(pm/ea) – Unter der Leitung von Pfr. Uwe Rau (Hochstadt) besuchte eine siebenköpfige Delegation des evangelischen Kirchenkreises Hanau die südafrikanische Partner-Kirche.
Seit 1981 besteht diese Verbindung, die regelmäßig durch Besuche, Kontakte und gemeinsame Projekte gestärkt und fortgeführt wird. Die ersten Jahre der Partnerschaft fielen noch in die Zeit des Apartheid-Regimes und waren geprägt vom Kampf um politische und soziale Gerechtigkeit. Seit der Freilassung Nelson Mandelas 1990 und den ersten freien Wahlen vier Jahre danach haben sich die Rahmenbedingungen geändert – Südafrika ist weitgehend aus unseren Schlagzeilen verschwunden. Wie die Mitglieder der Delegation unter anderem im Johannesburger Apartheids-Museum erfuhren, leiden viele Menschen aber nach wie vor unter der Geschichte. Die Gesellschaft ist zerrissen von der Frage, wie eine Entschädigungsregelung für enteignetes Land aussehen kann. Obwohl die weißen Südafrikaner in dem Vielvölkerstaat mit zwölf offiziellen Landessprachen nur eine Minderheit ausmachen, gehören ihnen nach wie vor über 90 Prozent des Landes. Innerafrikanische Flüchtlingsbewegungen stellen die Südafrikaner vor weitere Herausforderungen.

Pfr. Kwadi vor ältester Kirche der Region

In Hintergrundgesprächen mit Bischöfen, Dekanen, Pfarrern und ehrenamtlich engagierten Gemeindegliedern erfuhren die Delegierten, wie die lutherische Kirche von Südafrika mit diesen Problemen umgeht. Das aktive Gemeindeleben, in dem vor allem die Musik und die vereinsartigen „Leagues“ eine große Rolle spielen, bildet für viele ein Gegengewicht zu Vereinzelung und Sinnlosigkeit. Mit Projekten wie einem Haus für traumatisierte Kinder oder der „Outreach Foundation“, einer Bildungs- und Betreuungseinrichtung mitten im Slum, sollen neue Perspektiven geschaffen werden.
Der Kirchenkreis Madikwe, mit dem die evangelischen Gemeinden aus Hanau und Umgebung verbunden sind, liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Botswana. Die älteste Kirche der Region liegt im Ort Dinokana und wurde 1859 durch deutsche Missionare gegründet. Da die Deutschen in Südafrika – anders als in Namibia – nicht in die Kolonialpolitik verwickelt waren, konnten sie relativ unabhängig agieren und gegenüber der Zentralregierung als Anwälte der Einheimischen auftreten. Manche von ihnen sind daher bei der lokalen Bevölkerung noch in guter Erinnerung.
Für die kommenden Jahre wurden weitere Begegnungen sowohl auf Jugend- als auch auf Erwachsenen-Ebene vereinbart.
Auf dem Ttielfoto (v.l.): stellv. Dekan Koos Kwadi, Dinokana; 3.v.l. Pfr. Uwe Rau, Hochstadt; daneben Benjamin Molokoe, Vorsitzender des südafrikanischen Ausschusses; Pfrin. Kirsten Schulmeyer, Bischofsheim; Jutta Bickermann, Bruchköbel; 5.-3.v.r.: Andreas Schwender, Langenselbold; Wolfgang Hesse, Hochstadt; Katja Damaschke, Bischofsheim; außerdem Mitglieder der Womens‘ League aus dem Kirchenkreis Madikwe.
Fotos: PM
