(ms/ea) – Bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend im Neuen Löwen konnte Stadtverordnetenvorsteher Christian Scholz in einem vollbesetzten Saal zahlreiche Bürgerinnen und Bürger begrüßen. Architekt Hans Pätzold vom Architekturbüro Pätzold Kremer und Lukas Lindlar, Leitender Projektmanager beim Projektsteuerungsbüros Hitzler Ingenieure, präsentierten den Sachstand, danach wurde die Fragerunde eröffnet.
Projektmanager Lukas Lindlar erläuterte zunächst die Kostensituation. Demnach ging man bei der Schätzung von Baukosten in Höhe von 30 Mio Euro aus, darunter Planungskosten und ein Puffer für Unvorhergesehenes. Bei der Kostenberechnung, die gegenüber der Schätzung eine höhere Genauigkeit aufweist, wurden 37,2 Mio ermittelt.
Ursachen für die Baukostensteigerung, sah er neben allgemeinen Preissteigerungen auch in der umfangreicheren Schadstoffsanierung und Betonsanierung, denn der Zustand sei schlechter als zunächst angenommen. Außerdem stünden weniger Fördermittel zur Verfügung, da bei Beantragung einer der Fördertöpfe bereits leer gewesen sei.

Nach ersten Vergaben und der Einberechnung von beschiedenen Fördermitteln sowie der Einsparung des bislang vorgesehenen und nun wegfallenden Polizeipostens und günstigeren Abbruchkosten geht man derzeit von Baukosten in Höhe von knapp 34 Mio Euro aus.

Der aktuelle Terminplan geht von einer baulichen Fertigstellung im 4. Quartal 2028 aus.

Architekt Hans Pätzold vom Architekturbüro Pätzold Kremer zeigte anhand von Grundrissen, wie das Rathaus zukünftig aussehen wird. Treppenhaus und Eingang werden als Wiedererkennungselemente erhalten bleiben, zusätzlich wird es ein separates von außen zugängliches Treppenhaus geben, über den Sitzungssaal und Trausaal separat zu erreichen seien. Der Sitzungssaal könne auch als Veranstaltungssaal genutzt werden.
Das Rathaus werde als Energieklasse den KfW Standard 55 aufweisen. Zur Anwendung kämen Wärmepumpen, Heiz-Kühl-Decken und Photovoltaik mit Speicher sowie eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle.
Die Außenfassade wird mit Keramikelementen verkleidet, über die Farbe sei noch nicht entschieden worden. ⇒ erlensee-aktuell.com/2024/08/30/glatte-fassade-aus-metallblech-oder-strukturierte-keramikfassade/
Über die Sanierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes informierte Bauamtsleiter Wolfgang Rittershauß mit einigen Fotoaufnahmen.
Kaiser Rippendecke mit Schalung :
Das Bild zeigt die Struktur der Decke mit der noch angebrachten Schalung. Die Schalung ist in diesem Fall eine sogenannte „verlorene Schalung“, weil sie nach Fertigstellung der Betonierarbeiten an Ort und Stelle verbleibt- somit für eine Wiederwendung „verloren“ ist. Die Decke mit der Schalung wurde später durch eine abhängte Decke, die in den Büros sichtbare Decke, kaschiert.

Kaiser Rippendecke ohne Schalung:
Zeigt die Deckenstruktur mit entfernter Schalung, der rohe Beton ist erkennbar. Im Detail kann man auch erkennen, dass der Beton nicht an allen Stellen die Armierung ausreichend umschlossen und überdeckt hat, was auch ein Grund dafür ist, dass auf diese Rohstruktur bei der Kernsanierung weiterer Beton aufgebracht werden muss.

Im Anschluss an die Präsentation wurden zahlreiche Fragen gestellt:
Die Kostenentwicklung war Gegenstand mehrerer Fragen: Hier wurde nach der Ausgangssituation aus dem Jahr 2021 gefragt, wo Kosten in Höhe von 16 Mio Euro genannt worden seien, auch wurde Bezug genommen zu einer damaligen Pressemitteilung der SPD, in der ebenfalls diese Höhe genannt wurde (⇒ erlensee-aktuell.com/2021/11/22/spd-erlensee-begruesst-kernsanierung-des-rathauses/)
Bürgermeister Stefan Erb entgegnete, dass die damals genannten Zahlen nie die endgültigen Baukosten darstellten sondern als nicht dynamisierte Zahlen lediglich als Vergleich dienten für die damalige Entscheidung zwischen Neubau und Kernsanierung. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die wahren Baukosten höher sein würden.
Auf eine Frage nach Kosten eines Neubaus konnte von den Projektsteuerern keine Zahl genannt werden, diese könne jedoch nachgeliefert werden. Fest stehe aber, dass ein solcher teurer als die Sanierung sei.
Da bei der Sanierung das alte Betonskelett beibehalten wird, wurde die Frage nach der Haltbarkeit gegenüber einem Neubau gestellt. Architekt Hans Pätzold antwortete, dass es hier keine Unterschiede gebe. Die Innenbetonteile würden hinsichtlich des Brandschutzes ertüchtigt, die Fassaden entfernt und Außenbauteile erneuert, so dass insgesamt ein Neubau-Standard erreicht werde.
Weitere Fragen betrafen die angestiegenen Planungskosten und die Mietkosten für das derzeit genutzte Gebäude im Fliegerhorst als Interimsrathaus. Architekt Hans Pätzold erläuterte, dass sich die Planungskosten generell nach der Höhe der gesamten Baukosten richte und daher entsprechend angepasst würden. Die Frage nach den Mietkosten konnte von der Stadtverwaltung nicht beantwortet werden, da sie nicht vorlagen. Auf Anfrage von Erlensee Aktuell wurde im Nachgang von Bauamtsleiter Wolfgang Rittershauß mitgeteilt, dass die jährlichen Mietkosten knapp 81.000 Euro betragen würden.
Zur Frage der endgültigen Kosten und einer möglichen Exit-Strategie betonte Bürgermeister Stefan Erb, dass die zuvor genannten Kosten bereits einen Puffer von 2,4 Mio Euro enthalten würden. Außerdem gebe es kein „Zurück“ mehr.
Eine Frage nach getrennt aufgeführten Kosten der Sanierung des Rathausgebäudes auf der einen und der Neubau mit dem Stadtverordnetensaal auf der anderen Seite konnte nicht beantwortet werden, da das Gesamtgebäude zusammengehöre und nicht anders betrachtet werden könne, so die Projektleiter.
Mehrere Fragen beschäftigten sich mit möglichen Auswirkungen auf die Hebesätze der Grundsteuer:“Wer soll das bezahlen?“ Hier wurde auch nach Einsparmöglichkeiten gefragt und die geplante Größe des Gebäudes hinsichtlich fortschreitender Digitalisierung und Home-Office in Frage gestellt. Bürgermeister Stefan Erb verteidigte die Planung und betonte, Home-Office sei rückläufig, der persönliche Kontakt mit den Bürgern außerdem nötig. Zusätzlich müsse man auch steigende Anforderungen beim Datenschutz beachten. Bezüglich finanzieller Auswirkungen hob der Bürgermeister hervor, dass man bei den Haushaltsplänen immer auf Sicht fahre und diese jährlich neu aufstelle. „Nach dem Haushalt ist vor dem Haushalt“. Man hoffe, dass vom Sondervermögen des Bundes auch etwas in Richtung Kommunen fließen werde. „Ein Projekt von 36 Mio beeinflusst den Haushalt, das ist klar“, so der Bürgermeister.
„Wann hört Erlensee auf, zu wachsen“, war eine andere Frage, denn neuer Wohnraum verursache nur Kosten. „Wir sind genug gewachsen“, antwortete Bürgermeister Erb, verwies aber auch darauf, dass durch Nachverdichtung enormer Wohnraum geschaffen wurde, der rein privat generiert worden sei. Neubaugebiete seien derzeit keine geplant. Ob die im neuen Regionalen Flächennutzungsplan beantragten Flächen in Neubaugebiete umgewandelt werden, entscheide allein die Stadtverordnetenversammlung.
Am Ende der Bürgerversammlung wurde noch einmal sowohl von Bürgermeister Stefan Erb als auch von Stadtverordnetenvorsteher Christian Scholz das große Interesse an der Bürgerversammlung lobend erwähnt – der Saal war gut gefüllt – und in diesem Zusammenhang auch Heinz Müller für seinen als Leserbrief in Erlensee Aktuell veröffentlichten Appell zur Teilnahme an der Versammlung gedankt.
Die Präsentationsfolien sollen in Kürze auf der Homepage der Stadt Erlensee zur Verfügung stehen.
Bericht: Markus Sommerfeld
Fotos: Wolfgang Rittershauß, Markus Sommerfeld
