Leserbrief: „Hallenbad Erlensee dauerhaft schließen – Ein Schritt in die falsche Richtung“

Heinz Müller fordert in seinem Leserbrief eine gemeinsame Kraftanstrengung und ein vermehrtes Zusammenrücken von Stadt, Kommunen, Landkreis, Land, Bund  – und dies ohne parteipolitische Scharmützel – zur Rettung des Erlenseer Hallenbades.

Hallenbad Erlensee dauerhaft schließen – Ein Schritt in die falsche Richtung

Ja – Öffentliche Hallenbäder sind zumeist Zuschussbetriebe
Ja – Öffentliche Hallenbäder müssen bedarfsgerecht/energetisch saniert werden
und
Ja – Gesundheit ist unser höchstes Gut
Ja – Sportstätten werden zu deren Erhalt und Förderung benötigt

Die bevorstehende Schließung des Hallenbades in Erlensee stellt in Deutschland leider keinen Einzelfall dar. Fraglich ist nun, sind stetige Schließungen von Schwimmbädern eine Lösung?

Meine Antwort lautet – NEIN –

Vielmehr muss gesundheitspolitisch, ganzheitlich und langfristig gedacht werden, um „vor die Lage zu kommen“.

Bewegungsmangel, fehlende Muskelkraft für spielerischen Aktivitäten, eine stetige Zunahme von Muskelskeletterkrankungen, steigendes Übergewicht in allen Altersklassen (lt. Bundesgesundheitsministerium sind 9,5% der Kinder und Jugendlichen zwischen 3-17 Jahren übergewichtig und 5,95 adipös. Ausgehend von einem BMI von 25, sind lt. dem statistischen Bundesamt über 53% der Erwachsenen übergewichtig) um nur einige Faktoren zu nennen, deuten auf eine immer größer werdende Belastung für unser Gesundheitssystem hin.

Mit einem Blick auf die jährlich erscheinenden Gesundheitsreporte der Krankenkassen (exemplarische Daten der DAK, TK und Barmer) in Deutschland, liegen folgende Erkrankungen bei den Erwerbstätigen als größte Verursacher unter den TOP 4 (nicht immer in gleicher Reihenfolge):

– Herz-Kreislauf-System
– Muskel-Skelett
– Psychische Erkrankungen
– Atemwegserkrankungen

Am 05.07.2022 in der Drucksache 20/2560 forderten Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und die CDU- Fraktion einen Bewegungsgipfel mit dem Ziel, Deutschland durch Sport gesünder zu machen.

Kernaussagen dieses Antrages waren u.a.:

– Bewegungsmangel ist ein bedeutender Risikofaktor für gesundheitlichen Probleme geworden
– Regelmäßige Bewegung beugt langfristig schweren Erkrankungen vor
– Übergewicht und eine erkennbare Verminderung von körperlicher Fitness bei Kindern und Jugendlichen hat sich in den Zeiten der Pandemie noch verstärkt
– Aktivitäten in Vereinen und Verbänden kann zu einer Stabilisierung der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen führen
– die Zahl von Kindern die nicht oder nicht sicher Schwimmen können steigt (eine repräsentative Forsa-Umfrage der DLRG von 2017 ergab bereits, dass fast 60% der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind)
– im Bereich der Bewegung bei unseren Senioren, Seniorinnen und Menschen mit Behinderungen existiert insbesondere nach der Pandemie ein extremer Nachholbedarf (nach Aussage des Deutschen Behindertensportverbandes treiben aktuell 55% dieser Personengruppe keinen Sport)

Der Antrag schließt mit der Aussage, dass „Bewegung“ zur „Chefsache“ gemacht werden muss, um Deutschland bewegungsfreundlicher zu machen. Andernfalls kann es durch eine steigende Bewegungsarmut zu erheblichen Folgen für das Gesundheitssystem kommen.

Dazu kann man nur sagen: „Lasst Worten Taten folgen!“

Schauen wir uns einige unumstrittene und gesundheitsfördernde Faktoren von Bewegung im Wasser an:

– Entlastung der Wirbelsäule sowie der Hüft-/Knie und Fußgelenke, da unser gefühltes Körpergewicht im Waser um ein Vielfaches geringer ist als an Land.
– Training der Ausdauer, durch moderate Belastung des Herz-Kreislauf-Systems
– Stärkung des Immunsystems, da beim Schwimmen viele Köperregionen beansprucht werden
– Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach Unfall und Krankheit
– Entspannung durch Bewegung – Physisch und psychisch

Man kann es drehen und wenden wie man will, eine Schließung von Schwimmbädern kann nicht als positive Trendwende im Zusammenhang mit vielen gesundheitspolitischen Faktoren gesehen werden.

Zurück zur „bevorstehenden“ Schließung des Hallenbades in Erlensee.

Auf die Bedeutung des Weiterbetriebes des Hallenbades für alle ortsansässigen Vereine, den Schulen, den Menschen bei der Ausübung des Ehrenamtes etc. möchte ich nicht weiter eingehen, da dies schon auf verschiedenste Art und Weise erfolgt ist.

Ebenso möchte ich die Erarbeitung von Einsparpotenzial einer energetischen Sanierung des Hallenbads den Spezialisten überlassen. In der Sanierungszeit fallen natürlich deutlich reduzierte Kosten durch Betrieb an. Siehe dazu auch Bericht Hanauer Anzeiger vom 12.11.2022; Sanierung Hallenbad Großauheim.

Bürgerinnen und Bürger müssen nach erfolgter Schließung weitere Fahrten in andere Schwimmbäder in Kauf nehmen. Steigende Energiekosten und eine höhere Umweltbelastung sind logische Folgen. Was machen übrigens unsere weniger mobilen Mitbürgerinnen und Mitbürgern? Kinder und Jugendliche die bisher mit dem Rad ins Schwimmbad gefahren sind?

Zum Thema Sanierung und des Antrages auf den Erhalt von Fördergeldern führte Bürgermeister Erb in einem Bericht im Hanauer Anzeiger vom Samstag, den 05.11.2022 aus, dass Erlensee diese Förderung noch nicht beantragt hat, weil noch gar nicht klar sei, ob und wie eine Sanierung des Bades stattfinden könnte.

Erstaunlich ist hierbei für mich, dass die Art und Weise einer Sanierung noch nicht klar ist, aber die Schließung so gut wie beschlossen erscheint. Hier sollte doch zuerst als weitere Diskussionsgrundlage eine belastbare Kostenschätzung über anfallende Kosten und Möglichkeiten einer Sanierung erstellt werden.

Bei allen Diskussionen um die Schließung des Hallenbades ist es für mich persönlich nicht zielführend, wenn beispielhaft eine Erhöhung der Grundsteuer auf 940 v.Hd. (wobei Erlensee im MKK sowieso im oberen Bereich zu finden ist) als Lösung für den Erhalt des Hallenbades ins Spiel gebracht wird. Sorry, aber solch eine „Androhung“ kann wissentlich oder unwissentlich zu Unstimmigkeiten zwischen den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Erlensee führen.

Vielmehr bedarf es zur Lösung des speziellen Problems in Erlensee einer gemeinsamen Kraftanstrengung und einem vermehrten Zusammenrücken von Stadt, Kommunen, Landkreis, Land, Bund und dies ohne parteipolitische Scharmützel. Nachdenken könnte man über neue und innovative Umverteilungen von Gewerbesteuer-/ und Grunderwerbssteuereinnahmen. Beispielhaft könnte es hier eine zweckgebundene Abgabe für Kultur, Sport und/oder Gesundheitsförderung geben, die den betreffenden Städten und Kommunen für den Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Neue Formen von Sponsoring der ortsansässigen Firmen in den eben angeführten Bereichen gehören ebenso dazu wie eine letztendlich konstante, transparente und gleichberechtigten Einbindung aller Mitbürgerinnen und Mitbürgern in weitere Entscheidungen.

In der heutigen Zeit werden viele „Rettungsschirme“ aufgespannt und millionen-/milliardenschwere Unterstützungspakete weltweit verteilt. Insbesondere bei dem Erhalt einer heimischen Sportstätte, die der Gesundheitsförderung dient, sollten weitreichende Unterstützungsmaßnahmen ebenfalls eine logische Schlussfolgerung sein. Nicht zu vergessen auch die damit verbundene Sicherung von Arbeitsplätzen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Also packen wir es an und versuchen gemeinsam nochmal jeden Stein umzudrehen, um den Weiterbetrieb des Schwimmbades in Erlensee zu gewährleisten und weitere Schließungen von Schwimmbädern in Deutschland vorzubeugen

Da ich die Verantwortung für den Weiterbetrieb unseres Hallenbades in Erlensee nicht allein bei den politisch verantwortlichen Personen der Stadt Erlensee sehe, werde ich diesen Brief Landes und deutschlandweit an unterschiedliche Personen weiterleiten (u.a. BMG Herr Karl Lauterbach, Herr Friedrich Merz, Herr Alexander Dobrindt und HMdIS Peter Beuth).

Ob dies etwas ändert? Ich weiß es nicht. Aber einen Versuch ist es wert.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Sebastian Kneipp:

„Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“

Zu meiner Person:

Ich bin 62 Jahre, in Erlensee wohnhaft, pensionierter Polizeibeamter und zertifizierter Gesundheitsmanager. Bis zu meiner Pensionierung war ich für 1800 Beschäftigte des Polizeipräsidiums Südosthessen als Beauftragter für Gesundheitsmanagement und Sport tätig. Das Hallenbad Erlensee begleitet mich als aktiver Sportler bereits seit den frühen 80er Jahren. Auch jetzt ziehe ich dort noch regelmäßig meine Bahnen und versuche meinen Enkeln dort die Freude an Bewegung weiterzuvermitteln.

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit wurde auf eine streng wissenschaftliche Kennzeichnung der Quellen verzichtet.

Heinz Müller
Erlensee

Leserbriefe können an redaktion@erlensee-aktuell.de zur Veröffentlichung gesendet werden. Sie geben allein die Meinung der Verfasser wieder. Anonyme Zusendungen sind von einer Veröffentlichung ausgeschlossen.

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