„Landwirtschaft – lebensnotwendig, aber sehr kompliziert“

(pm/ea) – Der Ortsbeirat Klosterhöfe versucht, mit eigenen Veranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus in Gomfritz eine große Themenvielfalt abzubilden, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Darum sind alle Klosterhöfer, aber auch alle Interessierten stets eingeladen, sich von den immer aktuellen Themen inspirieren zu lassen. So lud er vor kurzem zu einer Talkrunde ein.

Als Nachbarn konnte Ortsvorsteher Fritz Dänner die heimischen Landwirte Ralf Zinkhan vom Milchviehbetrieb aus Drasenberg und Timo Haas vom Klosterhöfer Ziegenbauenhof begrüßen. Als Gast aus der Ferne konnte Anke Eyrich aus Erlensee-Rückingen begrüßt werden, die als Stellvertreterin von Mark Trageser in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes hinzugekommen war.

Der Saal im Dorfgemeinschaftshaus war trotz widriger Wetterumstände gut gefüllt und es wurde ein kurzweiliger und sehr informativer Abend. Moderator und Ortsvorsteher Dänner erinnerte an die Bauernproteste zu Beginn des Jahres 2024 und fragte nach, ob sich denn die Proteste gelohnt hätten und was aus den Forderungen geworden sei.

Zuerst kamen aber die persönlichen Bedingungen zu Sprache. Alle drei Landwirte berichteten von ihren Aufgaben in den Betrieben und dem erforderlichen Zeitaufwand. In den Familienbetrieben sind alle Familienmitglieder mehr oder weniger eingespannt und ruhige und frei verfügbare Zeiten gibt es zwar, aber die sind sehr rar. Bei allen Schilderungen des Alltags kam aber keine Bitterkeit, sondern eher Freude über die selbstständige Arbeit und die Freude an der Natur und den Geschöpfen zum Ausdruck.

Ganz offen wurde der reale Stundenverdienst angesprochen, der bei allen weit unter dem vorgeschriebenen Mindestlohn liegt. Auch die Frage der Hofnachfolge wurde angesprochen. Übereinstimmend berichteten die Landwirte von einerseits gestiegenem Interesse am Berufsbild des Landwirtes und wachsenden Ausbildungszahlen und anderseits einer sehr ungewissen Perspektive für die Zukunft. Hier wünschten sich die Landwirte verlässliche Rahmenbedingungen, um auch in Zukunft die Felder bewirtschaften zu können.

Auch die Proteste zum Jahresbeginn wurden angesprochen. Die Wut und Verärgerung hatten das berühmte „Fass“ zum Überlaufen gebracht, so war in der Presse zu lesen gewesen. Das war damalig konkret die Kürzung der Dieselvergünstigung, aber es ging um sehr viel mehr. Übereinstimmend auch hier die Hintergründe: Es fehlt die Wertschätzung, die Sachkenntnis und das Interesse, wirklich bei den Landwirten hinzusehen und pragmatische Lösungen zu finden, statt Probleme neu zu schaffen.

Sehr selbstkritisch berichteten die Landwirte, dass eigentlich sehr wenig substantiell erreicht wurde. Immerhin führten die Proteste dazu, dass die Belange der LandwirtInnen seitdem in der Bevölkerung deutlicher wahrgenommen werden und aus der Bevölkerung nur positive Resonanz kam.

Die Antworten auf die Frage, welche konkreten Veränderungen sie als Landwirte selbst als wichtigste angehen würden, machten die große Übereinstimmung der Gäste deutlich.

• Der Bürokratieabbau lag ganz oben in der Maßnahmenliste.
• Veränderungen der Düngeverordnung folgte sofort danach.
• Auch eine verstärkte Bildung beim Thema Landwirtschaft in Schulen und Gesellschaft wird als dringend angesehen.
• Praktiker werden von den Landwirten für bürokratische Regelungen in den Gremien eingefordert und keine Theoretiker am „grünen Tisch“.

Auf die Frage vom Moderator zu den Wünschen und Erwartungen in und an die Heimatgemeinde, berichtete Anke Eyrich aus ihrer Heimatgemeinde. Dort tifft der Flächenverbrauch die Landwirtschaft hart, die Landwirte werden aber mit ihren Sorgen und Wünschen nicht ernst genommen. Es fehlen dort, wie auch in den Schlüchterner Politik-Gremien Menschen aus der Praxis.
Auch die Klosterhöfer Landwirte wünschen sich von der Heimatgemeinde Interesse und Unterstützung, so z.B. beim Feldwegebau, der Grabensäuberung, dem Heckenschnitt und anderen Maßnahmen an den Gemeindewegen, die aber dem landwirtschaftlichen Leben dienen. Der Blick in den städtischen Haushalt, den Ortsvorstehen Dänner als Druckwerk dabeihatte, lässt sich die Unterstützung der Landwirtschaft nur mit der Lupe finden.

In einer Abschlussrunde fragte Dänner die drei Landwirte nach ihrem persönlichen Antrieb und ihrer Energie. Übereinstimmend schilderten die drei Gesprächsteilnehmer ihre „Tankstellen“.
Zum einen der Stolz, eine lange Familientradition weiterführen zu dürfen. Zum anderen die Freude am Beruf, in dem ein Wachsen und Werden im Jahreslauf unter sich immer verändernden Naturbedingungen einfach ein schönes Arbeiten ermöglicht und eine sinnstiftende und befriedigende Tätigkeit ist. Diese Energie reicht auch aus, die langen Arbeitstage, unsichere Verdienstaussichten und Abhängigkeiten von lokalen und weltweiten Entwicklungen zu überstehen.

„Wir alle können da helfen, mit neu entdecktem Interesse auf die Arbeit der Landwirte zu blicken und ihnen unsere Wertschätzung zu zeigen.“ fasste der Ortsvorsteher zusammen.
Das Publikum war während des ganzen Gesprächs immer mitten drin. Es kamen Zwischenfragen und humorvolle Kommentare. Es wurde gelacht und nicht geschimpft. Nach einem intensiven und sehr persönlichen Gespräch bedanke sich Ortsvorsteher und Moderator Fritz Dänner bei den drei Landwirten und forderte alle Anwesenden auf, gemeinsam zu überlegen, wie diese positive Gesprächsstimmung weitergetragen werden könnte.

 

Auf dem Foto: Als „Dankeschön“ bekamen die drei Talkgäste eine kleine Stärkung in Form eines Bergwinkel-Zwetschen Brandes mit auf den Heimweg (v.l.):  Timo Haas, Anke Eyrich, Fritz Dänner, Ralf Zinkhan

Foto: PM

 

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