(pm/ea) – Eine phantasievolle Musik-Reise durch die nicht minder phantasievolle Welt des Films hat die Paul-Hindemith-Musikschule Hanau (PHM) in Verbindung mit einem deliziösen Drei-Gang-Menü in bewährter Kooperation mit dem Hofgut Hörstein auf die Beine gestellt.
„Filmmusik“, führt PHM-Schulleiter Jörn Pick aus, „löst sofort ein Kopfkino in uns aus. Prägnante Szenen, die wie in einer Oper mit einer Art ‚Leitmotiv‘ unterlegt sind, öffnen sich beim Hören von den jeweiligen musikalischen Themen vor unserem geistigen Auge.“ So kommt es, dass man bereits bei den einleitenden Takten die schrullige Amateurdetektivin „Miss Marple“, genial verkörpert von Margaret Rutherford, über den inneren Schwarz-Weiß-Film laufen sieht. Und ein schmachtender „Ach-ja“-Moment geht durch die Runde, wenn die Klavierbegleitung „Everything I Do“ jene berühmte Filmszene untermauert, in der sich Kevin Costner alias „Robin Hood“ und Mary Elizabeth Mastrantonio als „Lady Mary“ unter der dicken Hollywood-Eiche die ewige Liebe schwören. Und so wurden von dem „Hermann-Levi-Quartett“, dem „Abtshof-Trio“ sowie dem Gesangs-Klavier-Duo Nina Vlaovic und Weiran Zhang viele Hollywood-Schinken im besten Sinne zumindest akustisch zum Laufen gebracht.
Neben „Miss Marple“ gab es da etwa das Epos „Cinema Paradiso“ von Ennio Morricone in einer stimmigen Quartettbesetzung (Rüdiger Klein, Klavier, Vera Krauß, Violine, Axel Lis, Viola und Janna Ignat, Cello) zu hören oder das legendäre „Spiel’s noch mal, Sam“, sprich „As Time Goes By“, aus dem Kassenschlager „Casablanca“ mit dem unsterblichen Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Das „Hermann-Levi-Quartett“ jedenfalls konnte mit seinen Filmmusik-Interpretationen vor allem durch ein fein-ausgewogenes Klanggefüge eingebettet in teils forsch umgesetzten Rhythmusstrukturen brillieren.
Die Sängerin Nina Vlaovic mit ihrer Partnerin Weiran Zhang am Klavier verwöhnten das Ohr ebenfalls auf das Angenehmste. Dafür sorgt zum einem eine kristalline Gesangsstimme, gepaart mit einer erstaunlichen, dynamischen Bandbreite und lupenreiner Intonation. Gleich ob „Die Schöne und das Biest“ oder „Take My Breath Away“ aus dem Kinoschlager „Top Gun“ – das Duo verzaubert seine Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton.
Gab es bereits zu Beginn des Abends von Jörn Pick mit klassischem Bauchladen ausgerüstet nebst Popcorn und Gummibärchen auch Taschentücher, so sollten diese sich im Laufe des dritten Teils des Konzertabends doch als recht nützlich erweisen. Die rührende Geschichte von „Gabriellas Song“ aus „Wie im Himmel“ oder das ergreifende Hauptthema aus „Schindlers Liste“, dargeboten vom „Abtshof-Trio“ mit Helmut Baum am Saxophon und Akkorden, Thomas Becker am Bass und Jörn Pick am Flügel entlockt mit den mitreißenden Vertonungen unfassbarer menschlicher Schicksale doch so manchem im Saal ein Tränchen, das getrocknet werden wollte. Absolut stilecht auch die Darbietung des berühmtesten Panthers der Filmgeschichte, der eigentlich ein Diamant ist: „Pink Panther“ sorgt für fingerschnippende Ekstase im Saal. Mit „Peter Gunn“ aus dem Film „Blues Brothers“ gelang dem Trio ein fulminanter Abschluss eines Abends, der im wahrsten Sinne des Wortes den Ansprüchen eines großen Klang-Kinos zu jeder Zeit gerecht wurde.
Auf dem Foto: Nina Vlaovic und Weiran Zhang (Flügel) verwöhnen das Ohr Ihrer Zuhörer mit fein dargebotenen Film-Hits aus einstigen Kino-Kassenschlagern während des Menü-Konzertes der Paul-Hindemith-Musikschule Hanau im Hofgut Hörstein
Foto: PHM