(pm/ea) – „Wir würden uns freuen, Sie in unserem Unternehmen bzw. in einer unserer Einrichtung begrüßen zu dürfen, um mit Ihnen zum Thema Altenpflege und vor allem zur Verlängerung der Wochenarbeitszeit einen fachlichen Dialog zu führen“ so Belinda Schmidt, Betriebsratsvorsitzende der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Spahn.
Anlass des Schreibens ist die Aussage des Ministers, die Pflegekräfte sollten 3-4 Stunden mehr arbeiten, dann könnte dem Pflegemangel intensiv begegnet werden.
Belinda Schmidt hob in dem Schreiben hervor, dass die Pflegekräfte bereits seit Jahren Berge von Überstunden vor sich her schieben. Drei bis vier Stunden Mehrarbeit in der Woche bedeuten 12 bis 16 Stunden im Monat. Und dies bei einer 100-Prozent- Kraft, die ja sowieso nur höchstens sechs freie Tage im Monat hat, teilweise bis zu zwölf Tage am Stück durcharbeitet und sowieso schon täglich länger bleibt, weil sie ihren Job ernst nimmt und nicht einfach sagt „So hab jetzt Feierabend“. Wie diese Kraft noch mehr arbeiten soll, ist für die Betriebsratsvorsitzende ein Rätsel.
In dem Schreiben an den Gesundheitsminister weist die Betriebsratsvorsitzende daraufhin,“ dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeitszeit nicht deshalb reduzieren, weil sie das Geld nicht brauchen, sondern weil sie in ihrem Beruf tagtäglich an ihre Grenzen gehen und den Druck und die Belastungen nicht mehr aushalten.“
Belinda Schmidt schreibt: „Lieber Herr Bundesgesundheitsminister, Sie sollten sich einmal für einen Monat in die Pflegeeinrichtungen begeben und sich ein Bild darüber machen, was unsere Kolleginnen und Kollegen und Tausende andere Beschäftigte im Pflegebereich Tag für Tag leisten. Vielleicht würden Sie dann ihre Aussage ernsthaft überdenken und für mehr Personal in den Pflegeeinrichtungen sorgen. Wir geben Ihnen jedenfalls die Möglichkeit zum Besuch.“
