(pm/ea) – Die Zahl der im Jahr 2024 polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 13.859 gesunken (2023: 13.895). Auch die Anzahl der Schwerverletzten reduzierte sich von 392 auf 355. Umso bedauerlicher ist jedoch, dass 25 Menschen (2023: 19) bei Verkehrsunfällen ihr Leben verloren haben.
Unter den Verkehrstoten befanden sich sieben Fußgängerinnen und Fußgänger sowie vier Radfahrerinnen und Radfahrer und damit insgesamt elf sogenannte „schwächere Verkehrsteilnehmer“.
Acht der tödlichen Verkehrsunfälle ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften, 15 auf den außerhalb gelegenen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie zwei auf den Autobahnen.
Hauptunfallursachen
Zum wiederholten Mal liegen die Hauptunfallursachen bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden in der überhöhten oder nicht angepassten Geschwindigkeit, der Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren sowie dem zu geringen Abstand. Verkehrsunfälle bei denen die Ursache mit überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit angegeben ist, sanken von 1.131 auf 1.035. Erfreulicherweise ging auch die Zahl der Schwerverletzten in diesem Zusammenhang von 100 im Jahr 2023 auf 90 im Jahr 2024 zurück. Dennoch verloren insgesamt zehn Menschen ihr Leben bei Unfällen, die mit überhöhter Geschwindigkeit in Verbindung standen – im Vorjahreszeitraum waren es sechs.
Kinder und Jugendliche
Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern liegt mit 240 nahezu auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Hingegen war bei der Unfallbeteiligung von Jugendlichen ein leichter Anstieg von 211 auf 225 zu verzeichnen.
Erfreulicherweise ist auch im vergangenen Jahr weder ein Jugendlicher noch ein Kind infolge eines Verkehrsunfalls verstorben. Polizeibeamtinnen und -beamte führten auch in diesem Jahr schwerpunktmäßig Gurt- sowie Fahrradkontrollen im Bereich von Schulen und Kindergärten durch. Dabei zeigte sich, dass nicht alle Kinder in den Autos ihrer Eltern vorschriftsmäßig ge-sichert waren und nicht alle mit einem verkehrssicheren Fahrrad unterwegs gewesen ist. Be-sondere Aufmerksamkeit richten die Einsatzkräfte auch auf die sogenannten „Eltern-Taxis“, da Eltern beim Bringen und Abholen ihrer Kinder häufig für gefährliche Verkehrssituationen sorgen. Zudem beteiligt sich das Polizeipräsidium Südosthessen auch an den Aktionen „Blitz für Kids“ und führt zusätzlich eigenständig Geschwindigkeitskontrollen durch, um so für mehr Verkehrssicherheit vor den Schulen und Kindergärten zu sorgen.
Fußgänger
Im Jahr 2024 waren Fußgänger bei 335 Unfällen beteiligt, was nahezu dem Vorjahreswert von 336 entspricht. Bei diesen Unfällen erlitten 48 Personen schwere Verletzungen, was einen Rückgang von 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Insgesamt erlitten 223 Ver-kehrsbeteiligte leichte Verletzungen und 6 Personen verstarben infolge eines Unfalls. Unfälle, bei denen Fußgänger beteiligt waren, machen rund 2,4 Prozent des gesamten Unfallaufkom-mens aus. Die Hauptursache lag dabei im Fehlverhalten der Fußgängerinnen und Fußgängern selbst.
Andererseits verhalten sich Fahrzeugführende, darunter auch Radfahrende, gerade an Fußgängerüberwegen oft nicht korrekt. „Es ist klar geregelt, dass die Nutzerinnen und Nutzer von Fußgängerüberwegen Vorrang haben und nicht gefährdet werden dürfen. Fahrzeuge, auch Fahrräder, müssen anhalten, um ein Überschreiten der Straße an Fußgängerüberwegen zu ermöglichen,“, betont der Leiter der Abteilung Einsatz, Marco Weller. Auch im Jahr 2025 wird ein besonderes Augenmerk auf die „Schwächeren Verkehrsteilnehmer“ gelegt.
Fahrradunfälle
Der Trend zum Fahrrad setzte sich auch im Jahr 2024 fort – immer mehr Menschen entschieden sich, vermehrt das Fahrrad oder ein sogenanntes Pedelec zu nutzen. Pedelecs sind elektrisch unterstützte Fahrräder, die eine Geschwindigkeit von bis zu 25 Stundenkilometer erreichen können.
Im Bereich der Fahrradunfälle konnte ein deutlicher Rückgang auf 533 Unfälle (-83) verzeichnet werden. Einen Anstieg gab es jedoch bei den Unfällen mit Pedelecs: Hier stieg die Zahl aus dem Vorjahr von 110 auf 135 Unfälle. Zwei Pedelec-Fahrer verunglückten dabei tödlich, weitere 19 Personen erlitten schwere Verletzungen.
Elektrokleinstfahrzeuge (E-Scooter)
Bereits im zweiten Jahr in Folge erfasste die Polizei die E-Scooter gesondert in der polizeilichen Unfallstatistik. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Unfälle von 91 auf 113, was einen Zuwachs von rund 24 Prozent ausmacht. Dabei verunglückten 91 Menschen, zehn von ihnen erlitten schwere Verletzungen. In über 60 Prozent der Fälle setzten die Nutzerinnen und Nutzer selbst die Hauptunfallursache. Häufigste Ursachen waren mangelnde Verkehrstüchtigkeit, Fehler beim Einfahren in den Fließverkehr sowie Missachtung von Vorfahrt- bzw. Vorrangregeln. Das Verletzungsrisiko bei den Nutzenden ist nicht unerheblich, da diese oftmals nur unzureichend geschützt unterwegs sind.
Zweiräder
Bei Unfällen mit motorisierten Zweirädern, zu denen Mofas, Fahrräder mit Hilfsmotor, Klein-krafträder bis 45 km/h, Leichtkrafträder bis 125 ccm, Motorräder über 125 ccm sowie seit 2022 die Elektro-Kleinstfahrzeuge zählen, ist ein leichter Anstieg von 441 auf 472 (+ 31) zu verzeichnen. Hierbei verloren drei Zweiradfahrer ihr Leben (Vorjahr: vier), 66 (-7) wurden schwer und 307 (+45) leicht verletzt. In dieser Unfallkategorie liegen die Hauptunfallursachen in der nichtangepassten oder überhöhten Geschwindigkeit, mangelnder Abstand und Fehler beim Überholen.
Unfälle unter dem Einfluss von Alkohol und / oder anderer berauschender Mittel: Größter Anteil davon Alkoholunfälle
Bei den Verkehrsunfällen unter dem Einfluss von Alkohol und / oder anderer berauschender Mittel ist ein Rückgang auf 443 (2023: 475) zu verzeichnen. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass die Unfälle mit Personenschaden um 17,86 Prozent zurückgegangen sind. Bei 327 dieser Unfälle war Alkohol im Spiel, hierbei starben drei Menschen und 14 erlitten schwere Verletzungen.
Im Berichtsjahr 2024 leitete die Polizei zudem insgesamt 1.595 Verfahren (538x Alkohol, 964x berauschende Mittel und 93x Mischkonsum) wegen Verdachts des Fahrens unter dem Einfluss von Alkohol und / oder anderer berauschender Mittel ein, ohne dass es zu einem Unfallereignis kam (folgenlose Trunkenheitsfahrten). Hierfür gibt es unter anderem die spezifisch ausgebildeten Kompetenzteams „Drogenerkennung im Straßenverkehr“ des Polizeipräsidiums Südosthessen.
Die zum 1. April bundesweit beschlossene (Teil-)Legalisierung von Cannabis bedeutet nicht, dass damit die Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von THC (Tetrahydrocannabinol) unproblematisch wird. Die aktuellen rechtlichen Regelungen haben weiterhin Bestand. Cannabis stellt, ebenso wie Alkohol, weiterhin ein Rauschmittel dar, welches die Sinne trüben und die Reaktionsfähigkeit beeinflussen kann. Somit bleiben Verkehrskontrollen in Hinblick auf Alkohol und / oder vor allem anderer berauschende Mittel auch in diesem Jahr unverzichtbar und ein wichtiger Bestandteil der täglichen Streifentätigkeit.
Verkehrsunfallfluchten
Die Anzahl der aufgenommenen Verkehrsunfallfluchten ist nahezu gleichgeblieben (5.949 Fälle / + 0,68 Prozent). Auch wenn es sich bei über drei Viertel um sogenannte Blechschäden handelt, ist eine Verkehrsunfallflucht nach wie vor eine Straftat. Insgesamt liegt die Aufklärungsquote im Bereich der Unfallfluchten bei rund 41 Prozent.
Wildunfälle
Die Zahl der registrierten Wildunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen ist im Jahr 2024 auf 1.319 gesunken. Erwähnenswert hierbei ist, dass die Zahl der verunglückten Personen vergleichsweise gering bleibt; 19 Menschen wurden bei Wildunfällen verletzt, eine davon schwer. Um das Wildunfallrisiko weiter zu reduzieren, wird die Polizei an bekannten Wildwechselstrecken auch künftig regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchführen.
Grafik: PPSOH
