(ms/ea) – Auf dem Jahresempfang des Erlenseer Ausländerbeirats am Samstag im vollbesetzten kleinen Saal der Erlenhalle standen der interkulturelle Austausch und das Einstehen für gemeinsame Werte im Mittelpunkt der Ansprachen.
Vorsitzender Ali El-Fadghan konnte unter den Ehrengästen unter anderem Katrin Hechler, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, den Vorsitzenden der Landesausländerbeiräte Hessen, Enis Gülegen, Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Benno Hafeneger und Marc Sachs, Erster Kriminalhauptkommissar von der Abteilung Prävention im Polizeipräsidium Südosthessen, sowie Erste Stadträtin Birgit Behr, Stadtverordnetenvorsteher Christian Scholz und Mitglieder des Erlenseer Magistrats und des Parlaments begrüßen.
Erste Stadträtin Birgit Behr, die in Vertretung von Bürgermeister Stefan Erb ein Grußwort sprach, war voll des Lobes für den Vorsitzenden des Ausländerbeirats, der sich seit vielen Jahren äußerst engagiert für die Belange ausländischer Mitbürger einsetze, und dies mit nur einem kleinen Budget.
Auch Staatssekretärin Katrin Hechler unterstrich den unschätzbaren Wert des Ausländerbeirats und appellierte an die Zuhörer, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und nicht nur zur Wahl zu gehen.

Vor dem Hintergrund der Anschläge mit Toten und Verletzten forderte sie einen verstärkten gesellschaftlichen Zusammenhalt, denn nur so seien die enormen Probleme zu lösen. Man dürfe nicht zur Tagesordnung übergehen.
Enis Gülegen, Vorsitzender der Landesausländerbeiräte Hessen, erläuterte, wie sehr die Anschläge, insbesondere auch der letzte In München, ihm nahe gingen.

„Der 24-jährige Täter hätte auch einer meiner Schüler sein können“, merkte er sichtlich betroffen an, da er als Lehrer einer Hauptschule auch viele Flüchtlinge unterrichtet. Er berichtete von Schicksalen junger Flüchtlinge, die nach beschwerlicher Flucht hier „in einer Warteschlange geparkt werden“, obwohl sich diese gerne einbringen würden. „Das macht etwas mit den Menschen“ , so Enis Gülegen, der abschließend appellierte, man dürfe Integration nicht als Bringschuld der Flüchtlinge definieren.
Aus Sicht der polizeilichen Prävention berichtete Erster Kriminalhauptkommissar Marc Sachs und sprach dem Ausländerbeirat ein großes Dankeschön für die gute Zusammenarbeit aus, insbesondere auch bei den gemeinsamen Veranstaltungen des Arbeitskreises Sicherheit für Alle (AK SifA) und beim Interkulturellen Abend des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Mit der Präventionsarbeit sollen den Menschen Ängste und Sorgen hinsichtlich des subjektiven Sicherheitsgefühls genommen werden, was nur durch gegenseitigen Austausch gelingen könne. Dieser sei auch nötig, um sich für die gemeinsamen Werte einzusetzen. Dass dies gelingt, läge nicht zuletzt an solche engagierten Menschen wie Ali El-Fadghan.
Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Benno Hafeneger stellte in seinem Vortrag das Thema „Jugend und Rechtsextremismus“ in den Mittelpunkt und berichtete von Studien über das geänderte Wahlverhalten von Jungwählern.

„Die überwiegende Mehrheit der Jugend wählt demokratische Parteien und hat ein positives Verhältnis zur Demokratie“, so Hafeneger, der eine deutliche Verschiebung des Wahlverhaltens seit der Europawahl und der Landtagswahl feststellte. 18 % der Jungwähler wollten AfD wählen und besitzen ein rechtspopulistisches Weltbild, wozu auch Fremdenfeindlichkeit und Sozialdarwinismus gehörten. „Die Altersgruppe der Senioren wählen am wenigsten Rechts, der Schwerpunkt liegt bei der jungen Generation“, so Hafeneger.
Als Motive nannte er unter anderem die Coronapolitik („Wir Jugendliche wurden nicht gefragt, Maßnahmen wurden über unsere Köpfe hinweg entschieden“), das Elternhaus, Konformitätsdruck und die „Medien wie TikTok und Co.“ mit den immer mehr werdenden Influencern. Auch seien die Jungwähler, die im Vergleichsjahr 2021 überwiegend „Rot-Grün“ wählten, von diesen Parteien in der Erwartungshaltung enttäuscht worden. Die AfD werde zunehmnd als „normale Partei“ angesehen.
„Die junge Generation ist der Seismograph der Gesellschaft“, so Hafeneger, der abschließend betonte, wie wichtig Bildung und eine Anerkennungskultur seien, um dieser Entwicklung zu begegnen.
Bei einem anschließenden – von Emad Naileh und seiner Familie zubereitetem – üppigen, orientalischem Buffet führten die rund 150 Gäste noch zahlreiche Gespräche und lobten unisono den gelungenen Jahresempfang des Erlenseer Ausländerbeirats.

Auf dem Titelfoto: Ali El-Fadghan (Bildmitte) mit einigen der Teilnehmer und Gäste des Jahresempfangs des Erlenseer Ausländerbeirats
Bericht und Fotos: Markus Sommerfeld
