(pm/ea) – 20 Jahre Team Kinder- und Jugendarbeit in Erlensee (TKJE), in Trägerschaft der Stadt Erlensee und der Ev. Kirchengemeinde Erlensee. Aus einer guten Idee wurde eine feste Institution in Erlensee, die in dieser Konstellation und so, wie sie gelebt wird, bundesweit seinesgleichen sucht.
Viel ist passiert in diesen zwei Jahrzehnten in Erlensee. Nicht nur in der Kinder- und Jugendarbeit. 2003 waren die Träger noch die kommunale Gemeinde Erlensee und der Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Erlensee. Verantwortliche Personen auf der kommunalen Trägerseite waren, der frisch ins Amt eingeführte Bürgermeister Stefan Erb, die leider viel zu früh verstorbene Amtsleiterin Christine Wilkerling und die für die Kooperation treibende Kraft Christian Fonzetti, der bereits seit 2001 die Geschicke der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit in Erlensee lenkte. Für die Evangelische Kirche zeichneten sich zunächst Pfarrer Andreas Rohnke und später Pfarrer Ernst-Friedrich „Fritz“ Perels sowie die Kirchenvorstandsvorsitzende Beate Bröning-Heck zusammen mit Mike Herrmann verantwortlich für die zukünftige Kinder- und Jugendarbeit. Beide Seiten legten Personal, Räume und finanzielle Mittel zusammen, um eine Ressourcenoptimierung, im Sinne der Erlenseer Kinder und Jugendlichen, zu erreichen.
Die erste Konzeption für die gemeinsam verantwortete Arbeit schrieben Margret Reinhold, Christian Fonzetti (beide Kommune) sowie Torsten Fiege und Mike Herrmann (beide Ev. Kirche) im Herbst 2002. Der erste Etat hatte ein Volumen von 70.500,00 €, der höchste etwa 90.000,00 €. Aktuell befinden wir uns in der ersten Nach-Corona-Phase bei etwa 60.000,00 €. Alle vier Hauptamtlichen arbeiteten von Beginn an in einem gemeinsamen Büro innerhalb des Jugendzentrums und sind damit schon immer vor Ort in den Räumen der Kinder und Jugendlichen als Ansprechpartner erreichbar.
Begleitet wird die Arbeit des TKJE von einem gemeinsamen Koordinierungsausschuss und auf kirchlicher Seite zusätzlich vom Jugendausschuss. Für die Arbeitsfähigkeit in Alltagsfragen sorgen die monatlich stattfindende Team-Träger-Sitzung sowie die wöchentliche Teamsitzung.
Auf kirchlicher Seite sind neben Mike Herrmann, der hier seit 2002 hauptamtlich tätig ist, bisher folgende Mitarbeiter Teil des TKJE gewesen: Torsten Fiege, Esther Koch, Marc Pauly, Larissa Kast und seit 2021 Stefan Layer. Die Stadt Erlensee hatte neben Christian Fonzetti, der seit 2001 dabei ist, Margret Reinhold, Jennifer Rein und seit 2021 Nina Bader beschäftigt.
Für die kirchliche Seite war lange Jahre Pfarrer Dieter Wichihowski ein wichtiger und nicht wegzudenkender Wegbegleiter des TKJE. Seit 2020 nimmt sich Pfarrerin Ulrike Stellmacher dieser Aufgabe an. Auf kommunaler Seite folgten auf Christine Wilkerling zunächst Reiner Mayer und jetzt Fachdienstleiterin Sandra Wunder. Aber auch Bürgermeister Stefan Erb, wie Fonzetti und Herrmann, ein Mann der ersten Stunde, lässt keine Gelegenheit aus, die Wichtigkeit dieser Arbeit immer wieder zu betonen.
Inhaltlich hat sich die Arbeit immer an den aktuellen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen sowie den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen orientiert und entwickelt. Eine große Konstante ist der Offene Treff für Jugendliche und junge Erwachsene, den es seit der ersten Stunde gibt und der schon einige Generationen an Teilnehmenden erlebt hat. Bei den Kindern haben sich die regelmäßigen Angebote immer wieder gewandelt, von offenen Kindertreffs über feste Kindergruppen und schulnahen Angeboten hin zu aktuell drei Kids Clubs in der Woche.
Bei den Sonderveranstaltungen sind die Kinderferienspiele sowie die Freizeiten für alle Altersgruppen seit jeher feste Größen. Daneben gab es in der Zwischenzeit viele verschiedene Angebotsreihen, wie z.B. Come On Punk mit bis zu 650 Besuchern und Bands wie Elfmorgen oder auch Banjoory. Viele Jahre gab es auch die Jugendliteraturprojekte in Kooperation mit der Stadtbücherei und verschiedenen Schulen, bei denen aktuelle Jugendbücher mit Live-Lesung, Theater und Livemusik vorgestellt wurden. Live On Stage und Open Stage waren Projekte mit denen Bands und Einzelkünstler eine Bühne geboten wurde. Christian Fonzetti konnte zudem immer wieder mit seinen Jugend-Theatergruppen beeindruckende Theaterinszenierungen auf die Bühne bringen.
Aus der Sportgruppe und dem Mitternachtshockeyturnier der Kinder- und Jugendarbeit ging 2005 die Floorball-Abteilung der TSG Erlensee hervor, die seitdem diverse hessische Titel errungen hat und mittlerweile mit den Damen in der 1. Floorball Bundesliga und den Herren in der 2. Floorball Bundesliga vertreten ist. Mike Herrmann war dort über viele Jahre ehrenamtlich U11 Trainer, Abteilungsleiter und aktiver Spieler der Herren-Mannschaft. Mittlerweile liegt der sportliche Schwerpunkt des TKJE mit regelmäßigen Angeboten und einem großen Event auf der Sportart Beachvolleyball.
Geschlechtsspezifische Arbeit ist ebenso eine große Konstante in der Arbeit. Mike Herrmann hat von Anfang an Jungentreffs und -projekte angeboten. Bei gemeinsamen Jungenfreizeiten und Ausflügen lernten sich der damals für das Kinderhaus Regenbogen in Hanau arbeitende Stefan Layer und er sich kennen. Über viele Jahre gab es gemeinsame Freizeiten und Projekte. Bis sich Stefan Layer entschied, auch ein wichtiger Teil des TKJE und der Arbeit in Erlensee zu werden. Seit einiger Zeit hat auch Nina Bader sehr erfolgreich eine Mädchengruppe in der Arbeit installiert und damit ein neues Ausrufezeichen in den geschlechtsspezifischen Angeboten des TKJE gesetzt.
Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld, welches in den frühen Jahren aus dem Offenen Treff für Jugendliche und junge Erwachsene entstand, ist die TKJE – Offensive – Jugend in die Ausbildung. Das Angebot richtet sich an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind und bietet ihnen ein effizientes Bewerbungstraining. Zusätzlich werden diejenigen angesprochen, die sich noch in der Orientierungsphase befinden und noch nicht wissen, welchen schulischen bzw. beruflichen Werdegang sie einschlagen wollen. Von 2009 bis 2014 war Maja Bott, die Hauptansprechpartnerin für das Projekt und seit 2014 ist Sandra van der Linden die Projektleiterin. Beide waren ebenfalls seit Anfang an als Honorarkräfte im offenen Bereich für Jugendliche und junge Erwachsene tätig.
Die Arbeit des TKJE machte auch vor gemeinsamen kirchlichen Projekten nicht Halt. Ohne jegliche Vorbehalte seitens der Träger sowie der Mitarbeitenden wurden Ökumenische Jugendnächte mitgestaltet und auch Vorstellungsgottesdienste mit Konfirmanden erarbeitet und aufgeführt. Mit Konfi+ haben Stefan Layer und Mike Herrmann ein neues inhaltliches Projekt ins Leben gerufen, dass mittlerweile den zweiten Konfi-Jahrgang begleitet hat. Letztes Jahr wurde von einem ehrenamtlichen Team mit Unterstützung von Pfarrerin Stellmacher und dem TKJE das erste Outdoor-Krippenspiel in Erlen-see erfolgreich durchgeführt.
Ein weiterer Schwerpunkt des TKJE ist die partizipative Arbeit mit Ehrenamtlichen. Von den allgemeinen Veranstaltungen, über die Konfirmandenarbeit bis hin zu Gremienarbeit bietet das Team ein sehr breites Betätigungsfeld. Dabei versucht das Team immer wieder Raum für neue Ideen zu geben und als Unterstützer und Möglichmacher zu wirken.
Als 2015 die erste große Flüchtlingswelle auch nach Erlensee schwappte, reagierte das Team angeführt von Christian Fonzetti sofort und installierte einen Flüchtlingstreff mit Teilnehmenden aus den verschiedensten Nationen, Religionen und Kulturen. Ein Jahr lang wurden dort die Geflüchteten, die teilweise über 40 Jahre alt waren, in einem eigenen Schutzraum intensiv betreut und nach und nach in die Offenen Treffs und später auch in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integriert. Diese Arbeit war für alle Beteiligten ein absoluter Gewinn und es sind viele Freundschaften entstanden.

Auch Corona konnte die Hauptamtlichen in ihrem Wirken nicht stoppen, sondern höchstens kurzzeitig leicht ausbremsen. Auch wenn die Pandemie sicherlich bei vielen Kindern und Jugendlichen auch nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Mit immer wieder neuen kreativen Methoden wurden Onlineangebote geschaffen, Einzel- oder Kleingruppentreffen sowie Einzelfallhilfen angeboten und auch Bastelpakete zum Abholen und Mitnehmen bereitet.
Die Mitarbeitenden des Teams verstehen sich immer als Beziehungsarbeiter. Alle Angebote sind dazu immer wieder Mittel zum Zweck, damit sich Kinder und Jugendliche sowie im Bedarfsfall auch deren Eltern in Krisensituationen an adäquate Ansprechpartner vor Ort wenden können. Aus diesem Grund sind immer die Hauptamtlichen des TKJE in den regelmäßigen Angeboten und Sonderveranstaltungen aktiv vor Ort. Das ist ein Qualitätsmerkmal der Arbeit.
Ein Ende der Arbeit des TKJE ist aktuell nicht absehbar. Nachdem Abriss der alten Räume in der Fröbelstraße ist das Team um Nina Bader, Stefan Layer sowie die beiden Urgesteine Christian Fonzetti und Mike Herrmann seit 2020 in der Fallbachhalle untergebracht und arbeitet dort mit viel Freude und Enthusiasmus mit den Erlenseer Kindern und Jugendlichen. Aber alle stehen bereits mit Vorfreude in den Startlöchern für den nächsten Umzug, in zwei bis drei Jahren, in die neuen Räume in der Fröbelstraße, für die am 17.07.2023 der erste Spatenstich stattfindet.
Auf dem Titelfoto: Soccerturnier 2017
Fotos: PM
