Schutz vor Corona: Was wollen die Unternehmen?

(pm/ea) – In der ersten Februarwoche befragte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis nach ihren Vorstellungen zu Corona-Schutzmaßnahmen und sinnvollen Lockerungen. Die IHK richtete ihre Blitzumfrage gezielt an diejenigen Firmenchefs, die sich ehrenamtlich in der Vollversammlung engagieren.

Da diese 40 Unternehmen die Breite der Wirtschaft in Hanau und im Landkreis gut repräsentieren, sind ihre Aussagen belastbar. Ergänzend befragte die IHK online Mitglieder des IHK-Handelsausschusses und weitere interessierte Unternehmensvertreter.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die Unternehmen nehmen Corona sehr ernst und setzen die Schutzmaßnahmen konsequent um. Sie wünschen sich aber auch angesichts moderater Hospitalisierungsraten mehr Spielraum. Angemahnt wird zudem mehr Verlässlichkeit. Zu oft verlangte die kurze Frist zur Umsetzung von neuen Maßnahmen den Unternehmen mehr ab, als sie mittel- bis langfristig leisten können. Wenn Änderungen teilweise von einem Tag auf den anderen kommen, fehlt den Unternehmen und auch den Mitarbeitenden die Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde zusammen.

„Ich bin beeindruckt vom großen Verantwortungsgefühl, mit dem unsere Unternehmen und ihre Beschäftigten die gesetzlichen Vorgaben einhalten“, so Quidde weiter. Für ihn zeigt sich „hier ein enormes Vertrauen in unseren Staat, die Regierung und ihre Regeln.“ Unter anderem berichten viele Chefs über ihre erfolgreichen Anstrengungen, die Mitarbeiter impfen und boostern zu lassen. Dabei hilft vielfach „die grundsätzliche Kultur und Bereitschaft, den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu folgen“, so eines der befragten Industrieunternehmen aus Hanau.

Mit Maßnahmen wie dem Homeoffice und weiteren wie Schicht-Entzerrungen, zeitlich versetzten Pausen und vielen Tests schaffen es die allermeisten Unternehmen, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden sehr erfolgreich zu schützen. Allerdings hatte es Ansteckungen gegeben, auch von mehrfach Geimpften, wie einige Unternehmen berichten, „aber nur im privaten Umfeld“. Die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter sei Dank der getroffenen Maßnahmen dadurch nicht gefährdet worden.

Sehr viele Unternehmen aus Industrie und industrienaher Dienstleistung haben sich an die Folgen der Pandemie bereits so gut angepasst, dass mögliche Lockerungen zwar begrüßt werden. Aber diese sind für das wirtschaftliche Weiterbestehen dieser Unternehmen nicht mehr entscheidend – trotz erhöhtem Aufwand. Zugleich belegt die Umfrage, dass das Vertrauen der Unternehmen in die staatlich gesetzten Regeln nicht überstrapaziert werden sollte: Die Vielzahl der Regeln und Regeländerungen sorgen für Verwirrung und Verärgerung in den Unternehmen und ihren Kunden. Auf erheblichen Missmut stieß beispielsweise die „praktisch über Nacht erfolgte Reduzierung des Genesenen-Status auf drei Monate und Johnson & Johnson Geimpfte als ungeimpft“, so viele der antwortenden Unternehmen. Da deswegen Zutrittsberechtigungen neu geprüft werden mussten, habe sich ein „erheblicher zusätzlicher Aufwand“ ergeben.

„Solche schlechten Beispiele prägen sich ein“, warnt Quidde die Politik nach Auswertung der Umfrage, und er ergänzt: „resignierende Mitarbeiter und achselzuckende Chefs will niemand in diesem Land – genau so wenig wie noch mehr Bürokratie. Klare Regeln mit mehr Vorlauf für eine bessere Planbarkeit und Umsetzung sind notwendig. Außerdem wäre es hilfreich, wenn die Politik die Umsetzung der teuren Schutzmaßnahmen nicht den Unternehmen aufs Auge drücken würde.“

Wenig Verständnis herrscht zudem im Einzelhandel und in der Gastronomie dafür, dass im nahen Bayern andere Regeln gelten als in Hessen. Bei allen Vorteilen, die der Föderalismus bietet: Die Kleinstaaterei im Seuchenschutz bewährt sich aus Sicht der Unternehmen nicht.

Verheerend sind darüber hinaus die Wasserstandsmeldungen aus der Hotellerie und Gastronomie. Die Unternehmen – und ihre Gäste – verstehen die komplizierten Regeln teilweise nicht. „Da ist es fünf Sekunden vor zwölf. Nicht nur an dieser Stelle ist dringend eine Vereinfachung nötig“, analysiert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Umfrage bringe an den Tag, dass wir einfachere, bezahlbare Regeln brauchen, die Kunden und Gäste nicht abschrecken und die zugleich für Sicherheit sorgen. Denn das wollen die Kunden und die Unternehmen.

 

 

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