Architektin Sabine Stahl hat in ihrem Leserbrief Überlegungen zum Einsparungspotential von Büroflächen im Zuge der Kostenprognose bei der Sanierung des Erlenseer Rathauses angestellt.
Unternehmen und Banken setzen schon seit geraumer Zeit auf moderne Bürokonzepte, die von der klassischen Gestaltung mit Einzel- und Zweierbüros absehen. Da sich in der Regel ca. 20 % der Belegschaft in Urlaub oder Krankenstand befinden, werden nicht so viele Arbeitsplätze wie Mitarbeiter benötigt. Homeoffice ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Eine Kombination aus „Großraum“-Büros für 8-10 und kleineren Büros für je 1 oder 2 Mitarbeiter und Abteilungsleiter erfüllt in der Regel die Anforderungen an moderne Arbeitsplatzkonzepte, die in vielen Unternehmen, und mittlerweile auch schon einigen Stadtverwaltungen, erprobt funktionieren („Multispace-Konzepte“). Für Besprechungen und akustisch abgeschottetes Arbeiten stehen dann Räume in verschiedenen Größen zur Verfügung, die multifunktional und abteilungsübergreifend genutzt werden können.
Die Planung von Besprechungstischen innerhalb der Einzel- und Zweierbüros ist ein völlig veraltetes Planungskonzept und kostet viel teure Bürofläche.
Der Bundesrechnungshof gibt für Einzelbüros übrigens eine Fläche von nicht mehr als 12 m² vor. Die durchschnittliche Fläche für die im neuen Rathaus geplanten Flächen scheinen mir, überschläglich, bei ca. 18 m² pro Büroplatz zu liegen. In Zeiten knapper Kassen und hoher Grundsteuerhebesätze eine meiner Meinung nach schwer vertretbare Überschreitung der Empfehlungen (wenn auch für den Bund). Vielleicht sollte man da noch einmal genauer hinschauen, bevor der Bauantrag endgültig gestellt wird. Hier könnten möglicherweise bis zu 500 m² Flächen eingespart werden, die kostenmäßig bei geschätzt 4 Millionen Euro zu Buche schlagen.
Ein Argument zu Raumgrößen und -aufteilung wie derzeit geplant mag sein, dass die alte Struktur des Rathauses das so vorgibt. Ein Multispace-Konzept jedoch könnte möglicherweise noch dazu beitragen, dass die zum Teil recht breiten Flure in den oberen Etagen noch wegfallen /reduziert und die Flächen wirtschaftlicher genutzt werden könnten.
Sabine Stahl
Erlensee
Leserbriefe können an redaktion@erlensee-aktuell.de zur Veröffentlichung gesendet werden. Sie geben allein die Meinung der Verfasser wieder, die jeweils namentlich genannt werden müssen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Verfasser können die Leserbriefe auch auf der Facebook-Seite von Erlensee Aktuell unter Beibehaltung der Kommentarfunktion veröffenlicht werden.
