissen und -prognosen erklärt Herr Pleger etwas zu den Abläufen und Preisentstehungen im Agrarhandel. Bei der Preisfindung spielen viele externe Faktoren wie Nachrichten oder weltpolitische Ereignisse eine große Rolle. Die Entscheidung eines Landwirts seine Ernte vorzeitig zu verkaufen, gleicht einem Aktienhandel, da keiner mit Gewissheit die Preisentwicklung vorhersagen kann. Hinzu kommt die damit verbundene Verpflichtung nicht nur bestimmte Mengen, sondern auch entsprechende Qualitätsvorgaben einzuhalten. Dies wird jedoch stückweise erschwert, da zusätzlich zu den fachlichen auch politische Vorgaben beachtet und eingehalten werden müssen, die jedoch in der praktischen Umsetzung nicht immer sinnvoll und zielführend sind.
Solche politische Vorgaben, zusätzlich zu einer hohen Arbeitsbelastung, ergänzt Herr Wacker, stellvertretender Vorsitzender, führen dazu, dass es stets schwieriger wird Arbeitskräfte und Nachfolger für die Betriebe zu gewinnen.
Abschließend wird nochmals um Verständnis gebeten in den kommenden Wochen, dass es auch abends oder an Wochenenden aufgrund der Ernte mal lauter und länger werden kann. „Unser Beweggrund hierfür ist unsere Ernährungssicherung“ so Mark Trageser.
Fotos: PM
