Leserbrief: „Schwimmbäder bieten auch unersetzlichen Raum für therapeutisches Training“

In einem Leserbrief betont Bettina Kleinschmidt vom AquaFitnessClub, dass Schwimmbäder nicht nur eine soziale Aufgabe in der Gesellschaft haben, sondern Gruppen von Betroffenen unersetzlichen Raum für ein therapeutisches Training bieten.

Die Corona-Zeit hat für Schwimmbäder deutlich gezeigt, dass der Nutzen eines Schwimmbads sich ändern (anpassen) muss. Denn in den zwei Corona-Jahren hat sich eine neue Konkurrenz für Bäder eingestellt: Der eigene Garten.

Der Verkauf von einfach zu errichtenden Pools ist in die Höhe geschossen und der eigene Pool wird zum Planschen, Entspannen und Abkühlen genutzt. Für diese Zielsetzung hat jedes Bad eine extrem hohe Anzahl von „Konkurrenten“ erhalten.

Aber Schwimmbäder haben nicht nur eine soziale Aufgabe in der Gesellschaft, sondern bieten Gruppen von Betroffenen unersetzlichen Raum für ein therapeutisches Training.

In diesem besonderen Fall ist das LymphCycling und CoreCycling des AquaFitnessClubs für Lip- oder Lymph-Ödem-Betroffene im Hallenbad Erlensee ein extrem wertvolles und Lebensqualität steigerndes Bewegungsprogramm.

Ödem-Betroffene (Prävalenz von 10 Mio in Deutschland), die durch Bewegung ihr Staurisiko eher steigern und damit Schmerz und Anschwellen der Extremitäten riskieren, können sich im Element Wasser relativ frei bewegen und durch die Wirkung des LymphCyclings die Flüssigkeitsmenge in den Extremitäten reduzieren. Gleichzeitig verbessern sie massiv ihren Fitnesszustand, der krankheitsbedingt in der Regel eher niedrig ist. Dies gelingt in diesem extrem hohen Maß nur im Wasser und speziell auf dem Fahrrad im Wasser, was das LymphCycling zu einer wertvollen Unterstützung im Bereich Selbstmanagement für die Betroffenen macht.

Sollte dieses Bewegungsprogramm nun aufgrund einer Badschließung wegfallen, ist es für Ödem-Betroffene nicht so einfach möglich, in ein anderes Schwimmbad zu gehen. In der Regel ist schon die Anreise beschwerlich und das LymphCycling wird nur in wenigen Bädern angeboten.

Das Schwimmbad ist für Ödem-Betroffene ein besonderer Ort der Begegnung und der Lebensqualitätssteigerung, welchen es für dieses Krankheitsbild in der Regel nirgendwo sonst gibt.

Für diese Betroffenen, die aus der Passivität herauskommen und im Schwimmbad eine bewältigbare Aktivität erleben, ist eine Schließung des Schwimmbads eine Katastrophe, die immense Auswirkung auf deren Alltag und die Psyche hat. Nicht nur, dass sie einen Ort zur Erhaltung der wiedergewonnenen Beweglichkeit verlieren, in der Folge werden auch die Ödem-Problematiken wieder intensiver, was Bewegungseinschränkung, Passivität und somit erhöhte Erkrankungsrisiken nach sich zieht.

Neuere Studien weisen deutlich darauf hin, dass durch besondere Ansteuerungsformen diverse Effekte im Wasser um ein Vielfaches höher sind als an Land. Dies wird in der Zukunft den besonderen Bedarf an Schwimmbädern massiv erhöhen.

Schwimmbäder, die sich auf diesen Bedarf einstellen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, werden künftig ein neues stabiles Klientel erreichen und deutlich an Bedeutung zulegen.

Dies ist ein bedeutender Grund, warum das Schwimmbad in Erlensee unbedingt erhalten bleiben muss. Der großen Zahl an Teilnehmern im Core- und vor allem im LymphCycling muss weiterhin die Möglichkeit gegeben werden, ihr Leben in Verbindung mit dem Element Wasser gesund zu gestalten.

Bettina Kleinschmidt
AquaFitnessClub
Hanau

 

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