Hardy Däumer kommentiert in seinem Leserbrief die Erlenseer Bürgermeisterkandidaten-Podiumsdiskussion.
Im Gegensatz zu anderen Anwesenden fand ich die Veranstaltung gar nicht mal so schlecht. Gab es doch das erste und wohl einzige Mal die Möglichkeit, alle Kandidaten zusammen live zu sehen und zu hören, um sich ein besseres Bild zu machen.
Allen drei Neukandidaten sollte man zugestehen, dass sie doch recht viel Mut aufbringen, indem sie in diese Wahl gehen und dabei mehr oder minder große Schwächen öffentlich zeigen.
Während alle anderen eine Partei im Rücken haben, steht Frau Merz fast allein für ihr Vorhaben im Wahlkampf und konzentriert sich dabei auf Schwerpunkte, die sie mehr oder minder direkt betreffen. Aber reicht das als Bandbreite der Dinge, die gefordert werden? Ist sie mehrheitsfähig?
Anders verhält es sich da bei Herrn Börner, der uns ja mit einem Votum von mehr als 93% seiner Partei, der CDU, als Bürgermeister empfohlen wird. Seit er nun aber Kandidat ist, redet er eigentlich nur noch schlecht über alles, auch das, was er und die CDU mitgetragen haben, fährt sogar auf Gegenkurs zu seiner Partei beim Thema Fusion und lässt letztlich arge Zweifel aufkommen, ob er ein guter Repräsentant unserer jetzigen Stadt sein könnte. Kann er mehr als nur pauschale Vorwürfe aufbringen? Kann er neue schlüssige Konzepte aufzeigen und dann mit den jetzt Gescholtenen die notwendigen politischen Mehrheiten zu Umsetzung bilden? Er und die CDU allein können es sicherlich nicht!
Somit sind nach meiner Einschätzung beide wohl keine ernsthafte Konkurrenz für den Amtsinhaber. Sie sind dann doch eher weiterhin recht gut im Stadtparlament aufgehoben.
Frau Tonecker-Bös ist sich da anscheinend eher der übergroßen Aufgabe und Verantwortung einer Bürgermeisterin bewusst, keilt nicht einfach rum und wirbt eloquent und sympathisch für nachvollziehbare und sinnvolle Ziele, hofft dabei aber im Fall ihrer Wahl auf starke Unterstützung anderer. Doch wer wäre das? Und wenn da keine ist – was dann?
Generell habe ich mir eigentlich schon ganz am Anfang des Wahlkampfs eine Frage gestellt – die ich gerne als dritte an dem Abend gestellt hätte: „Was ist es, das sie als Kandidat an Mehr einbringen, über das hinaus, was sie bisher als Stadtverordneter jetzt schon leisten? Was füllt ihrer Meinung nach 60 und mehr Wochenarbeitsstunden, fordert, dass sie ihren jetzigen Job ganz aufgeben, Beamter auf Zeit werden dürfen und dafür ein recht gutes Gehalt und sogar Pensionsanspruch nach schon einer Amtszeit bekommen?“ Ich wäre auf die Antwort gespannt gewesen!
Nun ja, so wird es wohl nun ein „Home Run“ für Herrn Erb und ein Achtungserfolg für Frau Tonecker-Bös werden.
Und dann wird es sich eben zeigen, wie unser alter und neuer Bürgermeister mit seinen SPD weiterhin Kommunalpolitik macht. Wie er wirkliche Bürgernähe und offene Diskussion zeigt und wie er Schwerpunkte wie Sozialen Wohnungsbau, Sicherheit und Ordnung, reale mittelfristige Verkehrspolitik, Ortsverschönerung und -belebung, eGovernment, digitale Verwaltung und vielleicht sogar eine Fusion im Sinne der Bürger angeht.
Ein einfaches „Weiter so“ wird nicht laufen und könnte ihn und die SPD da wohl 2021 die (Fast-)Mehrheit kosten und aus einem „Traumjob Bürgermeister“ einen ungeliebten Knochenjob werden lassen.
Hardy Däumer
Erlensee
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