Leserbrief: „Kreiskoalition verlässt für Kinder im Ganztag in den Grundschulen im Kreis die Gebührenfreiheit“

Heinz Hunn vom Trägerverein für den Ganztag an der Grundschule Langendiebach: Leben mit Kindern in Erlensee e.V. kritisiert die Absicht des Kreistags, neue Förderrichtlinien für die Teilnahme am Ganztag in den Grundschulen festzulegen.

Am 13.12.2024 will der Kreistag neue Förderrichtlinien für die Teilnahme am Ganztag in den Grundschulen festlegen, eine Grundgebühr von 80 € im Monat einführen und die Ganztageszeiten neu festlegen. Dieses hat deutliche sozial- und bildungspolitische Auswirkungen.

Die SPD-geführte Kreiskoalition führt für alle Kinder mit dem Bedarf von Ganztagesförderung und -beschulung das Schulgeld ein. Kindern aus einkommensschwachen Familien wird der bisher praktizierte niederschwellige Zugang zu mehr Bildungsgerechtigkeit erschwert bis verhindert und ein wesentliches Ziel für eine ganztägig arbeitende Schule wird wieder einkassiert.

Das SPD-Ziel zur Umsetzung der teilgebundenen oder gar gebundenen Ganztages Grundschule rückt somit in weite, weite Ferne.

Die Last für das notwendige und fehlende Finanzierungsbudget aus Bundes- und Landesmitteln wird auf die Eltern abgewälzt. Die jetzigen Träger sollen dafür hinhalten, und dieses Geld bei den Eltern eintreiben. Die Träger werden aufs Glatteis geschoben und können aus den Eckpunkten der festgelegten Gebührensätze und Qualitätsanforderungen nicht abschätzen, wie sie am Ende des Schuljahres liquide landen können und tragen das volle Risiko.

Die Vereinbarkeit von Schule und Beruf wird vor allem für Frauen abermals erschwert, denn sie sind dann wieder diejenigen, welche sich dreimal überlegen müssen, ob es sich lohnt in Teilzeit oder in Vollzeit arbeiten zu gehen. Ein oberstes sozialpolitisches Ziel, Frauen zu ermutigen selbstbestimmt und qualifiziert im Beruf zu bestehen, sich ihren eigenen Lebensunterhalt und auskömmlichen Rentenanspruch zu sichern, bleibt somit klar auf der Strecke.

Den Trägern und Grundschulen wird kein erweiterter Spielraum für eine Übergangsfrist eingeräumt, außer dass sie „erst“ mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 starten müssen. Faktisch sind die Neuaufnahmen in den Grundschulen in vollem Gang, die Bedingungen für die Neuaufnahmen im neuen Schuljahr sind noch auf dem alten Stand, auch für den Bestand der angemeldeten Kinder und die daraus erfolgenden Planungen der Grundschulen und der Träger des Ganztages werden auf den Kopf gestellt.

Ich fordere unsere Kreispolitik dazu auf, im Sinne und für den Nutzen aller Kinder und der Bildungsgerechtigkeit für alle, erneut zu beraten und nicht die finanzielle Last auf die Eltern abzuwälzen.

Heinz Hunn
Trägerverein für den Ganztag an der Grundschule Langendiebach: Leben mit Kindern in Erlensee e.V.

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