Jutta Günther beklagt in ihrem Leserbrief, dass der Vorstand der Chorgemeinschaft Erlensee (CGE) über die Köpfe der Sänger hinweg entschieden hat, am Totensonntag nicht mehr auf dem Friedhof, sondern nur in der Kirche beim Gottesdienst zu singen.
„Am Totensonntag singen wir auf dem Friedhof“, so weiß ich das von Kindesbeinen an, von meinen Eltern. Beide, seinerzeit aktive Sängerin und Sänger in der Sängervereinigung Langendiebach, haben mir erklärt, dass der Chor damit den verstorbenen Mitgliedern gedenkt, da bei den Beerdigungen dieser nicht gesungen wird. Nun singe ich selbst schon 37 Jahre im Gemischten- und Frauenchor der damaligen Sängervereinigung Langendiebach und heutigen Chorgemeinschaft Erlensee. Nach der Fusion der Chöre soll diese Tradition weitergeführt werden, jährlich am Totensonntag in der Trauerhalle des neuen Friedhofes in Langendiebach, den verstorbenen Choristen zu singen und zu gedenken. Die Angehörigen wurden immer zur Gedenkfeier eingeladen und sind dieser Einladung auch gerne gefolgt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr hatten sich seinerzeit den beiden Langendiebacher Chören angeschlossen und ebenfalls auf dem Friedhof Ihrer Toten gedacht. Die Pfarrer unterstützen dies immer sehr würdevoll, und die anschließende Kranzniederlegung war ein andächtiger Abschluss dieser Gedenkfeier. Durch dieses gemeinsame Treffen, wurden im Nachgang viele Gräber besucht, alte Erinnerungen gepflegt und der verstorbenen gedacht. Dieses Gedenken kann nur auf dem Friedhof passieren, es ist anderswo einfach nicht dasselbe.
Nun hat der Vorstand der CGE, über die Köpfe der Sänger hinweg, entschieden, nicht mehr auf dem Friedhof, sondern nur in der Kirche beim Gottesdienst zu singen. Durch die große Entfernung werden viele dem eigentlichen Erinnerungsort fernbleiben. Unsere gewohnte alte Tradition wird damit gebrochen und es ist mir unverständlich, wie man eine solch wichtige und ehrerbietende Veranstaltung einfach wegorganisieren kann. Viele Sängerinnen und Sänger teilen diese Meinung und wären gerne in die Entscheidung mit einbezogen worden.
Wie damit umgehen ? Keine Ahnung, aber es ist einfach nur traurig, dass Traditionen heutzutage nichts mehr gelten und über alle Köpfe hinweg Altbekanntes weggewischt wird.
Jutta Günther
Neuberg
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