(pm/ea) – Egal ob Weihnachten oder Silvester – für viele Menschen ist die letzte Woche des Jahres durch Begegnungen mit Familie und Freuden sowie viele schöne Momente geprägt. Doch längst nicht für alle ist die Zeit um die Feiertage unbeschwert und schön.
Für sie sind die Ehrenamtlichen der Ökumenischen TelefonSeelsorge da, die täglich und zu jeder Tageszeit für Menschen mit Sorgen oder Kummer erreichbar sind.
Mehr als 10.000 Mal hat im vergangenen Jahr das Telefon in der Ökumenischen TelefonSeelsorge Main-Kinzig geklingelt, wie Pfarrerin Christine Kleppe, die Leiterin der Ökumenischen TelefonSeelsorge, berichtet. „Und das nur hier bei uns in der Stelle.“ Eine beeindruckende Zahl, die deutlich zeigt, wie groß der Bedarf nach diesem Angebot ist, findet auch Dekan Dr. Martin Lückhoff vom Evangelischen Kirchenkreis Hanau, der Träger der Telefonseelsorge ist: „Als Kirche wollen wir für Menschen in allen Lebenslagen da sein, ihnen zuhören und zur Seite stehen“, stellt er fest. Die TelefonSeelsorge leiste hierzu einen wertvollen Beitrag. Er dankt den Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren und sowohl ihre Ohren als auch ihr Herz für Menschen in unterschiedlichsten Notlagen öffnen. Insgesamt 74 Personen gehören aktuell zum Team und sorgen dafür, dass an 365 Tagen im Jahr immer jemand erreichbar ist. Ihre Arbeit führen sie dabei anonym aus, ganz ohne im Rampenlicht zu stehen. Ihre Motivation ist es, anderen Menschen zu helfen, wie einer der Ehrenamtlichen erklärt: „So schwer mancher Dienst auch mal sein mag: Wir hören zu und können manchmal auch zusammen mit dem Anrufer lachen.“ Wenn dieser am Ende des Telefonates dann sage, dass es ihm besser gehe, sei viel erreicht. Seit 25 Jahren ist der 70-Jährige im Einsatz für die TelefonSeelsorge. Ein Aufruf in der Zeitung, dass besonders Männer für dieses Ehrenamt gesucht wurden, hat ihn damals dazu gebracht. „Es macht immer noch Spaß“, fasst er zusammen.
Vielfältige Themen
Für eine Kollegin von ihm war die persönliche Erfahrung, wie hilfreich ein solches Angebot sein kann, der Auslöser sich zu engagieren: „Ich habe damals selbst bei der TelefonSeelsorge angerufen“, verrät sie. Ein Alkoholproblem in der Familie sei der Anlass gewesen. An das Gespräch von damals kann sie sich nicht mehr erinnern: „Aber sie hat mir gesagt, dass ich mir selbst Hilfe in einer Angehörigengruppe suchen soll.“ Dadurch habe sich für sie eine Tür geöffnet. Inzwischen ist sie seit gut 35 Jahren bei der TelefonSeelsorge aktiv und hat so manches Gespräch mit Menschen in schwierigen Situationen geführt. „Wenn wir den Hörer abnehmen, wissen wir nicht, was kommt“, erklärt Kleppe. Für die Ehrenamtlichen sei es die Aufgabe, herauszufinden, worum es geht. Denn oft findet sich der eigentliche Grund eher im Verlauf des Gesprächs. Längst nicht immer gehe es um außergewöhnliche Themen. Häufig sei es auch Einsamkeit, die Menschen zum Hörer greifen lasse. „Der erste Satz ist oft die Frage: Können wir reden?“
Einsamkeit an den Feiertagen
Auch wenn das Thema Einsamkeit den Mitarbeitern der TelefonSeelsorge das ganze Jahr über begegnet, ist es auch in diesem Jahr zu den Feiertagen noch einmal verstärkt aufgekommen. Ebenso familiäre Probleme oder Trennungen, die gerade zum Weihnachtsfest besonders schwer für die Betroffenen sind. „Gerade an Weihnachten gibt es hohe Erwartungen, die dann auf Enttäuschungen und Kränkungen treffen“, weiß die Leiterin der Ökumenischen TelefonSeelsorge. Viele haben die Vorstellung, alle anderen würden zusammen feiern, währen man selbst sich vergessen fühle. Andere wüssten nicht, wie sie die viele unstrukturierte freie Zeit füllen sollen. Sie fühlen sich einsam. Für diese Menschen kann ein Anruf bei der TelefonSeelsorge einen Moment der Verbundenheit und des Trostes ermöglichen.
Auch wenn es manchmal nicht so einfach sei, den Dienstplan rund um die Uhr zu besetzen: Dass Ehrenamtliche auch an den Feiertagen bereit sind, etwas von ihrer Zeit für andere Menschen zur Verfügung zu stellen, sei ein ganz besonderes Geschenk, wie Kleppe findet. „Es ist großartig, dass wir hierfür jedes Jahr wieder Freiwillige finden.“ In diesem Jahr haben 16 Personen 16 Schichten allein über die Weihnachten übernommen. Auch der 70-Jährige war Heilig Abend im Einsatz: „Für mich fängt mit dem Dienst Weihnachten an“, erklärt er. Für andere hat er es damit gerettet oder zumindest besser gemacht. Auf Wunsch einer Anruferin wurde an Weihnachten auch mal zusammen gesungen, wie die 77-Jährige berichtet: „Auch ein Weihnachtsgedicht kann die Stimmung verändern.“ Jedes Gespräch sei individuell. Im Durchschnitt dauern sie 20 Minuten, manche länger, manche kürzer. Eigentlich eine überschaubare Zeit. Für die Anrufer kann sie aber viel bewirken. „Wir nehmen den Menschen ihre Einsamkeit, zumindest für einen kurzen Moment“, fasst er zusammen. Ein Allheilmittel ist ein Anruf bei der TelefonSeelsorge nicht, wie alle drei wissen. Manche Themen gehen über die Fähigkeiten der Ehrenamtlichen hinaus: „Wir sind keine Fachberatung“, stellt Kleppe fest. Manchmal sei das Telefon nicht ausreichend. Durch die gute Vernetzung und regelmäßige Fortbildungen sind die Ehrenamtlichen aber gut vernetzt und können an die richtigen Stellen weiterverweisen. Und manchmal hilft einfach ein Blick von außen, um den Überblick über eine Situation zurückzugewinnen.
Die TelefonSeelsorge ist täglich rund um die Uhr unter der 0800/1110111 oder der 800/1110222 erreichbar sowie online über Mail oder Chat. Weitere Informationen zur Ökumenischen TelefonSeelsorge Main-Kinzig finden sich im Internet unter www.telefonseelsorge-main-kinzig.de
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