„Bleibt uns das Hallenbad Erlensee erhalten?“

(ms/ea) – Der Betriebsleiter des Erlenseer Hallenbads, Markus Täufer, wendet sich in einem Schreiben noch einmal an die Öffentlichkeit.

Im Wortlaut heißt es darin:

Am 27.10.2022 wurde veröffentlicht, dass der Magistrat vorschlägt, das Hallenbad zu schließen um damit den Haushalt für das nächste Jahr zu sichern. Seit dieser Veröffentlichung ist vieles passiert.

Es wurde z.B. eine Petition ins Leben gerufen, an der, Stand 15.11.2022, 6508 Unterschriften eingegangen sind. Es wurden Leserbriefe verfasst und auf Erlensee Aktuell oder in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht. Sogar das HR Fernsehen hat einen Bericht über eine mögliche Schließung des Hallenbades veröffentlicht.

• Schulen haben ein Schreiben an die zugehörige Stelle/-n gesendet.

• Die AfD will im Kreistag mit einem Zweckverband das Hallenbad Erlensee erhalten
o Siehe Bericht vom 02.11.2022 auf Erlensee Aktuell

• Landrat Thorsten Stolz erklärt in einer Pressemitteilung vom 03.11.2022 (Erlensee Aktuell), dass der Main-Kinzig-Kreis ein Teil der Gesamtlösung bei der Sicherung der schwimmbadstandorte im Kreisgebiet sein kann, aber nicht der alleinige Problemlöser. Weiter sichert er in einem Bericht des Hanauer Anzeigers zu, eine Erhöhung der Zuwendung pro Kind im Schulschwimmen von 2,20 auf 3,50 Euro. Diese Erhöhung plane der Kreis schon länger, sie sei durch die steigenden Energiekosten bedingt. Im gleichen Bericht nimmt auch Herr Stolz das Land Hessen in die Pflicht und verweist darauf, dass in der hessischen Verfassung in Artikel 26g explizit Sport – und damit auch der Schwimmsport – als Staatsziel formuliert wird.

• In einem Bericht des Hanauer Anzeigers vom 04.11.2022 schließt Frau Gabriele Stenger (Landratskandidatin) diesen wie folgt ab … „Ich bleibe dabei: Wir müssen das Bädersterben um jeden Preis verhindern…

• Ein offener Brief des Schulelternbeirats und Fördervereins der Erlenseer Schule am Eulenhof zum Thema „Schließung des Hallenbades“ wurde auf Erlensee Aktuell am 04.11.2022 veröffentlicht.

• Am 09.11.2022 war in einem Bericht des Hanauer Anzeigers zu lesen, dass sich Herr Christoph Degen (Landtagsabgeordneter) eingeschaltet hat. Er möchte Auskunft über mögliche Auswirkungen der Schließung des Bades in Erlensee für das Schulschwimmen. Weiter fragte Herr Degen, was aus Sicht der Landesregierung in Bezug auf laufende Kosten und der Sanierungskosten getan werden könnte, um das Hallenbad in Erlensee vor der Schließung zu bewahren.

• In einem Bericht des Hanauer Anzeigers vom 12.11.2022 wurde berichtet, dass nicht nur das Hallenbad Erlensee mit hohen Defiziten zu kämpfen.

Meinen Apell (siehe Erlensee Aktuell vom 28.10.2022) hatte ich auch an den Bundestag gesendet. Herr Lennard Oehl, zuständiger Wahlkreisabgeordneter und Mitglied des Deutschen Bundestages, hatte mir am 10.11.2022 darauf geantwortet. Er ist, wie auch ich, der Meinung, …dass die Einstufung von Schwimmbädern als sogenannte freiwillige Leistung, die Kommunen erbringen, nicht mehr zeitgemäß ist. Kinder müssen die Möglichkeit haben, Standortnahe und spätestens über den Schulsport Schwimmen lernen zu können. Schwimmen zu können ist angesichts der hohen Frequentierung von Freibädern und Seen während des Sommers essenziell, damit die Sicherheit der Kinder gewährleistet ist…. Aber nicht nur Kinder müssen schwimmen lernen. Erwachsene sollen ihren Schwimmsport ausüben. Egal ob es sich hierbei um Schwimmen, Aquacycling, Aquajogging oder anderen sportlichen Aktivitäten im Wasser handelt. Ältere Menschen, die unser Hallenbad besuchen um sich noch fit zu halten, Unterhaltungen führen, wird eine Plattform der Kommunikation genommen. Vielleicht die letzte die sie noch haben. Kleinkindern kann das Wasser nicht mehr nähergebracht werden und haben es dann im Schwimmlernfähigen Alter massiv schwerer zu lernen, da es keine/kaum Wassergewöhnung gibt. Reha Sport kann nicht mehr angeboten werden. Viele Menschen brauchen die angeleitete Bewegung im Wasser um sich überhaupt noch bewegen zu können.

Herr Oehl möchte sich in Berlin weiter dafür einsetzen, dass auch zukünftig Förderprogramme für kommunale Einrichtungen aufgelegt werden und hier vor Ort ankommen. Damit Kommunen wie Erlensee bei den Instandhaltungskosten spürbar entlastet werden. Gleichzeitig adressiere er weiterhin die Forderung an das Land Hessen, seinen Staatszielen gerecht zu werden und den Kommunen bei den laufenden Kosten, die ihnen durch den Betrieb von Schwimmbädern entstehen, deutlich stärker unter die Arme zu greifen.

Hier ein Bericht von Herrn Oehl vom 16.09.2022 aus dem Hanauer Anzeiger:

Schwimmen lernen gilt für uns als Selbstverständlichkeit. Das große Angebot an öffentlichen Schwimmbädern im Main-Kinzig-Kreis ermöglicht das Sichere schwimmen lernen im Rahmen des Schulschwimmens oder den vielfältig Angebotenen Schwimmkurse.

Durch pandemiebedingte Einschränkungen mussten viele Schwimmbäder jedoch zeitweise schließen oder ihren Betrieb deutlich einschränken. Das Ergebnis sind nach Schätzungen der DLRG 50.000 Kinder, welche aufgrund der Pandemie nicht schwimmen lernen konnten.

Schwimmen zu können ist angesichts der hohen Frequentierung von Freibädern und Seen während des Sommers essenziell, damit die Sicherheit der Kinder gewährleistet ist.

Auch vor der Pandemie ging das Angebot an öffentlichen Schwimmbädern zurück. Zwischen 2000 und 2016 wurden 24 Schwimmbäder in Hessen geschlossen.

Die Hauptursache sind die enormen Kosten für Betrieb, Instandhaltung und notwenige Modernisierungen, welche zum großen Teil auf den Schultern der Kommunen lasten. Die gestiegenen Energiekosten stellen viele Kommunen nun erneut vor die Frage, ob der Betrieb weiterhin tragbar ist.

Die Absenkung der Wassertemperatur ist dabei nur ein kleiner Beitrag, die Kostenexplosion einzudämmen. Das Land ist in der Pflicht den Kommunen an dieser Stelle unter die Arme zu greifen, damit der Erhalt und Betrieb der Schwimmbäder gesichert werden kann.

Der Bund leistet mit einem Förderprogramm seinen Beitrag dazu, Kommunen bei der energetischen Sanierung von Bädern zu unterstützen. Dadurch verringern wir nicht nur die CO2-Bilanz, sondern senken auch die Energiekosten im Betrieb.

Ich begrüße die Entschlossenheit der Stadt Maintal, trotz der schwierigen Bedingungen, dass Maintalbad durch einen Neubau zu ersetzen. In Berlin werde ich mich dafür einsetzen, dass an dieser Stelle auch der Bund seinen Beitrag leistet.

 

Auf Kreis-, Landes- und Bundeseben ist es angekommen, dass Kommunen, welche öffentliche Bäder in freiwilliger Leistung betreiben, immer mehr Schwierigkeiten bekommen, diese offen zu halten. Vieles wurde geschrieben, entsetzen und Hoffnungen geäußert.

Nun, so hoffe ich, müssen weitere Taten folgen.

Wie Herr Stolz auch schon berichtete, kann eine Sicherung der schwimmbadstandorte im Kreisgebiet, der Kreis nicht alleine tragen.

Ich hoffe sehr, dass es in Kürze Lösungen geben wird. Die Pfeiler zur Rettung des Hallenbades in Erlensee, aber auch sämtlicher öffentlicher Bäder in ganz Deutschland können und sollten sein:

• Bund
• Zuständige Länder
• Zuständige Kreise
• Zuständige Schulämter/-träger

Vielleicht finden sich auch Nachbarkommunen welche bereit sind zu unterstützen. Schließlich kommen auch vereinzelnd Schulklassen zum Schulschwimmen.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit

• 28.11.2022 19:00 Uhr Bürgerversammlung in der Erlenhalle Thema: Hallenbad
• 15.12.2022 Entscheidung, ob das Hallenbad Erlensee geöffnet bleibt oder für immer schließt.

Markus Täufer

 

 

 

Anzeige